Wahlen in Island von

Grimsson auf Siegeskurs

Bisheriger Präsident erreicht 51 Prozent. TV-Moderatorin Arnorsdottir auf Platz 2

Wahlen in Island - Grimsson auf Siegeskurs © Bild: APA/EPA

Die Isländer haben Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt. Nach einer Prognose des TV-Senders RUV Sonntag früh kam der 69-Jährige bei der Direktwahl auf 51 Prozent der Stimmen. Die Fernsehmoderatorin Thora Arnorsdottir erreichte (nach Auszählung von 48 Prozent der Stimmen) den zweiten Platz mit 33,6 Prozent.

Die 37-jährige Arnorsdottir räumte noch in der Nacht ihre Niederlage ein. Sie wolle nun in Urlaub gehen und sich auf die Erziehung ihres im Mai geborenen dritten Kindes sowie der beiden Geschwister konzentrieren, so die Journalistin.

Grimsson ungemein beliebt
Bereits erste Hochrechnungen nach Schließung der Wahllokale zeigten Grimsson deutlich in Führung. Auch Umfragen hatten einen Sieg des 69-Jährigen vorausgesagt, er ist in der Bevölkerung ungemein beliebt. Grimsson, der 1996 als Linker ins Amt kam, gilt in Reykjavik vor allem als Kandidat für das bürgerliche Oppositionslager. Ursprünglich wollte er nach vier Amtsperioden ausscheiden, doch er wurde durch eine Petition von mehr als 30.000 Wählern umgestimmt. In der Finanzkrise hatte der Präsident sich geweigert, einer Entschädigung niederländischer und britischer Anleger zulasten der isländischen Steuerzahler zuzustimmen.

Präsident gegen EU-Mitgliedschaft
Auch wenn die Regierung in Reykjavik für die Inselrepublik im Nordatlantik ein EU-Beitrittsgesuch eingereicht hatte - Grimsson bleibt gegen eine Mitgliedschaft. In den vergangenen Jahren hatte er sich wiederholt in die Tagespolitik eingemischt und präsentierte sich als Fürsprecher des Volkes. Eigentlich hat das Staatsoberhaupt in Island jedoch nur repräsentative Aufgaben.

Beitrittsverhandlungen laufen
Das schwer von der Finanzkrise getroffene Island hat im Juli 2010 Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union aufgenommen. Von den 35 Verhandlungskapiteln wurden 18 bisher eröffnet und davon zehn vorläufig abgeschlossen. Schwierige Bereiche wie der Fischfang sind allerdings noch ungelöst. Die isländische Regierung hat mehrfach eine harte Linie ihres Landes in den Verhandlungen über Fischfang angedeutet. Auch ein Streit um britisch-niederländische Rückzahlungsforderungen aus geplatzten Bankkonten des zusammengebrochenen Finanzanbieters "Icesave" überschattet die EU-Beitrittsverhandlungen Islands.