VW setzt in deutschen Werken den Rotstift an: 20.000 Jobs von Umbauplänen betroffen!

Konzernchef schloss betreibsbedigte Kündigungen aus Neuordnung der Komponentenfertigung angekündigt

Europas größter Autobauer Volkswagen will in seinen deutschen Werken kräftig auf die Kostenbremse treten. VW-Chef Bernd Pischetsrieder kündigte am Freitag in Wolfsburg ein tief greifendes Umstrukturierungsprogramm für die Kernmarke VW an, von dem bis zu 20.000 Mitarbeiter betroffen sein können. Es gehe "nicht darum, 20.000 Leute abzubauen", sagte er. Man wolle aber die Produktivität an den traditionellen Standorten "auf das internationale Maß bringen". Die Börse reagierte auf die Ankündigung mit einem Kurssprung der VW-Aktie von knapp 8 Prozent.

Im Vergleich zu anderen Standorten des Konzerns würden die traditionellen deutschen VW-Standorte "durchaus sehr hohe Verluste erwirtschaften", betonte der VW-Chef. Die Exporte aus den deutschen VW-Werken auf die internationalen Märkte seien "nach wie vor nicht profitabel". Die Konzernmarke Volkswagen habe deswegen insgesamt ihr Ergebnis im vergangenen Jahr nur leicht verbessert und bewege sich immer noch "in der Größenordnung der Null-Linie". Die Zukunft der Arbeitsplätze in den traditionellen deutschen VW-Werken hänge von deren Exportfähigkeit ab.

Es sei "zwingend notwendig, ein Restrukturierungsprogramm auf die Bahn zu bringen", sagte der VW-Chef weiter. Ziel sei das Erreichen wettbewerbsfähiger Arbeitskosten und die volle Auslastung der Werke durch Kapazitätsanpassung. Insbesondere in den Fahrzeugmontagewerken wolle man Produktivitätsdefizite beseitigen.

Verbessern will Pischetsrieder auch die Wettbewerbsfähigkeit der VW-Standorte, die in Deutschland Fahrzeugkomponenten fertigen. Dabei sei nicht geplant, Komponentenstandorte zu schließen, betonte der Konzernchef. Es gehe "darum festzustellen, welche Standorte mit welchen Maßnahmen wettbewerbsfähig zu machen sind".

Zu konkreten Einzelmaßnahmen wolle sich der VW-Chef nicht äußern. Die konkreten Maßnahmen werde er zunächst mit dem Tarifpartner IG Metall und dem Betriebsrat besprechen, sagte er. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Pischetsrieder aus. "Wir haben einen Tarifvertrag, und es ist nicht beabsichtigt, den zu kündigen. Und unsere Tarifvertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen aus", betonte er. In dem Tarifvertrag aus dem Jahr 2004 hatten VW und IG Metall bis Ende 2011 ein Beschäftigungsniveau von rund 103.000 Mitarbeitern in Westdeutschland vereinbart.

Das bereits im Vorjahr in Angriff genommene Sparprogramm ForMotion hat nach Angaben des Unternehmens mit 3,5 Mrd. Euro zur Ergebnisverbesserung 2005 beigetragen. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 54,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,1 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis des Konzernbereichs Automobile liege bei rund 1,9 Mrd. Euro und damit 1,2 Mrd. Euro über Vorjahr. Der Gewinn nach Steuern stieg um 60,7 Prozent auf 1,12 Mrd. Der Absatz verbesserte sich um 3,2 Prozent auf 5,24 Millionen Fahrzeuge.
(apa/red)