Wird Papst-Attentäter zum Filmstar? Agca verhandelt über Hollywood-Verfilmung

Agca will für Rolle angeblich acht Millionen Dollar Muss dafür Hintergründe des Anschlags aufklären

Aus der Haft heraus könnte Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca eine Karriere als Schauspieler starten. Er verhandle mit Hollywood, um einen Film zu drehen, in dem er sich selbst spielen solle, berichtete die am Mittwoch erscheinende italienische Zeitschrift "Gente" in einem Vorausbericht. Agca verlange für seinen Filmauftritt acht Millionen Dollar (6,63 Mio. Euro). Dafür soll er sich verpflichten, die Hintergründe des Anschlags auf Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 zu klären, berichtete "Gente".

Eine Filmgesellschaft, die nicht genannt wurde, habe Agcas Rechtsanwalt Mustafa Demirbag bereits 500.000 Dollar gezahlt. Der Papst-Attentäter plane eine Reise nach Mexiko, wo einige Szene des Filmes gedreht werden sollten, berichtete "Gente". Wegen der Reise nach Mexiko habe Agca ein TV-Exklusivinterview abgesagt, für das er 600.000 Dollar kassiert hätte.

Die italienische Zeitschrift zitiert auch Agcas Freund und Leibwächter Haydar Mengi, der um das Leben des Papst-Attentäters bangt. "Agca zu töten, ist der einzige Weg, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er kann sich retten, wenn er über die Hintergründe des Anschlags spricht. Er muss es aber vor so vielen Menschen wie möglich tun", so Mengi.

Agca hatte 1979 in Istanbul den Journalisten Abdi Ipekci erschossen und war anschließend geflohen. Nach seinem Attentat auf Papst Johannes Paul II. 1981 in Rom kam Agca in Italien für 19 Jahre hinter Gitter, bevor er im Jahr 2000 in die Türkei abgeschoben wurde. Nach etwa fünfeinhalb Jahren Haft für den Ipekci-Mord kam Agca nun auf freien Fuß; er profitierte von mehreren Straferlässen. Die türkische Öffentlichkeit reagierte mit großer Empörung auf die vorzeitige Entlassung des verurteilten Mörders. Kritiker werfen der türkischen Regierung vor, ihre Initiative vor dem Berufungsgericht zu spät eingeleitet zu haben.

Regierung beeinsprucht Freilassung
Fünf Tage nach der Haftentlassung Agcas hat der türkische Justizminister Cemil Cicek formell Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt. Cicek forderte das Berufungsgericht am Dienstag auf, die Entscheidung zur Freilassung Agcas aufzuheben, wie die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi meldete.

"Ich sage nicht, dass die Freilassung ein Irrtum war, aber ich sage, dass es einen Fehler gegeben haben könnte", hatte Cicek am Donnerstag nach der Freilassung Agcas gesagt. Sein Vorgänger Hikmet Sami Türk, unter dessen Amtsführung Agca im Jahr 2000 ausgeliefert worden war, nannte die Freilassung einen "schweren Fehler". Agca hätte bis mindestens 2012 im Gefängnis bleiben müssen.

Der heute 48-Jährige hatte von einer Reihe von Amnestien und Reduzierungen seiner Strafen profitiert und war deshalb am 12. Jänner frei gekommen. Sollte das Gericht dem Antrag Ciceks zustimmen, müsste Agca schon bald wieder ins Gefängnis.

Agca wollte Bin Laden fassen Y
Einem Zeitungsbericht zufolge hat Agca aus der Haft heraus den türkischen Behörden seine Dienste angeboten, um den Chef des Al-Kaida-Netzwerks Osama bin Laden zu fassen. Er werde Bin Laden "tot oder lebendig" dingfest machen, schrieb Agca im Jahr 2000 an den damaligen Chef des türkischen Geheimdienstes MIT, wie die Zeitung "Hürriyet" am Dienstag berichtete. Der Brief liegt der Zeitung nach eigenen Angaben vor. Demnach schlug Agca vor, er werde nach Afghanistan reisen, Osama bin Laden fassen und in die USA bringen. Mit dieser "historischen Mission" könne sich die Türkei für die Hilfe der USA bei der Festnahme des kurdischen Rebellenchefs Abdullah Öcalan 1999 bedanken.

50 Millionen Dollar für Kovertierung?
In dem handgeschriebenen Brief habe Agca auch von einem Angebot des Vatikan geschrieben, zum Katholizismus überzutreten, berichtete "Hürriyet" weiter. Zwei Jahre nach seinen Schüssen auf Papst Johannes-Paul II. auf dem Petersplatz habe der Vatikan ihn zum Katholiken und Kardinal machen und dafür 50 Millionen Dollar zahlen wollen. Er habe abgelehnt. Zudem habe sich Agca in dem Brief als "Messias" bezeichnet.

(apa/red)