Vor 20 Jahren explodierte die Raumfähre
"Challenger": Sieben Astronauten starben

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Vor 20 Jahren explodierte die Raumfähre
"Challenger": Sieben Astronauten starben

Für die NASA war es ein Schock, der das Vertrauen in die Sicherheit der Fähren zutiefst erschütterte und dessen Nachwirkungen noch heute zu spüren sind: Am 28. Jänner 1986, 73 Sekunden nach dem Start, explodierte die Raumfähre Challenger, 14.000 Meter über dem Atlantik und vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern.

Es war das bis dahin schwerste Unglück der bemannten Raumfahrt. Sieben amerikanische Astronauten - zwei Frauen und fünf Männer - kamen ums Leben, als die US-Raumfähre unmittelbar nach dem Start explodierte. Es sollte der zehnte Flug des Raumtransporters sein.

Schon knapp eine Minute nach dem mehrfach verschobenen Start in Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) war am Shuttle Rauch ausgetreten, gut zehn Sekunden später hatten Flammen die vordere Hälfte der "Challenger" eingehüllt. Eine Minute und 15 Sekunden nach dem Start stürzten die brennenden Trümmer des Raumfahrzeugs in den Atlantik.

Defekter Dichtungsring löste Unglück aus
Wie sich später herausstellte, war durch einen defekten Dichtungsring am rechten Booster ein über 3.000 Grad heißer Gasstrahl ausgetreten, der wie ein Schweißbrenner eine Haltestrebe durchgetrennt hatte. Die Feststoffrakete löste sich und rammte den Tank mit dem Flüssigtreibstoff, der daraufhin wie eine Bombe explodierte.

Eine mühselige Untersuchung - während der die Space-Shuttle-Flüge unterbrochen wurden - brachte eine wahre Fehlerkette ans Tageslicht. So stand die Raumfahrtbehörde unter ungeheurem Termindruck. Die Hersteller der Dichtungsringe hatten schon lange gewarnt, dass sie bei tiefen Temperaturen porös werden könnten. Am Starttag zeigte das Thermometer sechs Grad unter dem Gerierpunkt, während die Ringe nur bei Temperaturen über elf Grad plus sicher waren. Die Warnungen erreichten jedoch nur die mittlere Führungsebene, die unter dem Termindruck einfach abwiegelte.

Die "Challenger" sollte einen 100 Millionen Dollar teuren Nachrichtensatelliten auf die Umlaufbahn bringen. Commander Francis Scobee und seine Crew wollten außerdem eine Reihe wissenschaftlicher Experimente durchführen. Als erster amerikanischer ziviler Weltraumpassagier sollte die Lehrerin Christa McAuliffe per Fernsehen zwei 15-Minuten-Schulstunden aus dem All halten.

Erst zwei Jahre, acht Monate und einen Tag nach der "Challenger"-Katastrophe wurde das Shuttle-Programm wieder aufgenommen. Die "Discovery" startete am 29. September 1988 problemlos von Cape Canaveral mit fünf Astronauten an Bord.

"Columbia"-Katastrophe
15 Jahre später läutete die nächste Katastrophe wohl das Ende des Shuttle-Programm ein: Die Raumfähre "Columbia" war am 1. Februar 2003 nach einem 16 Tage langen Einsatz auf dem Rückflug nach Cape Canaveral, als sie mit sieben Menschen an Bord in rund 60 Kilometer Höhe auseinander brach. Nach knapp sieben Monaten gab eine unabhängige Untersuchungskommission neuerlich der NASA erhebliche Mitschuld.

Gravierende Fehler des Managements seien ebenso verantwortlich wie ein rund 800 Gramm schweres Stück Isolierschaum, der nach dem Start vom Außentank abgebrochen war und die Hitzekacheln an der Vorderkante des linken Flügels beschädigt hatte. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre drangen extrem heiße Plasma-Gase in das Shuttle ein, das daraufhin auseinander brach.

Erst zweieinhalb Jahre nach der "Columbia"- Katastrophe hob am 26. Juli 2005 wieder ein Shuttle ab. Doch auch diese Mission verlief nicht problemlos: Erst am 9. August landete die "Discovery" in der kalifornischen Mojave-Wüste, nachdem bei einem spektakulären Einsatz im All Schäden am Hitzeschild repariert worden waren.

(apa)