Vor zehn Jahren starb Francois Mitterand: Frankreich gedenkt seines Ex-Präsidenten

Mit 14 Jahren Amtszeit längstdienender Staatschef Nach Mitterand benannter Fußweg in Paris eingeweiht

Mit Gedenkveranstaltungen haben viele Franzosen am Sonntag den zehnten Todestag von Francois Mitterrand begangen. Der Sozialist, der von 1981 bis 1985 regierte, rivalisiert in Umfragen mit General Charles de Gaulle als beliebtester französischer Präsident der Nachkriegszeit. In Mitterrands mittelfranzösischer Heimatstadt Jarnac legten Politiker Kränze nieder. Präsident Jacques Chirac ließ sich durch seinen Kabinettschef vertreten.

Alle Größen der Sozialistischen Partei Frankreichs versammelten sich am Grab Mitterrands in Jarnac. Vier ehemalige Premierminister erwiesen dem Präsidenten mit der längsten Regierungszeit in der Fünften Republik zum zehnten Todestag ihre Referenz: Lionel Jospin, Laurent Fabius, Edith Cresson und Jean-Pierre Raffarin.

Neben zahlreichen ehemaligen Ministern wie Jack Lang und Roland Dumas kam auch der gegenwärtige Parteichef Francois Hollande in Mitterrands Heimatstadt. Auch Mazarine Pingeot war dabei, die außereheliche Tochter Mitterrands, zu der sich der Staatschef erst kurz vor seinem Tod bekannte. Neben dem Grab stand das Geburtshaus Mitterrands in der Rue Abel-Guy 22 im Blickpunkt. Künftig erinnert eine Plakette an die Geburt Mitterrands in diesem Haus.

In der französischen Öffentlichkeit hat Mitterrand eine Art Kultstatus erworben. Die Skandale während seiner 14-jährigen Amtszeit sind weitgehend in Vergessenheit geraten. Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Instituts Sofres bewerten 55 Prozent der Franzosen die Ära Mitterrand als überwiegend positiv. Der 10. Todestag war für die französischen Medien Anlass für zahlreiche Titelgeschichten über den Staatsmann und sein lange geheim gehaltenes Privatleben, wie die Existenz einer Tochter aus einer außerehelichen Beziehung.

Mitterrand hatte ein enges Verhältnis zum deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl gepflegt und die deutsche Wiedervereinigung genutzt, um die EU-Währungsunion durchzusetzen. In Paris hinterließ er mit Prunkbauten von der Louvre-Pyramide über das Institut du Monde Arabe und die Opéra Bastille bis zur nach ihm benannten Nationalbibliothek sichtbare Spuren.

(apa/red)