"Warm anziehen" lautet die Devise: Das Wifo warnt vor Preis-Anstieg beim Gas

Der Rohstoff werde viel zu wenig effizient genutzt Die Energiesparvorhaben in Europa sind zu gering

Das derzeit noch günstige Gas werde schon bald teurer werden, und darauf sollte man sich rechtzeitig einstellen, betont der Energieexperte im Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), Stefan Schleicher, am Donnerstag im ORF-Mittagsjournal. Gas werde zu wenig effizient genutzt wie zum Beispiel zur Stromerzeugung in Kraftwerken mit geringem Wirkungsgrad, in der Industrie und in Haushalten. Nur zum Verheizen sei Gas viel zu schade.

Gerade in der Gebäudetechnik bestehe noch enormes Potenzial, so Schleicher. Mit bekannten Technologien könnte der Energieverbrauch von Häusern auf ein Viertel gesenkt werden. Ein gut gebautes Haus wäre sogar in der Lage, Solarenergie einzufangen und mehr Energie nach außen bereitzustellen als das Gebäude braucht.

Europa scheint auf diesem Gebiet erst ganz am Anfang zu stehen. Im Dezember habe das Europaparlament eine Richtlinie beschlossen, wonach der Energieverbrauch in den nächsten 10 Jahren jährlich um ein Prozent gesenkt werden soll. Eine derart "bescheidene Vorgabe" könne auch in den Bereich der statistischen Messfehler fallen, so Schleicher. Tatsächlich wäre viel mehr möglich und auch notwendig.

Österreich sei zu 60 Prozent von Erdgaslieferungen aus Russland abhängig. Das sei zu viel. Man müsse sich Gedanken über eine stärkere Diversifizierung der Lieferstruktur machen. Der Bau mehrerer Pipelines dauere viele Jahre, alternative Energiequellen könnten Gas nur beschränkt ersetzen. Dafür müsste man die Biomasse-Produktion verdoppeln.
(apa/red)