XX. Olympische Winterspiele 2006 in Turin: Am 10. Februar geht Kampf um Medaillen los

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Am 10. Februar fällt der Startschuss zu den XX. Olympischen Winterspielen in Turin. Bis zum 26. Februar stehen dann nicht nur die Athleten, die in 15 Disziplinen um 84 Goldmedaillen kämpfen, sondern auch die norditalienische Metropole an den Flüssen Po und Dora Baltea im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Bauverzögerungen, Geldprobleme, schleppender Ticketverkauf und drohende Megastaus lassen vorab aber kein gutes Licht auf das Organisationskomitee (TOROC) fallen.

Die schwierige Logistik in und um Turin mit gleich drei Olympischen Dörfern macht den Organisatoren das Leben zur Hölle. In Turin werden nur Eiskunst- und Schnelllauf, Short Track und Eishockey ausgetragen, alle anderen Bewerbe in den knapp zwei Stunden entfernten Orten Sestriere, Bardonecchia, Sauze d'Oulx und Pragelato.

Vor allem der Transport und die Quartiere bereiten den Organisatoren Kopfzerbrechen. Die enge Straße von Turin in den Ski-Ort Sestriere, in dessen Umgebung Ski alpin und nordisch, Biathlon, Bob, Rodeln und Skeleton stattfinden, ist prädestiniert für Megastaus. Die Kapazität der Skisprung-Arena in Pragelato wurde wegen der Schwierigkeiten im Transport auf für olympische Verhältnisse minimale 7.000 Plätze begrenzt.

Bei den Alpinen in Sestriere sowie San Sicario dürfen zwischen 5.400 und 8.000 Wintersport-Fans zusehen. Die Zuschauer müssen per Bahn von Turin aus zum etwa 80 Kilometer entfernten Umsteigebahnhof Oulx fahren und werden von dort aus mit Bussen auf einer einzigen engen Bergstraße an die Wettkampforte gebracht.

Drohende Pleite abgewendet
Die drohende Pleite der Turiner Olympia-Organisatoren wurde in letzter Sekunde abgewendet. Die italienische Regierung ließ dem Organisationskomitee (TOROC) die Einnahmen einer Glücksspiellotterie in Höhe von rund 24 Millionen Euro zukommen. Weitere 30 Millionen Euro wurden von der öffentlichen Hand in Turin und der Region Piemont beigesteuert. Damit konnte das durch die Sparmaßnahmen des italienischen Finanzministers Giulio Tremonti entstandene Haushaltsloch von 64 Millionen Euro gestopft werden.

"Es gibt keinen Grund zu dramatisieren. Wir werden die Olympischen Spiele mit einem ausgeglichen Haushalt beenden können", sagte Turins Bürgermeister Sergio Chiamparino bei der Einweihung des Olympischen Dorfes. Er verwies dabei auch auf die Einnahmemöglichkeiten durch den Verkauf zahlreicher Olympia-Einrichtungen. Die Agentur, die sich nach Ende der Spiele um den Verkauf und die Vermarktung von olympischen Einrichtungen und TOROC- Ausstattung kümmert, verfügt laut Chiamparino über ein Betriebsvermögen von einer halben Milliarde Euro.

Organisatoren dementieren schleppenden Kartenverkauf
Die Organisatoren der Olympischen Winterspiele teilen die geäußerten Befürchtungen, dass das Event zu einem Flop werden könnte, nicht. Das Organisationskomitee TOROC wies einen kritischen Bericht des "Wall Street Journal" zurück, wonach der Kartenverkauf für die Spiele stagniere und tausende Hotelzimmer noch nicht reserviert seien. "Der Kartenverkauf entspricht den Prognosen, es gibt keinerlei Grund zur Sorge", kommentierte TOROC-Generaldirektor Cesare Vaciago in italienischen Medien.

"Wir wussten genau, dass in Italien die Karten eher kurzfristig vor Beginn der Spiele gekauft werden. Man darf sich nicht wundern, dass die Karten für Frauen-Eishockey nicht ausverkauft worden sind, wie es bei anderen Sportarten der Fall ist", erklärte Vaciago. Der Generaldirektor sprach von bereits 580.000 verkauften Tickets. "Für mehrere Wettkämpfe sind die Karten bereits ausverkauft", erinnerte der Generalsekretär, der für die letzten Wochen vor den Spielen noch eine massive Werbekampagne ankündigte.

Italien schützt Olympia 2006 mit 9.000 Polizisten
Italien will mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften für die Sicherheit bei den Olympischen Spielen in Turin sorgen. Insgesamt sollen 9.000 Polizisten Besucher und Athleten schützen. Zudem arbeite Italien eng mit der Polizei und den Geheimdiensten anderer Länder zusammen, sagte Innenminister Giuseppe Pisanu. "Ich möchte unserem Parlament versichern, dass die Polizeikräfte einen breiten und sorgfältigen Plan für die Ordnung und die öffentliche Sicherheit der Spiele ausgearbeitet haben", erklärte Pisanu.

Obwohl es keine sicheren Hinweise auf die Vorbereitung eines Terroranschlages gebe, bestehe dennoch erhöhte Gefahr, fügte der Minister hinzu: "Die weltweite Aufmerksamkeit des Ereignisses und sein zeitliches Zusammentreffen mit der Wahlkampagne könnten bei terroristischen Organisationen für großes Interesse sorgen."

Claudio Baglioni singt den Olympiasong
Der 55-Jährige Claudio Baglioni zeichnet sich für den offiziellen Olympia-Song «Va!» verantwortlich. Der Römer gehört zu den populärsten Musikern Italiens. Er tritt auch nach seiner über 30-jähriger Karriere noch in vollen Fußball-Stadien und Konzerthallen auf. Anfang der Siebzigerjahre schaffte Baglioni mit «Questo piccolo grande amore» als erster italienischer Sänger den Sprung in die US-Hitparade. (apa/red)