Usain Bolt von

"Zeigen, dass ich der Größte bin"

Der Sprint-Superstar wollte es allen beweisen, weil einige an ihm gezweifelt hatten

Usain Bolt - "Zeigen, dass ich der Größte bin" © Bild: Reuters/Hackett

"Number one. All day, every day" - die Nummer 1. Den ganzen Tag. Jeden Tag. Das hat Usain Bolt schon vor dem 100-Meter-Finale in jede Kamera gerufen. Und mit einem ungefährdeten Olympiasieg jeden Zweifler zum Schweigen gebracht. Mit Flaschenwurf vor dem Finale nicht aus der Fassung bringen.

Bolt hatte bei 1,5 m/s Rückenwind seinen Landsmann und 2011-Weltmeister Yohan Blake (9,75) sowie die US-Amerikaner Justin Gatlin (9,79), Tyson Gay (9,80) und Ryan Bailey (9,88) hinter sich gelassen. Auch Churandy Martina (NED/9,94) und Richard Thompson (TRI/9,98) blieben unter 10 Sekunden. Nur der muskulär angeschlagene Asafa Powell (JAM/11,99) verhinderte ein kollektives Sensationsrennen. Alle Finalisten unter 10 Sekunden wäre eine Premiere gewesen.

In der jamaikanische Olympiaausscheidung hatte Bolt über 100 m und 200 m das Nachsehen gegenüber Blake - ein Warnschuss zur rechten Zeit, wie der Weltrekordler zugab. "Yohan klopfte an meine Tür und sagte, Usain, das ist ein Olympiajahr, wach auf! Ich habe den Fokus wiedergefunden und es in meinem Kopf zusammenbekommen." Für Bolt war das Jahr unruhig, aber doch auch glücklich verlaufen. Ein Autounfall im Juni in Jamaika blieb ohne Folgen, eine Blessur im Oberschenkel bekam der deutsche Sportarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt rechtzeitig vor Olympia in den Griff.

Nächster Titel über 200 Meter?
Der beste Sprinter aller Zeiten blickt schon nach vorne. Auf den Beginn der 200 m am Dienstag. Auf der halben Stadionrunde plant er den nächsten Schritt, um zur Legende zu werden. "Zuerst muss ich den Titel über 200 m gewinnen. Eine Legende zu werden, ist mein ultimatives Ziel. Das ist mein Ziel hier. Aber dazu muss ich meine Titel verteidigen", sagte der dreifache Olympiasieger von Peking 2008.

Es sei definitiv härter, einen Titel erfolgreich zu verteidigen, als das erste Mal zu gewinnen. "Wenn du oben steht, läufst du Gefahr, die richtige Sicht auf die Dinge zu verlieren. Weil dir die Leute ja auch sagen, dass du großartig bist." Genauso sei auch der Fehlstart im 100-m-Endlauf bei der WM 2011 in Daegu noch nicht vergessen. "Das spukt immer noch in meinem Kopf herum. Deshalb war ich auch ein bisschen nervös vor dem Start." Doch der Aufschrei der tobenden Menge, als sein Name bei der Vorstellung der Athleten aufgerufen wurde, habe jeden Zweifel weggeblasen.

Kein perfektes Rennen
Mit der Zeit war Bolt "happy", doch von einem perfekten Rennen wollte er nicht sprechen. "Ich werde jetzt nicht ja sagen, weil ich weiß, dass mein Coach nein sagen wird." Glen Mills war es auch, der Bolt vor den Spielen noch zu Müller-Wohlfahrt verwies. "Er spielt eine wichtige Rolle bei all meinen Erfolgen. Ich gehe zu ihm, seit ich 18 bin." Nach einem Blick auf die Muskeln habe der Arzt gesagt: "Geh' und lauf!" "Und das war die Freigabe für meinen Coach, mich noch härter ranzunehmen. Was er getan hat."

Während Bolt Fragen über einen möglichen Start in der Zukunft über 400 m einmal mehr abschmetterte, verriet er, definitiv für Rio de Janeiro 2016 zu planen. "Ich hoffe, ich werde dabei sein. Ich bin dann 30 und ich denke, immer noch in guter Form. Blake wird 26 sein. Das könnte interessant werden." Dass Bolt als sechsfacher Olympiasieger die Reise nach Brasilien antreten könnte, daran zweifelt seit Sonntagabend wohl niemand mehr.

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