Vierschanzen-Tournee: Entscheidung läuft auf einen Zweikampf Ahonen - Janda hinaus!

Janda erster tschechischer Sieger seit Jahr 1971? 27-Jährige ist dank fünf Siegen Leader im Weltcup!

Die Ausgangslage im Kampf um den Gesamtsieg bei der 54. Vierschanzen-Tournee war vor der vierten Station in Bischofshofen selten so spannend: Der Tscheche Jakub Janda führt mit 790,5 Punkten lediglich zwei Zähler vor dem dreifachen Champion Janne Ahonen. Auch wenn Roar Ljökelsöy als Dritter nur 15,4 Punkte Rückstand auf Janda hat, niemand rechnet damit, dass noch jemand in den Zweikampf der Beiden eingreifen kann.

Und befragt man einige Experten, dann rechnen eigentlich die meisten damit, dass sich doch noch Ahonen durchsetzen wird. Zehn Jahre, nachdem Jens Weißflog als bisher einziger Springer zum vierten Mal die Tournee für sich entschieden hat, steht der Finne kurz davor, es ihm gleichzutun. Nach 1998/99, 2002/03 und 2004/05 könnte der Großschanzen-Weltmeister von Oberstdorf wieder beim ersten Saisonhöhepunkt zuschlagen.

Weißflog würde dies übrigens gar nicht stören. "Der Janne ist seit 1993 dabei und immer irgendwie in der Weltspitze. Er hatte nie einen richtig großen Absturz, hat sich in den Jahren mit so vielen technischen Veränderungen angefreundet. Es ist für mich kaum erklärbar, wie er das gemacht hat. Er ist wohl einfach cooler als alle anderen", vermutet der ZDF-Skisprungexperte.

Genau damit argumentiert auch ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner, wenn er Ahonen im Duell mit Janda favorisiert. "Er ist der Routinier und hat große Erfahrung mit Großveranstaltungen. Er hat den Erfolg auch schon mehrmals in der Tasche, das alles sind Vorzeichen, die für Ahonen sprechen." Für Janda hingegen wäre es der erste Tournee-Sieg, es wäre überhaupt der erste für Tschechien. Jiri Raska war 1970/71 noch für die Tschechoslowakei angetreten.

Pointner ordnet die beiden Favorits in zwei verschiedene Springertypen ein: "Janda ist der, der immer ganz gleich springt. Er weicht nicht von seiner Schiene ab, bei ihm muss auch der Absprung passen." Der Tscheche hat auch den extremeren Sprungstil, hat die Skilatten ab einer gewissen Phase sogar hinter den Ohren. Bei Ahonen ortet Pointner viel mehr spielerische Elemente. "Er ist in der Sprungsituation noch handlungsfähig. Er spielt mit dem Luftpolster und der Balance und kann so noch viel rausholen."

Morgenstern tippt auf Ahonen
Auch Morgenstern rechnet mit Ahonen. "Er ist für mich einfach ein Vorbild, ich würde es ihm vergönnen, wenn er zum vierten Mal gewinnt." Egal, wie Bischofshofen auch ausgeht: Einen "Zwischensieg" hat Janda sicher: Er wird als Weltcup-Leader zu den Skiflug-Weltmeisterschaften auf den Kulm fahren, sein Vorsprung vor Bischofshofen beträgt hier nicht nur zwei, sondern gleich 137 Punkte.

Im Nationencup gibt es nach dem Erstarken der Norwegen nun einen Dreikampf, die Norsker haben nach dem Innsbruck-Sieg von Lars Bystöl mit 1.158 Punkten sogar die Führung übernommen. Das ÖSV-Team folgt mit 28 Punkten Rückstand auf Platz zwei, die Finnen liegen nur weitere 32 Zähler dahinter.

(apa/red)