Wienwoche von

Live-Bondage mit Phettberg

Großer Aufreger um geplante Fessel-Performance mit Pflegefall Hermes Phettberg

Phettberg macht Live-Bondage bei Wienwoche © Bild: APA-Christian Müller

Hermes Phettberg kann sich seit seinem Schlaganfall nur mehr schwer verständigen und sitzt im Rollstuhl. Geistig ist der frühere TV-Star jedoch auf voller Höhe, wie seine Falter-Kolumne beweist. Am Sonntag, dem 30. September 2012, lässt sich der Künstler vor Publikum fesseln. Kritiker sprechen von "Entwürdigung".

Nach einem Schlaganfall im Jahr 2007 sitzt Hermes Phettberg im Rollstuhl. Der ehemalige Talkshow-Moderator kann nur mehr sehr schlecht sprechen, ist von 170 auf etwa 70 Kilogramm herunter gemagert und bei der Körperpflege auf fremde Hilfe angewiesen. Live-Auftritte sind rar geworden, nur als Falter-Kolumnist und unter www.phettberg.at ist von dem einstigen Entertainer zu lesen. Die Szene scheint ihn fast vergessen zu haben – per Inserat bittet Phettberg um "langfristige Darlehen mit hohem Risiko".

Kritiker: Verletzung menschlicher Würde

Nun sorgt Phettbergs geplante Live-Performance bei der Wienwoche für große Aufregung: Im Rahmen der Veranstaltung "Garten der Lüste" soll der Ex-TV-Star live gefesselt werden. ÖVP-Gemeinderätin Isabella Leeb übt scharfe Kritik in der "Kronen Zeitung" und weist auf den schlechten gesundheitlichen Zustand Phettbergs hin. Die Grünen sehen das als "würdelosen Versuch, Hermes Phettberg das Selbstbestimmungsrecht abzusprechen". Die Verantwortlichen der "Wienwoche" sehen einen Versuch, das Kulturprojekt "parteipolitisch zu instrumentalisieren."

Im Mittelpunkt des Projekts steht laut Website „die Frage der Repräsentation bzw. Repräsentierbarkeit von lesbischen, schwulen, transgender, intersexuellen und queeren Positionen und deren – sprichwörtliche – Verortung angesichts faschistischer und rassistischer Kontinuitäten und vor dem Hintergrund aktueller räumlicher Prozesse in der Stadtentwicklung.“

Phettberg als Künstler

Hermes Phettbergs war Mitte der achtziger Jahre Mitbegründer der Sadomasochismusinitiative Wien. Dort propagierte er zum Beispiel das Projekt Polymorph Perverse Klinik Wien. Darüber hinaus war er Proponent des Vereins zur Schaffung einer Hochschule für Pornographie und Prostitution. Zusätzlich nahm Phettberg an zahllosen einschlägigen Happenings teil. Bevorzugtes Thema: Sadomasochismus im Homo-Milieu. Im Jahre 1993 erhielt er den Franz-Grillparzer-Preis der "Anonymen Aktionisten" und im Jahre 2002 den Preis der Stadt Wien für Publizistik.

Zur Wienwoche

Seit dem 22. September lädt die erste "Wienwoche" zu über 70 Veranstaltungen in die Bundeshauptstadt. Das auf Initiative der Rathaus-Grünen entstandene Kulturprojekt ist eine Mischung aus künstlerischen Workshops und Projekten. Laut den Veranstaltern steht dabei das aktive Mitwirken der Besucher im Vordergrund. So wurden beispielsweise am Eröffnungstag sechs Obstbäume im Ostarrichi-Park gepflanzt. Die Bezeichnung "Woche" täuscht übrigens: Das Festival dauert 17 Tage.

Finanziert wird die Wienwoche mit städtischen Mitteln, wobei sich das Gesamtbudget auf rund 453.000 Euro beläuft. Laut Veranstalter fließt die Hälfte davon direkt in das Kulturprojekt - bei dem es sich um keinen Einzelfall handeln soll: Im kommenden Jahr ist bereits an eine Fortsetzung gedacht.

Weiterführende Links:
Infos und Termine zur Wienwoche
Phettbergs Homepage

Kommentare

Luena

Dieser Mann ist geistig auf der Höhe (stand im Bericht), erwachsen, nicht entmündigt und hat, auch als Pflegefall das Recht über sich selbst zu entscheiden und das Recht auf Sexualität. Also warum die Debatte? Haben Kranke oder Behinderte kein Recht auf Sex, ob SM oder "normal"?

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Kultur