Wegen Anstiftung zu Mord: Hassprediger Hamza in London zu 7 Jahren Haft verurteilt

Richter: 'Eine echte Gefahr für unschuldige Menschen' In Moschee Trainingslager für Terroristen angeboten?

In einem der wichtigsten Terrorismus-Verfahren Großbritanniens ist ein Hassprediger am Dienstag zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Ein Londoner Gericht befand den aus Ägypten stammenden Abu Hamza al-Masri unter anderem der Anstiftung zum Mord für schuldig. Hamza predigte in einer Moschee im Norden der britischen Hauptstadt, die als Brutstätte für Islamisten galt.

Das Gericht erklärte Hamza in elf von 15 Anklagepunkten für schuldig, wofür eine lebenslange Haft möglich gewesen wäre. Das Gericht entschied jedoch, dass der Verurteilte die Strafen für die einzelnen Verbrechen gleichzeitig absitzen muss. Das längste Strafmaß betrug sieben Jahre. Außer der Anstiftung zum Mord wurde Hamza ein bedrohliches Verhalten zur Last gelegt sowie der Besitz von Aufnahmen und Büchern, die den Rassenhass schürten oder zu Terrortaten anleiteten.

"Echte Gefahr für unschuldige Menschen"
Richter Anthony Hughes stellte in seiner Urteilsbegründung fest, dem Angeklagten sei nicht nachzuweisen gewesen, dass einer seiner Zuhörer seinen gewaltverherrlichenden Predigten gefolgt und konkret gehandelt habe. Hamza habe aber "eine echte Gefahr für unschuldige Menschen in verschiedenen Regionen der Welt geschaffen". Hamzas Anwältin sagte, ihr Mandant werde das Urteil anfechten.

Auch die britische Polizei hat nie eine direkte Verbindung zwischen Hamza und spezifischen Anschlägen hergestellt. Ihren Angaben zufolge funktionierte seine Moschee jedoch als sicherer Hafen für Militante, die sich im Norden Londons sammelten. Die Anklage stützte sich großenteils auf Predigten, die Hamza Ende der neunziger Jahre in dem Gebetshaus gehalten hat. Damals galt das Viertel um die Finsbury-Park-Moschee unter europäischen Geheimdienstlern als "Londonistan" - in Anspielung auf die Zentren moslemischer Extremisten in Afghanistan und Pakistan. Zu den Besuchern der Moschee gehörten auch der als "Schuhbomber" verurteilte Richard Reid und Zacarias Moussaoui, der als Komplize der Attentäter vom 11. September in den USA vor Gericht steht.

Diskussion um Meinungsfreiheit
Hamza ist der ranghöchste Moslem, dem in Großbritannien seit den Anschlägen vom 11. September 2001 der Prozess wegen Terror-Vorwürfen gemacht wurde. Er wurde im Mai vergangenen Jahres festgenommen. Nach den Londoner Anschlägen im Juli hat vor allem Premierminister Blair eine Diskussion über so genannte Hassprediger angestoßen. Er verlangt, dass eine Verherrlichung des Terrorismus als Verbrechen verfolgt wird. Kritiker haben dagegen davor gewarnt, die Meinungsfreiheit einzuschränken.

Mit der Bekanntgabe des Urteils veröffentlichte die britische Polizei Hinweise darauf, dass im Umfeld von Hamzas Moschee auch Trainingslager für Terroristen angeboten worden seien. Dabei seien vermutlich die Gegenstände benutzt worden, die bei einer Razzia vor drei Jahren in dem Gebäude gefunden wurden. Darunter waren Gasmasken, Schutzanzüge vor atomaren, biologischen und chemischen Angriffen, Blanko-Pässe sowie Schusswaffen. Auch die USA werfen dem Prediger vor, Trainingslager für Terroristen unterhalten zu haben, und zwar im Bundesstaat Oregon.

Hamza beteuert seine Umschuld
Hamza hatte sich in allen Punkten für unschuldig erklärt. Er habe in seinen Predigten zwar das Töten im Rahmen eines Heiligen Krieges befürwortet, nicht aber Mord, sagte er aus. Seine Anwälte beschrieben ihn als Opfer einer Schmierenkampagne. "Herr Hamza ist wahrscheinlich der Mensch in diesem Land, die am häufigsten geschmäht und verhöhnt wurde", sagte ein Anwalt. Der 47-jährige ist eine Hassfigur des britischen Boulevards. Aber selbst Polizisten, die mit ihm zu tun haben, verteidigen ihn gegen diese Darstellung. "Es wäre falsch, ihn als einen Blödmann darzustellen", hieß es in Polizeikreisen. "Er wurde in den Medien zu einem Zerrbild gemacht, aber das ist nicht die richtige Wahrnehmung seiner Person."
(apa)