Ultimatum abgelaufen: Minister setzt sich für entführte US-Journalistin im Irak ein

Entführer drohten mit der Ermordung von Jil Carroll Geiselnehmer fordern Freilassung von Irakerinnen

Um das Leben der verschleppten Journalistin Jill Carroll zu retten, hat ein irakischer Minister die US-Streitkräfte um die Freilassung von inhaftierten Irakerinnen gebeten. Die sechs Frauen würden vermutlich in den kommenden Tagen auf freien Fuß gesetzt, sagte der stellvertretende Justizminister Busho Ibrahim Ali der Nachrichtenagentur AP. Das Ultimatum der Entführer Carrolls lief am Freitagabend ab, über das Schicksal der 28-Jährigen war zunächst aber nichts bekannt.

Die USA haben nach eigenen Angaben neun irakische Frauen im Irak inhaftiert. Er bemühe sich darum, ihre Freilassung zu beschleunigen, sagte Ali, "denn das könnte helfen, die Freilassung der entführten Journalistin zu beschleunigen".

Auch eine amerikanisch-muslimische Interessengruppe setzte sich für die Mitarbeiterin der Zeitung "The Christian Science Monitor" ein. Vertreter des Rates für amerikanisch-islamische Beziehungen trafen am Samstag von Jordanien kommend in Bagdad ein.

Carrolls Vater appellierte am Freitagabend an die Kidnapper, seine Tochter freizulassen. Dies wäre auch besser für die Sache der Iraker, sagte Jim Carroll im Fernsehsender Al Arabiya. Er bezeichnete seine Tochter als unschuldige Person, deren Tod dem Wunsch der Entführer nach Freilassung aller weiblichen Gefangenen kaum dienen könne. Würde sie dagegen freigelassen, könnte sie sich für die Belange der Iraker einsetzen. "Erlaubt ihr, Eure Stimme in der Welt zu sein. Als lebende Journalistin kann sie Eurer Sache besser dienen, als wenn sie stirbt", appellierte der Vater an die Entführer.

Die Geiselnehmer hatten mit der Ermordung von Jill Carroll gedroht, sollten die US-Militärbehörden im Irak nicht bis zum Freitag alle weiblichen Gefangenen freilassen. Die 28-Jährige wurde am 7. Jänner in Bagdad verschleppt. Al Jazeera strahlte am Donnerstag ein Video von etwa 20 Sekunden aus, in dem Carroll gemeinsam mit drei maskierten Aufständischen zu sehen war. Ein Redakteur des Senders erklärte, die Bilder stammten aus demselben Videofilm, von dem bereits am Dienstag Auszüge gezeigt worden seien.

Mehr als 30 türkische Unternehmen stellten unterdessen ihre Treibstofflieferungen an den Irak ein. Grund seien die Schulden des Landes in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar (829 Mio. Euro), sagte Staatsminister Kursad Tuzmen der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge. Die Türkei hatte den Lieferstopp am vergangenen Wochenenede angekündigt. (apa)