VP-Chef Molterers Macht-Poker für die Wahl:
An den Koalitionen wird schon gebastelt!

UMFRAGE: Lieblingskoalition wäre Schwarz-Grün 30 Seiten zur Neuwahl im aktuellen NEWS-Magazin

VP-Chef Molterers Macht-Poker für die Wahl:
An den Koalitionen wird schon gebastelt! © Bild: APA/Hochmuth

Nach der Wahl. Mit wem Rot und Schwarz nach dem 28. September regieren wollen.

Manchmal ziehen selbst Kinder eine Scheidung vor. Zumindest dann, wenn sich die unbelehrbaren Eltern nur noch streiten und der Alltag zur ­veritablen Hölle ausufert. Ein Gefühl, das Österreichs Wäh­ler offensichtlich teilen. Denn sensationelle 64 Prozent finden es laut aktueller NEWS-market-Umfrage richtig, dass VP-Chef Wilhelm Molterer die rot-schwarze Zwangsehe nun beendet hat. Der ewige Streit, die Eifersüchteleien und Intrigen waren den Wählern einfach zu viel.

Große Koalition ist out. Und die letzten eineinhalb Jahre Rot-Schwarz bleiben nicht ohne Folgen: Die über Jahrzehnte hinweg beliebteste Regierungsform des Landes ist offenbar endgültig out. Nur noch 13 Prozent der 500 Befragten würden eine rot-schwarze Koalition unter einem Kanzler Werner Faymann präferieren. Eine große Koalition unter einem VP-Kanzler Wilhelm Molterer wollen ebenfalls nur 14 Prozent. Die unbeliebteste Regierungsform wäre Rot-Blau mit 12 Prozent. Die beliebteste Koalitionsvariante der Wähler ist hingegen erstmals eine schwarz-grüne Politehe. Einziger Haken an den Wählerwünschen: Derzeit würde sich eine solche Koalition rechnerisch einfach nicht ausgehen. Wären am kommenden Sonntag Nationalratswahlen, würde die ÖVP auf 33 Prozent kommen, die derzeitige Kanzlerpartei SPÖ käme nur noch auf desaströse 26 Prozent, die FPÖ auf 22, die Grünen auf 14 Prozent. Die rabiate Opposi­tionspartei von FP-Chef Heinz-Christian Strache könnte somit nach der Wahl zum berühmten Zünglein an der Waage werden (siehe Story Seite 19).

Der Lagerwahlkampf. Ein ernüchternder Umstand, der sowohl SPÖ als auch ÖVP bewusst ist. SPÖ-Chef Werner Faymann schließt zwar eine Koalition „mit der Strache-FPÖ klar aus“, doch gehen Politik­wissenschaftler und Meinungsforscher davon aus, dass diese „Koalitionsform sehr realis­tisch werden könnte“. In der ÖVP will man jedenfalls die rot-blaue Karte zücken und „einstige Vranitzky-Wäh­ler dazu einladen, ein Stück des Weges mit uns zu gehen“, wie die schwarze Parteispitze in Anlehnung an den berühmten Wahlslogan des legendären SPÖ-Kanzlers Bruno Kreisky es nennt. Das schwarze Kalkül ist klar: Sie wollen ehemalige SPÖ-Wähler ködern. Solche, die durch den roten EU-Schwenk, der just als Leserbrief an die „Krone“ veröffentlicht wurde, abgeschreckt wurden. Dazu gehören auch eine ÖVP-Absage an eine Koalition mit der FPÖ und ständige Warnungen vor einer möglichen rot-blauen Koalition.

VP will Schwarz-Grün. In der ÖVP ist eine große Koalition derzeit jedenfalls ähnlich beliebt wie Keuchhusten. Die Schwarzen sehnen sich zurzeit – ganz wie die von market Befragten Österreicher – daher nach jener Koalition, die sie Anfang 2003 verschmäht hatten: Schwarz-Grün. Da aber selbst schwarze Zwangsoptimisten nicht daran glauben, dass sich diese Liaison mit Alexander Van der Bellens Partei ausgehen könnte, bas­teln sie an einer „Dreier-Koalition“, wie ein VP-Stratege berichtet. Man müsse eben entweder „das BZÖ oder Fritz Dinkhauser mit ins Boot holen, damit es sich ausgeht“, heißt es. Der Tiroler Rebell wird jedenfalls in Tirol antreten, auch bundesweit stünden seine Chancen nicht schlecht. Schon jetzt wollen ihn „ganz ­sicher“ sechs Prozent wählen.

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