Unfassbares Urteil: Mann vergewaltigt 14-jähriges Mädchen und wird freigesprochen!

Italien: Weil sie bereits zuvor Sex gehabt hatte Sizilianer vergewaltigte 2001 Tochter seiner Freundin

Der Oberste Gerichtshof Italiens hat ein Urteil gegen einen Vergewaltiger aufgehoben, weil dessen 14-jähriges Opfer vor der Tat bereits mit anderen Männern geschlafen hatte. Dies sei als strafmildernd zu werten, entschied das Kassationsgericht in Rom am Freitag. Das Urteil rief in Italien einen Sturm der Entrüstung vor.

An der Entscheidung nicht beteiligte Richter des Kassationshofs distanzierten sich öffentlich von der Entscheidung. Auch Mitglieder der Regierung und das Kinderhilfswerk UNICEF übten scharfe Kritik.

Der Oberste Gerichtshof gab laut Berichten italienischer Nachrichtenagenturen einem Antrag eines Sizilianers statt, der 2001 wegen sexueller Gewalt und Drohungen gegen die 14-jährige Tochter seiner Freundin zu drei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Das zuständige Gericht in Cagliari lehnte die Forderung der Verteidigung ab, die früheren sexuellen Aktivitäten des Opfers als strafmildernd zu werten.

Dagegen erklärte nun der Oberste Gerichtshof, da das Mädchen ab seinem 13. Lebensjahr "viele sexuelle Beziehungen mit Männern aller Altersklassen" gehabt habe, sei es "richtig anzunehmen, dass zum Zeitpunkt ihrer Begegnung mit dem Beschuldigten ihre Persönlichkeit in sexueller Hinsicht sehr viel weiter entwickelt war, als man es normalerweise von einem Mädchen ihres Alters erwarten würde". Das Gericht in Cagliari sollte daher das Strafmaß überprüfen.

Der Chef von UNICEF Italien, Antonio Sclavi, kritisierte das Urteil scharf. "Es gibt keine mildernden Umstände bei sexuellen Übergriffen auf Minderjährige", sagte Sclavi. Mehrere Richter des Obersten Gerichtshofs gaben laut ANSA eine schriftliche Stellungnahme heraus, in der sie sich klar von ihren Kollegen distanzierten: Die Entscheidung sei "ein Beispiel dafür, wie ein Urteil niemals geschrieben oder begründet werden dürfte".
(apa)