Vogelgrippe: Österreichischer Krisenplan

Mit dem Auftreten eines Vogelgrippefalles im unmittelbaren Grenzgebiet zu Österreich trat der Krisenplan in Kraft. Der seit Jahren bestehende "Krisenplan zur Bekämpfung der Newcastle Disease und der Klassischen Geflügelpest in Österreich" regelt auf 168 Seiten (Version 2003) alle Details von Aufspürung von Fällen, Diagnose, Sperrmaßnahmen, Vernichtung von Beständen und Desinfektion sowie finanzielle Vorkehrungen.

Hier die wichtigsten Punkte:

  • Eine eindeutige Befehlskette endet bei der Leitung der Veterinärverwaltung im Gesundheitsministerium beim Leiter des nationalen Tierseuchenkontrollzentrums im selben Ressort (Koordinationsfunktion für ganz Österreich).
  • In jedem Bundesland gibt es ein eigenes Tierseuchenkontrollzentrum, das jeweils an den Veterinärabteilungen angesiedelt ist. Die Leitung erfolgt jeweils durch einen Tierarzt.
  • Die Verantwortlichkeiten der Zentren: Ausweisung eines Bestandes als "Seuchenbetrieb", Bereitstellung des Personals zur Seuchenbekämpfung, Tötung seuchenkranker oder verdächtiger Tiere, Beseitigung von Kadavern und kontaminierten Material, Reinigung und Desinfektionsmaßnahmen, Einrichtung von Schutz- und Überwachungszonen, Presse- und Informationsdienst im jeweiligen Bundesland und Berichterstattung an das nationale Zentrum.
  • Bei Seuchenverdacht sind Proben zu ziehen. Der zuständige Amtstierarzt muss diese an ein Referenzlabor mit vorheriger telefonischer Kontaktaufnahme schicken. Dort werden allfällige Erreger isoliert und typisiert (z.B. Stamm der Vogelinfluenza-Viren). Die Resultate sind der zuständigen Bezirkshauptmannschaft und Veterinärverwaltung zu melden.
  • Gibt es einen Vogelgrippe-Verdachtsfall in einem Geflügelbestand, hat der "Bürgermeister übe den gesamten Tierbestand, das Gehöft oder die Weidefläche, wo sich der Verdachtsfall ereignet hat, eine vorläufige Sperre zu verhängen." Dies geschieht mittels Bescheid. Fremde Personen dürften die Lokalität nicht betreten. Es gibt ein Verbot, Tiere wegzubringen.
  • "Wird die Geflügelpest bei Geflügel gemäß §1 Abs. 1 festgestellt, so ist das gesamte Geflügel unverzüglich unter amtlicher Aufsicht zu töten. Verendete und getötete Tiere sowie alle vorhandenen Eier sind unschädlich zu beseitigen." (Geflügelpest-Verordnung). Das selbe gilt für Fleisch.
  • Die Isolationsmaßnahmen laut der Verordnung: "Um Seuchengehöfte ist jedenfalls eine Schutzzone mit einem Mindestradius und eine daran anschließende Überwachungszone mit einem Mindestradius von zehn Kilometern einzurichten." In der Schutzzone gibt es ständige Kontrollen und Untersuchungen. Das Geflügel ist einzusperren. Auf den Zufahrtswegen müssen Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt werden. In der Überwachungszone dürften Geflügel, Fleisch, Eier und potenziell kontaminierte Gegenstände nur nach vorhergehender Kontrolle weggebracht werden. Innerhalb der ersten 15 Tage darf Geflügel überhaupt nicht abtransportiert werden oder nur auf direktem Weg zu einem bestimmten Schlachtbetrieb.

    Die Maßnahmen bleiben aufrecht, bis es eine eindeutige Entwarnung mit einem entsprechenden zeitlichen Abstand zu den Seuchenfällen gibt.

(apa)