Vierfachmord in Mauerbach: Gewalt und Morde im Familienkreis steigen immer mehr

Immer öfter Anzeigen wegen häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt ist in Österreich erschreckender Alltag. Darüber sind sich Maria Ullmann vom Bundeskriminalamt und Daniela Almer von der Informationsstelle gegen Gewalt einig. Täglich sind Frauen und Kinder Übergriffen vor allem von Seiten männlicher Familienmitglieder ausgesetzt - in einigen Fällen eskaliert die Situation, wie etwa bei jenem 50-jährigen Familienvater, der im niederösterreichischen Mauerbach vier seiner Töchter ermordet haben soll.

Dass dies kein tragischer Einzelfall war, auch darüber sind sich Ullmann und Almer einig: Mehr als die Hälfte aller Morde werden im Familienkreis verübt, hieß es von der Informationsstelle gegen Gewalt. Im Jahr 2004 wurden von insgesamt 184 Morden und Mordversuchen in Österreich 133 im "sozialen Nahraum" und davon 87 innerhalb der Familie verübt.

Vergleicht man diese Zahlen mit jenen des Vorjahrs, muss man feststellen, dass die Morde im engen Familienkreis zunahmen. Im Jahr 2003 bestand in nur 57 von insgesamt 144 tödlichen Übergriffen ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen Täter und Opfer. 99 Morde wurden im "sozialen Nahraum" verübt. Ein Grund für diesen Anstieg ist derzeit nicht bekannt, räumte Ullmann im Gespräch mit der APA ein. Dies liege vor allem daran, dass eine Untersuchung des Kontextes häufig durch die Tatsache erschwert werde, dass die Täter in vielen Fällen Selbstmord begehen.

Täglich sind Frauen und Kinder im häuslichen Bereich Schikanen vor allem von Seiten männlicher Familienmitglieder ausgesetzt - immer mehr Übergriffe werden bekannt. 4.674 Wegweisungen und Betretungsverbote musste die Polizei aus diesem Grund im Jahr 2004 verhängen - im ersten Halbjahr 2005 waren es bereits 2.661. Dagegen waren es im Jahr 1997 lediglich 1.365 Fälle. "Die Dunkelziffer im Bereich der familiären Gewalt ist sehr hoch, weshalb es schwierig ist, genaue Aussagen über das Ausmaß der Gewalttaten zu treffen", betonte Almer. Schätzungen zufolge ist etwa jede fünfte Frau gewaltsamen Übergriffen von männlichen Familienmitgliedern ausgesetzt. Bundesweit wurden 2004 von entsprechenden Interventionsstellen 6.887 Betroffene betreut. 2.767 Menschen, darunter 1.337 Kinder, fanden im selben Jahr Schutz und Zuflucht in Frauenhäusern.

(apa)