Was wird nun aus Sharons neuer Partei?
"Kadima" verliert ihr Zugpferd für Neuwahl

Premier wollte im März erneut politisch durchstarten

Über seine bisher robuste Konstitution macht der schwergewichtige israelische Regierungschef Ariel Sharon gerne Scherze. "Ich weiß, dass meine gediegenen Gesundheitstests andere krank machen können", sagte er im vergangenen Jahr an die Adresse seiner politischen Rivalen. Doch nachdem der 77-jährige binnen eines Monats zum zweiten Mal als Notfall in ein Jerusalemer Krankenhaus gebracht worden ist, sind seine politischen Pläne jetzt mit einem großen Fragezeichen versehen.

Das Amt des Ministerpräsidenten hat Sharon nach gewonnener Wahl im März 2001 angetreten. Der Ex-General ist der Mann, der wie kaum ein anderer den Siedlungsbau in den 1967 besetzten Palästinensergebieten förderte, aber auch derjenige, der 1982 jüdische Siedlungen auf dem Sinai bei der Durchsetzung des Friedensvertrages mit Ägypten evakuieren ließ. Mit dem Gaza-Abzug hat er einen teilweisen politischen Kurswechsel vollzogen, der ihn auf Konfliktkurs mit langjährigen Gefolgsleuten gebracht hat.

Bei der Aufgabe einiger Siedlungen hat er immer bekräftigt, er handle im besten Interesse Israels. Für seine Anhänger in Israel verkörpert Sharon, der 1928 als Ariel Sheinerman in Kfar Malal nördlich von Tel Aviv geboren wurde, alte zionistischen Werte. Sharon gilt ihnen als mutiger Kämpfer für israelische Interessen. Der säkulare Machtmensch wird als Kriegsheld bewundert, der 1973 während des Jom-Kippur-Krieges seine Truppe auf eigene Faust über den Suezkanal führte und eine drohende Niederlage gegen die arabischen Staaten abwendete.

Bei vorgezogenen Neuwahlen im März wollte Sharon in diesem Jahr politisch durchstarten. Der auch als "Bulldozer" beschriebene Politiker ist dafür aus dem Likud-Block ausgetreten. Er hat eine neue Partei mit den Namen Kadima (Vorwärts) gegründet.
(apa)