Wegen höherer Einstandspreise: Wien Energie verteuert Strom und Gas per 1. März

0,6 Cent mehr pro Kilowattstunde beim Strom Der Gas-Arbeitspreis steigt um 0,7 Cent pro kWh<br>Strom wird auch in Salzburg und Tirol teurer

Für Haushaltskunden der Wien Energie werden Gas und Strom per 1. März teurer. Auf der Gasrechnung eines durchschnittlichen Wiener Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 10.700 kWh schlägt sich dies gegenüber Ende Februar 2006 mit einer Erhöhung um 17,2 Prozent oder 8,02 Euro pro Monat nieder, gab die Wien Energie heute, Montag, in einem Pressegespräch bekannt. Die Kosten für Strom erhöhen sich für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 2.500 kWh um 5,1 Prozent oder 1,68 Euro pro Monat.

Begründet wird die "moderate Anpassung" mit den höheren Einstandspreisen, man gebe aber nur einen Teil der Mehrbelastungen weiter. Wien Energie hatte die Preise für Haushaltskunden zuletzt per Anfang November 2004 angehoben, die Preise seien daher über 18 Monate bzw. fast zwei Heizperioden stabil geblieben, betonte das Wien Energie-Management heute. Im Jahr 2005 habe es auf Grund der Senkungen der Netztarife sogar einen Rückgang bei den Preisen gegeben, so Thomas Irschik, Regionalgeschäftsführer der Wien Energie Vertrieb GmbH und Geschäftsführer der EnergieAllianz Austria GmbH. Die Strom- und Gasrechnung setzt sich aus dem reinen Energiepreis, den Netztarifen oder "Strommauten" sowie Steuern und Abgaben zusammen. Ein Preisgarantie könne man nun nicht abgeben. Es gebe in Mitteleuropa einen liberalisierten Markt, die Preise würden durch die Börsen vorgegeben, betonte Wien Energie-Chef Michael Obentraut.

Erhöhung pro Haushalt nur 1,55 Euro
Die Erhöhungen beim Gaspreis werden erst gegen Ende der diesjährigen Heizperiode wirksam, die von Anfang Oktober bis Ende März läuft. Für einen Wiener Durchschnittshaushalt mit 10.700 kWh Gas-Jahresverbrauch erhöhen sich die Gesamtkosten laut Wien Energie in der Heizperiode 2005/06 gegenüber dem Winter 2004/05 nur um 1,55 Euro oder 0,3 Prozent, so die Wien Energie.

Konkret hebt die Wien Energie bei Strom den Energieanteil um 0,6 Cent pro Kilowattstunde (kWh) an, der jährliche Grundpreis steigt um 1,84 Euro auf 12 Euro. Bei Erdgas wird der Energieanteil um 0,69 bis 0,71 Cent pro kWh angehoben. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 15.000 kWh entfallen künftig laut Wien Energie 384,6 Euro oder 43,5 Prozent der Gesamtkosten auf den reinen Energiepreis, 224,4 Euro oder 25,4 Prozent auf das Netz und 275,4 Euro oder 31,1 Prozent auf Steuern und Abgaben. Österreichweit liegt die Wien Energie dabei weiterhin im Mittelfeld bei den Gaspreisen.

"Dramatisches Jahr" für Wien Energie
Die Wien Energie habe ein "dramatisches Jahr" hinter sich, was die Energiemärkte betreffe, so Irschik. Die Preise würden nun erhöht, "so wie anderen Bundesländern auch". Die Strompreise an den Börsen hätten sich im vergangenen Jahr um 55 Prozent erhöht, auch für die Jahre 2007 und 2008 zeichne sich kein Ende des Trends zu höheren Strompreisen ab. Die Kosten für Gas hätten sich um 52 Prozent erhöht und würden sich bestenfalls seitwärts entwickeln. Der Ölpreis, an den der Gaspreis mit einer Verzögerung von vier bis sechs Monaten gekoppelt ist, sei für die Sorte Brent auf Euro-Basis um 62 Prozent gestiegen.

Strompreiserhöhungen haben heute auch einigen andere Landesenergieversorger angekündigt, die Gaspreise sollen nach den Erhöhungen des Vorjahres bzw. zu Jahresbeginn vorerst aber weitgehend stabil bleiben. Teurer wird Strom für Kunden der EVN (rund 3 Prozent per 1. April), der Salzburg AG (rund 5 Prozent per 1. März), Tiwag (1. März) und der Illwerke/VKW (1. April oder 1. Mai).

Opposition kritisiert Erhöhung
In Wien stieß die Energiepreiserhöhung auf Kritik von ÖVP und FPÖ. VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter untermauerte heute die ÖVP-Forderung nach einem "Kosten-Stopp für drei Jahre". Stattdessen befürchtet er aber eine Tarifanhebung bei den Wiener Linien. FP-Chef Heinz-Christian Strache sieht eine "neuerliche Teuerungsoffensive" auf die Wiener zukommen und erwartet ebenfalls Tariferhöhungen bei den Wiener Linien.
(apa/red)