Wladimir Klitschko bleibt Box-Weltmeister im Schwergewicht. Der 36 Jahre alte Ukrainer machte Samstagnacht vor 22.000 Zuschauern kurzen Prozess Berner im Stade de Suisse: Schon in der sechsten Runde schlug er seinen amerikanischen Herausforderer Tony Thompson K.O. "Dieses Mal war es viel einfacher. Ich hatte die Kontrolle", betonte Klitschko nach dem Kampf trocken.
Für den WBA-, IBF- und WBO-Champion Klitschko war der Kampf in der Schweiz der 58. Sieg im 61. Profikampf. Der 40 Jahre alte Thompson kassierte die dritte Niederlage im 38. Kampf. Klitschko war gegen Thompson, den er bereits 2008 vorzeitig besiegt hatte, vom ersten Gong an wie erwartet der dominierende Mann im Ring. In der fünften Runde war Thompson nach harten Treffern des Titelverteidigers am Boden, rettete sich aber in die Pause. Danach setzte Klitschko nach und schickte den Amerikaner erneut auf die Bretter. Der Ringrichter zählte Thompson daraufhin aus.
Klitschko: "War nicht seine Nacht"
"Ich wusste, dass ich schneller, stärker, besser bin. Tony wollte es unbedingt. Aber es war nicht seine Nacht." Vier Runden lang suchte der 36-jährige Weltmeister nach der richtigen Distanz zum Gegner. Als er sie fand, war Thompsons Widerstand gebrochen.
Eine mächtige Links-Rechts-Kombination schickte den 40-jährigen Amerikaner in der fünften Runde zu Boden. Nach weiteren Treffern im folgenden Durchgang zählte Ringrichter Sam Williams aus den USA den Herausforderer aus.
Wladimir ohne Gegner?
"Wladimir hat durch seine überragende Physis gewonnen", konstatierte Emanuel Steward. Klitschkos Trainer feierte am Ring seinen 68. Geburtstag - und zog Bilanz: "Ich habe fünf Schwergewichts-Weltmeister trainiert. Wladimir wäre für jeden Champion der Geschichte eine Gefahr gewesen. Wenn wir uns seinen Rekord anschauen, ist er einer der Besten aller Zeiten."
Steward weiß aber auch um das Dilemma seines Schützlings. Seine ehemaligen Boxer Mike Tyson, Evander Holyfield und Lennox Lewis hatten Gegenspieler, mit denen sie für unvergessliche Ringschlachten sorgten. Gegner, die sie groß machten. Wladimir Klitschko hat dagegen nur Herausforderer wie Thompson, die an der WM-Chance wohl vor allem die Gage reizt.
Und der einzige WM-Gürtel, den Klitschko sich bisher nicht im Ring erkämpft hat, ist dennoch im Familienbesitz. Den WBC-Titel verteidigt sein vier Jahre älterer Bruder Witali am 8. September in Moskau gegen den Deutschen Manuel Charr. Nur wenn Witali im Anschluss wegen seiner politischen Ambitionen das Boxen aufgeben sollte, könnte Wladimir um den letzten verbliebenen Titel kämpfen.
Nächster Halt: Chisora oder Haye
Bis dahin muss sich Klitschko den Gegnern stellen, die er in der Weltrangliste vorfindet - auch wenn er sie schon einmal besiegt hat. Thompson hatte sich nach dem ersten Duell mit fünf Siegen in Folge zum Pflichtherausforderer der IBF zurückgekämpft. Sollte am kommenden Samstag Dereck Chisora in London gegen seinen Landsmann David Haye gewinnen, wäre der Brite eine Option für Klitschkos nächsten Kampf im November oder Dezember in Europa.
Aber sowohl Chisora (Witali) als auch Haye (Wladimir) sind schon an den Klitschkos gescheitert. "Zwei Klitschko-Verlierer wollen wissen, wer ist der Stärkste?", lautete deshalb der etwas abfällige Kommentar von Witali Klitschko.
"Riesenkämpfe für 2013" in Aussicht
Für das kommende Jahr bastelt Klitschkos Manager Bernd Bönte an Duellen gegen die bisher unbesiegten Briten David Price und Tyson Fury. "Das wären Riesenkämpfe für 2013", meinte Bönte. Ein Angebot, zum ersten Mal nach vier Jahren wieder in den USA zu kämpfen, schlugen Klitschko und Bönte dagegen aus, denn für den Weltmeister gibt es in Europa mehr Geld zu verdienen. Es fehlt schließlich ein schlagkräftiger US-Herausforderer. Und seit Samstagnacht gibt es wieder einen weniger.
