Was ist mit Kirch los? Papst Benedikt will verheirateten Priester zu Kardinal ernennen

Heiratete als Anglikaner, trat zu Katholizismus über Grund für Kirchenwechsel war Frauen-Priesterweihe

Ein verheirateter langjähriger anglikanischer Bischof, der zum Katholizismus konvertierte, könnte nach Medieninformationen von Papst Benedikt XVI. in den Kardinalsrang erhoben werden. Der 84-jährige Graham Leonard, ehemaliger Bischof von London, war 1992 übergetreten, weil er die Zulassung von Frauen zur anglikanischen Priesterweihe missbilligte. Sollte er in den Kreis der Purpurträger aufgenommen werden, wäre er der erste verheiratete Kardinal.

Ihm zur Seite stehen Ehefrau Priscilla und die beiden Söhne Mark und James, wie kath.net unter Berufung auf die Londoner "Times" berichtet. Es gab einen ähnlichen Fall in der Kirchengeschichte: Henry Edward Manning trat nach dem Tod seiner Ehefrau 1818 in die katholische Kirche ein und wurde 1830 Kardinal.

Viele Mitglieder der anglikanischen Kirche folgten nach Einführung des Frauenpriestertums dem Beispiel von Bischof Leonard, der im Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II. den Titel "Monsignore" verliehen bekam. Nach seiner katholischen Priesterweihe im Jahr 1995 wurde er vom Papst in Privataudienz empfangen. Der Wechsel von mehreren anglikanischen Bischöfen und mehr als dreihundert Geistlichen zur römisch-katholischen Kirche aus Protest gegen die Frauenordination hatte die ökumenischen Beziehungen schwer belastet. Die katholische Kirche hatte für übergetretene anglikanische Geistliche eine Zölibatsbefreiung erlassen.

Der ökumenische Dialog hat nach Einschätzung Leonards keine Zukunft. Mit der Einführung der Frauenpriesterweihe hätten sich die Anglikaner "aus der Tradition ausgeschlossen". Der theologische Dialog zwischen Rom und den auf das Schisma des Königs Heinrich VIII. zurückgehenden Anglikanern war nach dem historischen Treffen zwischen Papst Paul VI. und dem anglikanischen Primas und Erzbischof von Canterbury, Arthur Ramsey, 1966 im Vatikan aufgenommen worden. Leonard sieht die Entwicklungen in der anglikanischen Kirche sehr kritisch. Es gebe die Tendenz zu "individuellen und privaten Interpretationen des Glaubens", die an "momentane Situationen" geknüpft seien, sagte er der australischen Zeitschrift AD2000. Die Entscheidung der Episkopalkirche, einen bekennenden Homosexuellen (Gene Robinson im US-Saat New Hampshire) zum Bischof zu weihen, führte zu einer Spaltung der anglikanischen Kirchenfamilie; vor allem afrikanische und asiatische Kirchen empfanden dies als unvereinbar mit der Heiligen Schrift.

Für Papst Benedikt XVI. ist Leonard kein Unbekannter. Er hatte in seiner Zeit als Kardinal Kontakt mit dem ehemaligen anglikanischen Bischof von London. Er begleitete auch dessen Weg in die katholische Kirche.
(apa)