Wieder zwei Deutsche im Irak entführt: Von sechs Bewaffneten in Uniformen verschleppt

Männer angeblich auf öffentlicher Straße entführt Ingenieure arbeiteten bei Ölraffinerie in Baidschi

Rund einen Monat nach der Freilassung der Archäologin Susanne Osthoff sind im Irak am Dienstag zwei deutsche Ingenieure entführt worden. Bewaffnete in Militäruniformen hätten die Männer vom Gelände einer Ölraffinerie in Beji (Baidschi) rund 200 Kilometer nordwestlich von Bagdad verschleppt, teilte die irakische Polizei mit. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Nachmittag vor der zweiten Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt in Berlin, die beiden Männer würden vermisst. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die aus dem Raum Leipzig stammenden Ingenieure entführt worden seien.

Die Geiselnehmer seien gegen 08.00 Uhr Ortszeit (06.00 Uhr MEZ) in Militäruniform, aber mit zivilen Fahrzeugen auf das Gelände der Raffinerie gefahren, teilte die irakische Polizei mit. Die beiden Deutschen seien anschließend an einen unbekannten Ort gebracht worden. Beji, wo sich eine der größten Ölraffinerien des Irak befindet, liegt in der sunnitischen Provinz Salaheddin, einer Hochburg der Aufständischen im Irak.

Nach Angaben des Ölministeriums in Bagdad wurden die Deutschen mit zwei irakischen Begleitern auf einer öffentlichen Straße entführt, als sie sich auf dem Weg zu der Raffinerie befanden. Der Sprecher sagte, die Männer arbeiteten für ein deutsches Unternehmen, das Maschinen für eine arabische Reinigungsmittelfirma liefert. Die Ingenieure seien vor einigen Tagen im Irak eingetroffen, um die Maschinen zu installieren, und hätten nur kurz bleiben wollen.

Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwochsausgabe) sind die Männer bei der Firma Cryotec in Bennewitz bei Wurzen beschäftigt. "Mein Interesse besteht darin, die Kollegen gesund und kurzfristig zurückzubekommen", sagte Geschäftsführer Peter Bienert dem Blatt. Die Anlagenbau-Firma hatte der Zeitung zufolge zuletzt ein Millionenprojekt im Irak betreut. Im November 2005 sei eine Luftzerlegungsanlage, die zur Erzeugung von Sauerstoff und Stickstoff dient, für die Ölraffinerie Beji fertiggestellt worden.

Etwa drei Stunden nach der Entführung der deutschen Ingenieure meldete sich nach Informationen des "Tagesspiegels" und der "Süddeutschen Zeitung" ein Anrufer bei der deutschen Botschaft in Bagdad. Der Mann habe mitgeteilt, dass zwei Deutsche als Geiseln genommen worden seien. Deutsche Sicherheitskreise hielten es für möglich, dass der Anrufer zu den Entführern oder ihrem Umfeld zähle. Denkbar sei aber auch, dass es sich um einen Augenzeugen des Kidnappings handelte. (apa/red)