Weg frei für Seligsprechung von Johannes Paul II.: Parkinson-Heilung in Frankreich

Genesung einer Nonne nach Tod von Karol Wojityla MITSTIMMEN: Glauben Sie an dieses Papst-Wunder?

Der verstorbene Papst Johannes Paul II. wird seine Seligsprechung (Beatifikation) einem Wunder in Frankreich verdanken. Nach Angaben der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" sei eine französische Klosterfrau, die seit Jahren an der Parkinson-Krankheit litt, genesen, nachdem sie nach dem Tod von Johannes Paul II. im April um Heilung gebetet hatte. Die Heilung könne wissenschaftlich nicht erklärt werden. Dieses Wunder soll bei dem Verfahren zur Seligsprechung von Johannes Paul II. vorgestellt werden.

Zeugnisse über vom Papst angeblich bewirkte Wunder sind aus allen Ländern eingetroffen. Das zuständige Kirchengericht erhielt eine ganze Flut von Informationen: Ein potenzieller Seliger muss mindestens ein Wunder gewirkt haben. Das Tribunal sammelt Beweise für solche Wunder. Der Vatikan hatte vor wenigen Monaten eine E-Mail-Adresse und eine Postanschrift für Hinweise eingerichtet und kann sich seitdem kaum mehr retten vor Zeugnissen, in denen Menschen dankbar Papst-Mirakel preisen. Laut Vatikan-Kreisen schreite der Seligsprechungsprozess des verstorbenen Papstes rasch voran und könnte bereits im kommenden März abgeschlossen werden.

Einige der eigentlich strikt geheimen Berichte drangen an die Öffentlichkeit: Wie jener von einer jungen Polin, die schrieb, dass sie nach zehn kinderlosen Jahren schwanger wurde, weil sie den Leichnam von Johannes Paul II. gesehen hatte. Oder der des jungen Italieners, der nach einem Motorradunfall angeblich durch das Wirken des Papstes aus dem Koma erwachte. Oder jene einer kolumbianischen Nonne, die nach einer Erkrankung unter Gleichgewichtsstörungen litt, bis sie das Kirchenoberhaupt traf. Das Krakauer Tribunal muss nun versuchen, die Berichte durch Sichtung von Dokumenten und Zeugenbefragungen zu erhärten.

"Santo subito!" hatten im April tausende Gläubige auf dem Petersplatz gefordert, als Johannes Paul II. gestorben war - er möge "sofort" heilig gesprochen werden. Das aber ist laut Kirchenrecht unmöglich, davor steht ein langes stufenweises Ritual. Der Nachfolger von Johannes Paul II. tat sein Möglichstes: Benedikt XVI. ließ den Prozess der Seligsprechung als Vorstufe der Heiligsprechung schon im Juni, drei Monate nach dem Papsttod, einleiten; nach den Bestimmungen des Kirchenrechts hätte er fünf Jahre warten müssen.

Inzwischen wurden einige Indiskretionen über die letzten Lebensjahre von Johannes Paul II. bekannt gegeben. Karol Wojityla dachte an einen Rücktritt aus Krankheitsgründen, berichtete Kardinal Julian Herranz in einem von ihm verfassten Buch, das Erinnerungen an Opus-Dei-Gründer Escriva de Balaguer und Johannes Paul versammelt. Der spanische Kardinal bezieht sich auf den langjährigen Privatsekretär des polnischen Papstes, Stanislaw Dziwisz. Dieser habe Herranz im Dezember 2004 referiert, Johannes Paul habe keinen Präzedenzfall schaffen und verhindern wollen, dass spätere Päpste unter Druck zurücktreten müssen. Kardinal Herranz, Angehöriger von Opus Dei, leitet den päpstlichen Rat für die Interpretation von Gesetzestexten und ist somit Chefjurist des Vatikan. (apa)