Vogelgrippe in Rumänien: Neue Fälle bei Geflügel im Donau-Delta aufgetreten

Türkei: Ministerpräsident Erdogan warnt vor Panik<br>EU verhängt Einfuhrverbot für türkisches Geflügel KLICKEN: Liste der Gemeinden mit hoher Gefährdung

Rumänien hat weitere mutmaßliche Vogelgrippe-Fälle bei Geflügel gemeldet. Vorläufige Tests im Westen des Donau-Deltas hätten Hinweise auf einen Virus der Gruppe H5 ergeben, teilte das Landwirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Die beiden betroffenen Dörfer würden unter Quarantäne gestellt und alle Hausvögel gekeult.

Die Vogelgrippe war zum ersten Mal im Oktober in der Gegend festgestellt worden. Dort und in anderen Teilen Rumäniens fanden die Behörden das Virus in 26 Dörfern. An der besonders gefährlichen Virusvariante H5N1 sind in Asien seit Ende 2003 78 Menschen gestorben. Die einzigen Todesfälle außerhalb dieser Region gab es bisher in der Türkei. Dort breitete sich die Krankheit zuletzt in Richtung Europa aus.

Die Vogelgrippe ist in der Türkei erstmals auch in einem Urlaubsort an der ägäischen Küste aufgetaucht. Das Virus sei bei Vögeln in der Stadt Kusadasi (deutsch: Vogelinsel) festgestellt worden, nachdem dort Tauben, Amseln und Ringeltauben verendet seien, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi am Dienstag. Vier Menschen in dem Gebiet wurden mit Verdacht auf eine Infektion ins Krankenhaus gebracht.

Bei den vier neuen türkischen Verdachtsfällen handelt sich um eine Mutter und ihren zweijährigen Sohn sowie einen 15-Jährigen. Alle drei stammen aus der Provinzhauptstadt Aydin. In Kusadasi sei ein dreijähriger Bub erkrankt, der mit einem kranken Huhn gespielt haben soll. Ergebnisse der Proben, die in ein Labor nach Istanbul geschickt wurden, seien in drei Tagen zu erwarten.

Bestätigt wurde ein weiterer Fall im Osten der Türkei. Es handle sich um einen Patienten aus der Provinz Sivas, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag in Ankara mit. Bei 60 weiteren Menschen, die auf den gefährlichen Erreger H5N1 getestet wurden, sei dagegen keine Infektion festgestellt worden. Die Zahl der Vogelgrippe-Patienten, die derzeit in türkischen Krankenhäusern behandelt werden, ist damit auf 13 gestiegen. Drei Kinder waren in der vergangenen Woche in der Universitätsklinik der osttürkischen Stadt Van gestorben.

Angesichts der neuen Fälle in der Türkei haben die griechischen Behörden die Kontrollen in den östlichen Grenzregionen des Landes verschärft. Wie das staatliche griechische Fernsehen (NET) am Dienstag berichtete, werden alle aus der Türkei kommenden Fahrzeuge an den Übergängen des Grenzflusses Evros (türkisch: Meric) desinfiziert. Auf Bauernhöfen und Schutzgebieten im Osten des Landes finden intensive Gesundheitskontrollen bei Vögeln und Geflügel statt.

Erdogan warnt vor Panik
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat angesichts von Vogelgrippe-Fällen seine Landsleute vor übertriebener Angst gewarnt. "Leider hat sich zuletzt Panik breit gemacht, wodurch der Eindruck entstanden ist, die ganze Türkei sei betroffen", sagte er. Tatsächlich sei die Vogelgrippe unter Kontrolle.

Auch ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Türkei ging davon aus, dass die Vogelgrippe in dem Land "relativ leicht" unter Kontrolle gebracht werden könne. Tests deuteten darauf hin, dass das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen werde.

Offiziellen Angaben zufolge starben in den vergangenen Tagen drei Menschen in der Türkei an der Vogelgrippe, 15 infizierten sich insgesamt. Weltweit sind seit 2003 nachweislich mindestens 78 Menschen an der Krankheit gestorben. Die türkischen Behörden bemühen sich, die Ausbreitung der Krankheit durch Massentötungen von Geflügel einzudämmen. In den Außenbezirken der Großstädte Ankara und Istanbul wurden ganze Viertel abgesperrt und die dort gehaltenen Tiere getötet. Viele Menschen kommen verunsichert in die Krankenhäuser und zu Ärzten, um sich testen zu lassen.

Neue Fälle auch in der Ukraine
Die Behörden in der Ukraine berichteten, auf drei weiteren Bauernhöfen auf der Krim-Halbinsel sei das H5N1-Virus nachgewiesen worden. Die Höfe seien desinfiziert und mehr als 172.000 Tiere vorsorglich getötet worden. Das Virus war zuvor bereits in 14 Dörfern auf der Krim aufgetaucht. Menschen sind offiziellen Angaben zufolge in der Ukraine nicht erkrankt.

Zum Schutz vor einer möglichen Ausbreitung der Seuche in Russland hat Präsident Wladimir Putin Maßnahmen im ganzen Land angeordnet. So sollen Lebensmittelmärkte und -transporte streng kontrolliert werden. An den Grenzen zur Türkei, nach Armenien und Georgien sowie in den Schwarzmeer-Häfen sollen Einreisende untersucht werden, wie die Nachrichtenagentur RIA-Nowosti meldete.

Österreich: Liste von Risikogemeinden
In Österreich gibt es eine behördliche Liste von Risikogemeinden, in denen unter anderem die Fütterung der Tiere nur in Ställen erlaubt ist. Betroffen sind alle Bundesländer, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Die Listen der Gemeinden wurden von den Ländern selbst erstellt, sie umfassen in erster Linie Kommunen, die an Flüssen, Seen oder Zugvögelrouten liegen. Aufrecht geblieben ist die Meldepflicht für Geflügelhalter, sie gilt in ganz Österreich. Davon ausgenommen sind lediglich Ziervögel, die nie ins Freie dürfen.
(apa)