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Was hinter der
Wiener "Hanfbotschaft" steckt

Eine Ausstellung einer überraschend legalen Art.

Hemp Embassy Vienna © Bild: Hemp Embassy Vienna

In Österreich wurde das angeblich Unmögliche möglich gemacht: In der ersten "Hanfbotschaft" ist die weltweit erste öffentliche Ausstellung von hochpotenten, blühenden Hanf-Pflanzen zu sehen. Dies galt bislang als verboten. Eigentlich heißt es: Nur sobald die Hanfpflanzen zum Blühen gebracht werden, ist deren Besitz illegal. Gar nicht wahr, sagt Hanfshop-Betreiber Stivi Wolyniec.

Stivi Wolyniec
© Stivi Wolyniec

Blühende Hanfpflanzen zu besitzen oder gar auszustellen, gilt als verboten. Wie wurde es möglich gemacht?
Wolyniec:
Es ist gar nicht verboten, Blütenhanf zu besitzen oder auszustellen. Es geht um den Zweck dahinter. Ist der Zweck Missbrauch, dann gilt sowohl die wachsende als auch die blühende Pflanze als verboten. Ist der Zweck nicht Missbrauch sondern ein anderer, in unserem Fall eine Ausstellung, dann ist die Blüte von Hanf legal, beziehungsweise erlaubt.

Der "gute" Zweck reicht demnach generell für den Besitz blühender Pflanzen?
Wolyniec:
Man muss einen Vorsatz haben. Wenn man diesen Vorsatz nicht hat, findet auch kein Gesetzesübertritt statt. Dazu kommt das Technische: Wenn man die Blüte von der Pflanze trennt, gilt es in jedem Fall als Suchtmittelgewinnung und ist illegal.

Welche Auflagen muss die "Hanfbotschaft" erfüllen?
Wolyniec:
Wenn die Pflanzen ausgeblüht sind, werden sie in eine Tonne gegeben, zur Müllverbrennungsanlage in Simmering gebracht und dort sofort vernichtet. Jeder Transport-Schritt findet unter notarieller Aufsicht statt, damit sichergestellt ist, dass niemand Zugriff auf die Pflanzen hat und jeglicher Missbrauch ausgeschlossen werden kann. Außerdem werden die Pflanzen in Sicherheitsglasvitrinen ausgestellt und ständig gefilmt.

Was soll mit der Ausstellung bezweckt werden?
Wolyniec:
Wir wollen das sichtbar machen, worum es in der ganzen Diskussion geht: nämlich die blühenden Hanfpflanzen. Wir laden jeden ein, sich ein Bild von der Pflanze zu machen. Viele glauben, Hanf ist eine Droge oder ein weißes Pulver, aber es ist eine Pflanze, die die Natur erschaffen hat. Die eigentliche Botschafterin ist die Pflanze selbst. Wir sind keine 'Hurra-Legalize-Bewegung' sondern versuchen auf einer vernunftbasierten Weise Einfluss auf die Diskussion zu nehmen.

Bill Levin, Gründer der "First Church of Cannabis"
© Facebook/First Church of Cannabis

Wir haben gestern über die "Cannabis-Kirche" im amerikanischen Indiana berichtet. Hier hat ein Mann ein neues Gesetz so ausgelegt, dass er in einem Staat, in dem das Marihuana rauchen eigentlich gesetzlich verboten ist, sich nun vollkommen legal berauschen kann. Er hat eine religiöse Gemeinschaft gegründet, anerkennen lassen und die Pflanze zum Sakrament seiner "Kirche" erklärt. Ist so etwas auch in Österreich denkbar?
Wolyniec:
Ich denke, dass das nicht der angestrebte Weg ist. Wir sind eine aufgeklärte Gesellschaft, in der eine vernünftige Regulierung einer Pflanze möglich sein sollte. Erwachsene Menschen sollten das Genussmittel ihrer Wahl verwenden dürfen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Maßnahmen lassen sich leichter umsetzen, wenn der Umgang mit der Pflanze reguliert und nicht kriminalisiert ist. So überlässt man alles dem Schwarzmarkt. Gleichzeitig muss der Jugendschutz gewährleistet sein: In Spanien beispielsweise, wo es sogenannte 'Social Clubs' gibt, wird Cannabis für volljährige Mitglieder produziert und ausgegeben. Der Schwarzmarkt trocknete so aus und es gibt entsprechend weniger Angebote für jugendliche.

Was halten Sie persönlich von der Idee Cannabis zur Religion zu machen?
Wolyniec:
In Jamaika ist Ganja ein Sakrament in der Rastafari-Kultur, seit Februar diesen Jahres ist Cannabis in Jamaika legalisiert. Rastas dürfen die Pflanzen anbauen und besitzen, so lange sie es im Rahmen ihrer Religion machen. Cannabis ist demnach eine Pflanze, die sicherlich auch spirituell genutzt werden kann, und wenn das jemand im Rahmen seiner Religion ausleben möchte und kann, soll er das auch machen. Das beste Beispiel ist die katholische Kirche: Hier gehört zu jeder Messe ein Glas Wein.

Wie kann man die Bezeichnung der Ausstellung als "Botschaft" verstehen?
Wolyniec:
Das ist in dem Sinne zu verstehen, dass es über Jahrzehnte, den "War of Drugs" gegeben hat. Den kann man mittlerweile als gescheitert und beendet betrachten. Die Gesellschaft ringt nun um diplomatische Vertretung der Hanfpflanze und ist bereit, den Dialog wieder aufzunehmen.

Über die Ausstellung

Die "Hemp Embassy Vienna", auf deutsch "Erste Wiener Hanfbotschaft", hat am 18. September in der Esterhazygasse m 6. Bezirk geöffnet. Es handelt sich dabei um eine Ausstellung von blühendem Hanf. Die ca. 1,20 Meter hohen Pflanzen sind mit Sicherheitsscheiben vom Publikum getrennt, und zeigen alle Stadien ihrer Blühphasen. Durch kleine Öffnungen im Glas können Interessierte die unterschiedlichen Sorten mittels Geruchssinn wahrnehmen. Alle Pflanzen, darunter auch spezielle Sorten für medizinische Anwendungen, werden während ihrer Entwicklung gefilmt und ihre gesamte Blütephase als Video der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Initiiert wurde die "Hemp Embassy Vienna" vom Verein Hanfmuseum, der die Blühpflanzen bereitstellt, und dem Hanfshop "Bushplanet". Der Eintritt ist frei.

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