US-Wahl von

Geschmackloser Spot von Obama

Der US-Präsident sorgt mit einem TV-Spot für Aufregung. Nötig hätte er es nicht

US-Wahl - Geschmackloser Spot von Obama © Bild: Reuters

In den Bemühungen, den Präsidenten im Amt zu halten, schoss sein Team diese Woche gewaltig übers Ziel hinaus. Vor einigen Tagen tauchte ein Werbespot auf, der Romney indirekt die Verantwortung am Krebstod einer Frau gibt. Ihr Witwer, der 62-jährige Joe Soptic, gibt darin zu Protokoll, der von Mitt Romney gegründete Hedgefond Bain Capital hätte 2001 das Stahlwerk dichtgemacht, in dem Soptic gearbeitet hatte. "Als Mitt Romney und Bain das Werk schlossen, verloren ich und meine Familie unsere Gesundheitsversicherung", sagt Soptic in dem Werbespot. "Kurz darauf wurde meine Frau krank. Sie starb 22 Tage später."

Tatsächlich wurde der Tumor bei Ilyona Soptic laut Washington Post-Recherchen erst fünf Jahre nach der Werkschließung diagnostiziert. Außerdem war sie selbst berufstätig und damit versichert, als ihr Mann arbeitslos wurde. Erst später verlor auch sie Job und Gesundheitsvorsorge.

Augenauswischerei
Offiziell ist Obamas Team für den umstrittenen Wahlwerbspot nicht verantwortlich, er wurde von einem Super PAC namens "Priorities USA" produziert. Super PACs (Political Action Committee, also politisches Aktionskomitee) sind im US-Wahlkampf von immenser Bedeutung. Im Gegensatz zu den Kandidaten dürfen sie Wahlkampfspenden in unbegrenzter Höhe einsammeln, weil sie formell unabhängig von den jeweiligen Kandidaten sind. Die Betonung liegt auf formell. So versuchte das Team des Präsidenten in ersten Reaktionen auch, jegliches Wissen über Soptics Geschichte abzustreiten. Kurz darauf musste Obamas Sprecherin Jen Psaki aber einräumen, Soptic sehr wohl zu kennen - er war sogar bereits im Mai einmal bei einem Medientermin aufgetreten.

Unnötige Aktion
Dabei hätte es Obama gar nicht nötig, für ihn läuft gerade alles nach Wunsch. In aktuellen Umfragen hat er den Vorsprung auf seinen designierten Herausforderer Mitt Romney merklich ausgebaut. Hauptverantwortlich dafür dürfte die aggressive Anti-Romney-Kampagne sein, die Obamas Wahlkampfteam seit Wochen fährt. Vor allem die Steuervorwürfe , die gegen ihn erhoben werden, konnte Romney bislang nicht entkräften.

So sind einer aktuellen CNN-Umfrage zufolge 64 Prozent der Amerikaner der Meinung, Romney würde die Reichen gegenüber der Mittelklasse bevorzugen. Und 63 Prozent wünschen sich die Offenlegung weiterer Steuererklärungen des republikanischen Herausforderers.

Solider Vorsprung
Generell liegt Obama zur Zeit in allen Umfragen weit deutlicher in Führung als noch vor wenigen Wochen. Bei CNN führt er mit 52 zu 47 Prozent; in einer aktuellen Erhebung von Fox News, einem deklariert konservativen Sender, sind es 49 zu 40 Prozent. Damit hat sich der Vorsprung des Präsidenten im letzten Monat verdoppelt - ein klares Zeichen. Obama schafft es mittels der massierten Vorwürfe der Steueroptimierung weiterhin, Romney vor sich herzutreiben und ihm keine Luft zum Atmen zu lassen. So haben inzwischen 52 Prozent der unabhängigen Wähler ein negatives Bild des Herausforderers, vor vier Wochen waren es noch zwölf Prozent weniger.

Olympischer Rückenwind
Neben der erfolgreichen Negativkampagne gegen seinen Herausforderer erhält Obama aber auch von unerwarteter Seite Rückenwind, nämlich von der anderen Seite des großen Teiches. Die olympischen Erfolge des Team USA versetzen des Land in eine ungeahnte Euphorie - die der Präsident geschickt für sich zu nutzen weiß. "Ich weiß natürlich, dass alle hier den Großteil der Woche damit verbracht haben, unsere unglaublichen Sportler in London zu unterstützen", sagte Obama in der vergangenen Woche auf einer Wahlkampfveranstaltung. "Ich muss zugeben, auf dem Flug hierher habe ich die meiste Zeit damit verbracht, ein Spiel unseres Frauenfußballteams anzusehen. Sie haben übrigens gewonnen, 4:3."

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