Wiener ÖVP hält Parkpickerl-System für überholt: Neue Maßnhamen notwendig

Verkehrssprecher: Effekt sei verloren gegangen

Die ÖVP hat am Montag eine radikale Wende in der Wiener Parkraumbewirtschaftung gefordert. "Das Parkpickerl ist in dieser Form überholt", unterstrich Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl in einer Pressekonferenz. Man müsse nun in einem Gesamtkonzept neue Maßnahmen überlegen, und nicht die Parkpickerlzone beständig ausweiten.

Seit der Einführung des Parkpickerls 1993 seien dessen Effekte de facto verloren gegangen. Mittlerweile liege die Parkplatz-Auslastung in den betroffenen Bezirken wieder nahe 100 Prozent. In Zeiten zunehmender Pkw-Halter würden die alten Konzepte eben nicht ausreichen.

Heute gibt es das System der Parkraumbewirtschaftung in allen Bereiche innerhalb des Gürtels sowie im 20. Bezirk und Teilen der Leopoldstadt. Seit September 2005 läuft außerdem ein zweijähriger Pilotversuch auf dem Gebiet rund um die Stadthalle in Rudolfsheim-Fünfhaus.

Dieser Modellversuch sei bereits gescheitert, stellte Gerstl klar. Schon jetzt kämen im Stadthallenumfeld auf einen gemeldeten Pkw 1,43 Stellplätze. Die Stadt Wien versage aber beim Management der vorhandenen Kapazitäten. So werde die Stadthalle etwa nur an 50 Tagen im Jahr mit Großveranstaltungen bespielt. Es würde ausreichen, hier Parkraumbewirtschaftung einzusetzen, nicht an den übrigen 315 Tagen ebenso.

Weiters sollten in den drei Garagen rund um die Halle zusätzliche Stellplätze geschaffen und mit Subventionen unterstützte Dauerparkplätze für Anrainer eingerichtet werden. Wichtig seien etwa auch Gratisfahrscheine für die Wiener Linien bei Veranstaltungen oder dem Einkauf in der Lugner City, ein Shuttleservice von entfernter liegenden Garagen oder das Öffnen von Kundenparkplätzen außerhalb der Geschäftszeit. Generell gelte es, den öffentlichen Nahverkehr schneller auszubauen als die Neigung der Menschen steige, sich ein Auto zu kaufen.

Ebenfalls am Montag veröffentlichte das Büro von Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S) eine erste Bilanz zum Stadthall-Pilotprojekt, das begleitend evaluiert wird. Studienautor Max Herry betonte darin, dass die Wiener Parkraumbewirtschaftung noch viel Potenzial habe. "Denn die gezielte Ausweitung auf besonders belastete Gebiete hat klare positive Effekte und macht somit absolut Sinn", so Herry in der Aussendung. Ein Großteil der Stadthallen-Anrainer sei mit der jetzigen Situation sehr zufrieden.

(apa)