Vogelgrippe weiter auf Vormarsch: Erster toter Schwan in Tiroler Badesee gefunden

Josef Pröll sieht Geflügel-Impfung "eher kritisch"

Die Vogelgrippe rückt weiter vor: In Österreich gilt seit Sonntag eine landesweite Stallpflicht für Geflügel. Diese Vorsichtsmaßnahme wurde bis vorerst 30. April verhängt, nachdem am Samstag zwei weitere Fälle in Wien und Umgebung aufgetreten waren.

"Wir werden intensiv diskutieren, wo die einzelnen Mitgliedstaaten stehen", sagte der amtierende Ratsvorsitzende, Landwirtschaftsminister Josef Pröll, vor Beginn einer Sitzung in Brüssel. Impfungen des Geflügels, wie sie in einigen EU-Ländern geplant sind, stehe er "eher kritische" gegenüber.

Pröll zeigte sich überzeugt, dass die EU-Mitgliedstaaten, in deren Verantwortung derzeit die Hauptlast liege, alles getan haben, was die EU-Kommission vorsieht.

Zu Entschädigungszahlungen für wirtschaftliche Schäden, wie sie von Italien und Griechenland bereits verlangt werden, wollte sich Pröll nicht näher äußern. Man werde das diskutieren. Für den Fall von Zwangsschlachtungen von Geflügelbeständen bei Ausbruch der Krankheit sei in den nationalen Tierseuchengesetzen vorgesorgt.

Prölls deutscher Amtskollege Horst Seehofer betonte, man müsse zuerst die Sache beherrschen, dann könne man "ökonomische Fragen" diskutieren, und nicht umgekehrt. Auch er zeigte sich kritisch gegenüber den derzeit verfügbaren Impfungen. Diese könnten keine Alternativen zur Stallpflicht sein. Langfristig müsse man aber eine Strategie entwickeln und die gesamte Wissenschaft in Europa in Bewegung bringen, um einen Impfstoff zu entwickeln, bei dem klar erkennbar ist, welches Tier das Virus trägt. Derzeit werde mit der Impfung nur "die Krankheit maskiert". Seehofer will außerdem auf EU-Ebene stärker gegen illegale Importe von Vögeln vorgehen und sprach sich für die Einführung einer Deklarationspflicht aus.

Erster toter Schwan in Tirol
Auch Tirol hat nun seinen "ersten" toten Schwan. Am Innsbrucker Baggersee wurde ein verendetes Tier entdeckt, teilte Agrarlandesrat Toni Steixner mit. Noch könne man nicht von einem Seuchenverdachtsfall sprechen. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass der Schwan am Vogelgrippe-Virus H5N1 gestorben ist. Um so schnell wie möglich Klarheit zu haben, wurde der tote Schwan in das Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen nach Mödling gebracht. Das Ergebnis der Laboruntersuchung soll am Dienstag feststehen.

Sollte die Untersuchung in Mödling ergeben, dass der Schwan an der Tierseuche verendet ist, werde im Umkreis von drei Kilometern von der Fundstelle eine Schutzzone errichtet. Die Überwachungszone erstrecke sich dann auf zehn Kilometer.

H5N1-Infektion von Wildente in NÖ bestätigt
Der dringende Verdacht auf H5N1-Infektionen einer in Himberg (Bezirk Wien-Umgebung) aufgefundenen Wildente hat sich nach Angaben aus dem Büro des für Veterinärangelegenheiten zuständigen Landesrates Josef Plank (V) bestätigt. Noch keine Untersuchungsergebnisse der AGES lagen am Montag hinsichtlich zweier Schwäne vor, die beim Enns-Kraftwerk Staning (Bezirk Amstetten) entdeckt worden waren.

Die bei der Wildente gezogenen Proben seien inzwischen auf dem Weg ins EU-Referenzlabor im britischen Weybridge. Das sei "Standard bei allen positiv getesteten Tieren, um alle Eventualitäten auszuschließen", hieß es im Büro des Landesrates.

Stau durch leblosen Schwan auf Wiener Nordbrücke
Ein leblos auf der Wiener Nordbrücke liegender Schwan hat einen Stau ausgelöst. Nach Angaben eines Verkehrsteilnehmers lag das Tier tot auf der linken Richtungsfahrbahn stadteinwärts: "Die Autos sind im Schritttempo vorbeigefahren. Die Verzögerung durch den Stau hat ungefähr zehn Minuten bis eine Viertelstunde betragen."

Ein toter Schwan wurde auch beim Wasserpark in Floridsdorf gefunden, wie bei der Polizei zu erfahren war. Der Park an der Alten Donau ist seit Samstag gesperrt, nachdem dort ein mit dem Vogelgrippe infizierter Schwan entdeckt worden war.

LH Pröll warnt vor Panik
Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (V) warnte in der ORF-"Pressestunde" vor Panik: Behördlich seien alle Maßnahmen getroffen worden, um eine Ausweitung der Tierseuche zu verhindern. Vorsicht im Umgang mit Wildtieren sei geboten. Es müsse aber klar gesagt werden, dass "nicht mit jedem Biss in ein Henderl die Vogelgrippe mitgegessen wird", so Pröll.

Weltweit bereits über 90 Menschen gestorben
Die Zahl der Vogelgrippe-Toten in Indonesien stieg auf 19. Wie das Gesundheitsministerium in Jakarta mitteilte, erlag ein bereits am 10. Februar gestorbener 23-Jähriger dem H5N1-Virus. Der Mann habe häufigen Kontakt mit Geflügel gehabt.

Nach Zahlen der WHO sind seit dem Ausbruch der Vogelgrippe Ende 2003 mindestens 91 Menschen an der Tierseuche gestorben. Alle Opfer lebten in Ostasien oder der Türkei.

(apa/red)