Zerstörung der Klimt-Bilder angedroht: Niederösterreicher als Täter ausgeforscht!

Soll zur Tatzeit völlig betrunken gewesen sein<br>Drohung per Mail an Anwalt von Erbin Maria Altmann Erbin: "Österreicher sind ein verlogenes Pack, leider"<br>DURCHKLICKEN: Diese Klimt-Bilder sind in Gefahr!

Die fünf Klimt-Bilder, die nach dem Spruch des Schiedsgerichtes an Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann restituiert werden, mussten nach einer Drohung aus den Schauräumen der Österreichischen Galerie Belvedere abgehängt werden. Der Verfasser des Emails, in dem die Zerstörung der Bilder angedroht wurde, wurde bereits ausgeforscht. Altmann hat inzwischen in einem Zeitungsinterview harte Worte für die Österreicher gefunden.

Bei dem mutmaßlichen Täter, der die Droh-Email an Altmanns Anwalt Randol Schoenberg gesendet hat, handle es sich nach Angaben des Innenministeriums um einen Niederösterreicher (Jahrgang 1955) aus dem Bezirk Amstetten. Er hat gegenüber den Sicherheitsbehörden zugegeben, das Mail im alkoholisierten Zustand verschickt zu haben. Das Mail war noch auf seinem Computer gespeichert. Ausfindig gemacht hat man den Mann über seinen Provider aon.at.

Gemälde am Dienstag wieder zu sehen
Die Gemälde könnten ab Dienstag wieder zu sehen sein, hieß es von Seiten des Belvederes - "sicher ist das allerdings noch nicht". Und auch bei der UNIQA-Versicherung ist man äußerst vorsichtig: "Aus unserer Sicht werden wir einmal mit unserem Kunden und der Sicherheitsdirektion Gespräche führen", sagte Pressesprecher Norbert Heller. Erst dann könne man entscheiden, wie weiter vorzugehen sei.

Altmann-Anwalt Randol Schoenberg betonte auf APA-Anfrage, ob er weitere derart negative Ausfälle wegen des Schiedsspruchs erhalten habe, dass die Reaktionen zum Großteil positiv sind. "Wir haben das Gefühl, dass die große Mehrheit in Österreich die Entscheidung begrüßt hat und verstanden hat, dass die Gerechtigkeit eine Rückgabe der Bilder verlangt". Jedoch gebe es "unglücklicherweise immer ein paar 'faule Äpfel' in jedem Fass, die allen die Sache verderben".

Altmann: "Österreicher sind verlogenes Pack"
Altmann selbst ist in einem Interview mit der Schweizer "Weltwoche" mit den Österreichern hart ins Gericht gegangen. Als "charmant, aber niederträchtig" bezeichnete Altmann die Österreicher. "Es ist ein verlogenes Pack, leider", so ihr weiteres Urteil. Sowohl der Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, Gerbert Frodl, als auch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hätten Treffen mit Altmann, die stattgefunden hätten, später abgestritten. "Ich habe Wien über alles geliebt. Diese Liebe wurde mir genommen", so Altmann. "Wissen Sie, die Österreicher sind immer so freundlich, es wird mir ganz übel, wenn ich daran denke, wie freundlich die sind".

Dass die fünf Klimt-Bilder nach dem Schiedsspruch nun an sie restituiert werden, finde Altmann "aus finanzieller Sicht" sehr schön. Was sie mit dem Geld nach einem eventuellen Verkauf der Bilder machen wird, wisse sie noch nicht. Sie wolle "viel Gutes" tun und die jüdische Gemeinde in Wien und Kunstschaffende bedenken.

Wie viel Geld sie dafür nach einem eventuellen Verkauf der Bilder zur Verfügung haben wird, war auch am Freitag Gegenstand von Spekulationen. Das berühmte Porträt "Adele Bloch-Bauer I" wird auf einen Wert von 84 bis 144 Millionen Dollar (70 bis 120 Mio. Euro) geschätzt. Würde es verkauft werden, könnte es damit das teuerste Bild der Welt werden. Eine Expertin der internationalen Kunstmesse TEFAF in Maastricht hielten das am Donnerstag im Gespräch mit der APA jedoch für unwahrscheinlich. Derzeit hält Pablo Picassos frühes Werk "Junger Mann mit Pfeife" (Garcon a la Pipe) mit 104,17 Mio. Dollar (85,9 Mio. Euro) den Rekord. "Ein Klimt mehr wert als ein Picasso? Das kann ich mir nicht vorstellen", sagte eine Sprecherin der TEFAF (The European Fine Art Fair) zur APA.

Frodl hat Treffen "nie dementiert"
Der Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere Gerbert Frodl wendet sich in einer Aussendung gegen den Vorwurf der Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann in einem Interview mit der Schweizer "Weltwoche", dass Frodl ein Treffen mit ihr später geleugnet habe."Ich habe ein Treffen mit Maria Altmann nie dementiert", so der Direktor in einer Aussendung.

Ein solches Treffen habe im September 1999 in Wien stattgefunden. Abgesehen von dieser Zusammenkunft habe es keine weiteren Begegnungen gegeben.

Auch Gehrer hat "Treffen nie bestritten"
Am Freitag Abend hat auch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) die Vorwürfe der Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann zurückgewiesen: Man habe das Treffen "nie bestritten", sagte ihr Sprecher Thomas Schmid zur APA. Dabei seien auch mehrere Personen anwesend gewesen.

Auch, dass Gehrer auf Briefe von Altmann nicht reagiert hätte, dementiert man im Bildungsministerium: "Die Briefe, die die Ministerin erhalten hat, wurden alle beantwortet", erklärte Schmid.

(apa/red)