Wärmere Temperaturen und Regenfälle: Lawinengefahr in Bergen steigt erheblich

Lehrling beim Schneeräumen vom Dach gefallen KLICKEN: So wird das Wetter in den nächsten Tagen!

Durch das einsetzende Tauwetter steigt die Lawinengefahr in Österreich. Regen, Schneefall und Windverfrachtungen sorgen teilweise für erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) in Salzburg. In Talnähe könnten Nassschneelawinen von selbst abgehen. In der Steiermark wurde ein 17-jähriger Lehrling schwer verletzt, als er das Dach eines Siedlungshauses vom Schnee befreite.

Am kritischsten sind labil gelagerte Einwehungen vor allem in den Hangrichtungen von Nord über Ost bis Süd. Rinnen, Mulden und Hänge anderer Richtungen können auch zum Teil mit Triebschnee beladen sein. Durch Schwachschichten in der Schneedecke reichte im steilen, hochalpinen Gelände zum Teil die Belastung durch einen Tourengeher, um eine Lawine auszulösen. Oberflächliche Feuchtschneerutsche können sich in Lagen bis zur Baumgrenze hinauf von selbst lösen, auch einzelne Grundlawinen sind aus steilen Hängen möglich.

Steiermark: Lehrling schwer verletzt
Bei Schneeräumarbeiten hat sich ein 17 Jahre alter Lehrling in Bad Aussee schwere Verletzungen zugezogen. Nach Angaben der Polizei war der junge Obersteirer ausgerutscht und rund sieben Meter vom Dach gestürzt. Er musste mit mehreren Brüchen und einem Polytrauma ins Spital eingeliefert werden.

Der Lehrling war damit beschäftigt, das Dach eines Siedlungshauses abzuschaufeln. Als Letzter befand sich der 17-jährige Markus E. im Freien. Die anderen Männer standen bereits vor dem Haus, als der Bursche plötzlich vom Dach fiel. Er dürfte beim Einstiegen in die Luke ausgerutscht sein.

Der Obersteirer wurde mit schweren Verletzungen - Unterarm- und Unterschenkelbruch sowie Beckenbrüche - ins LKH Bad Aussee eingeliefert werden. Der Lehrling ist bereits der fünfte Helfer, der bei den Schneeräumarbeiten im Ausseerland verletzt wurde und jetzt im Krankenhaus liegt.

Grenzübergang Angern wegen Eis in der March gesperrt
Der niederösterreichische Grenzübergang Angern, der Österreich und die Slowakei verbindet, musste am Donnerstag gesperrt werden. "Der Marchfluss führt dort Eis und die Fähre kann nicht fahren", erklärte ein Sprecher des ARBÖ der APA. Rund 300 Autofahrer dürften betroffen sein - sie können über Hohenau ausweichen. Aber auch dieser Grenzübergang könnte laut dem Autofahrerclub bald nicht mehr passierbar sein, wenn die Kälte anhält.

Bei Hohenau führt eine Pontonbrücke über die March, deren Elemente direkt am Wasser aufliegen. "Wenn die Eisschicht dicker wird, könnte die Fahrbahn erreicht werden", so der Sprecher. Autofahrer müssten dann einen Umweg von bis zu 60 Kilometern nach Berg aufnehmen, um die Grenze überqueren zu können.

Halle in Eugendorf eingestürzt
Im Gewerbegebiet von Eugendorf (Flachgau) ist heute, Donnerstag, früh das Flachdach einer ehemaligen Produktionshalle für Tiernahrung eingestürzt. Ursache dürfte die hohe Schneelast in Verbindung mit dem in der Nacht gefallenen Regen gewesen sein. Verletzt wurde niemand, es entstand aber ein Sachschaden von rund einer Million Euro, teilte die Polizei mit.

Die Schneehöhe auf der mit Welleternit gedeckten Halle betrug ungefähr einen Meter. Laut Besitzer hätte die Dachkonstruktion eine Tonne pro Quadratmeter tragen sollen. Die Halle wurde derzeit nur mehr in einem Bereich als Lagerstätte und Büroraum genutzt.

Kurz nach 11.00 Uhr wurde wegen Lawinenabgängen die Seeleiten Straße (B152) zwischen Unterach und Weißenbach gesperrt. Die B152 ist mindestens zwei Tage nicht passierbar, so die Polizei.

Weitere Gebäude in Oberösterreich eingestürzt
Nach dem Einsetzen von Regenfällen in Oberösterreich ist - wie befürchtet - die schon vorhandene Schneelast auf den Dächern noch schwerer geworden. Einstürze waren die Folge.

In Julbach im Bezirk Rohrbach im Mühlviertel ist ein ohnehin bereits baufälliges Gebäude teilweise eingestürzt. Der Bewohner, ein älterer Mann, blieb unverletzt. Die Gemeinde hatte bereits vergangene Woche eine behördliche Sperre verfügt. Der Mann, der als Sonderling gilt, hatte sich aber geweigert, das Haus zu verlassen. Er musste nun mit Polizeigewalt aus den Trümmern geholt werden.

In Ottenschlag im Bezirk Urfahr-Umgebung brach der Dachstuhl eines Wohnhauses ein. Auch dort blieb die ebenfalls betagte Bewohnerin unverletzt.

Beim Landesfeuerwehrkommando meldeten insgesamt 13 Feuerwehren noch Einsätze im Zusammenhang mit der Schneeräumung. Im Salzkammergut waren aber die Regenfälle das Tauwetter so stark, dass die Feuerwehr davor warnte, auf die Dächer zu steigen. Die Gefahr von Dachlawinen aus nassem Schnee sei erheblich größer geworden. Sie riet auch vom Aufenthalt unter Dachrändern ab. Sie selbst stellte die Räumarbeiten aus Sicherheitsgründen ein. Auch das Bundesheer unterbrach seinen Hilfseinsatz und wartete bessere Wetterbedingungen. Zuvor hatten die Soldaten in Grünau im Almtal noch Dächer von 137 Gebäuden geräumt.

(apa/red)