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Spitzenkandidat: Vitali Klitschko

Der Boxer stellt sich den ukrainischen Parlamentswahlen

Ukraine - Spitzenkandidat: Vitali Klitschko © Bild: APA/EPA

Ring frei: Box-Weltmeister Vitali Klitschko (41) geht für die ukrainische Oppositionspartei Udar als Spitzenkandidat in die Parlamentswahl am 28. Oktober. Bei einer Konferenz in der Hauptstadt Kiew stimmten 620 Delegierte für Klitschko, bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen. Der Politiker kündigte der regierenden Partei der Regionen von Präsident Viktor Janukowitsch einen "harten, aber fairen" Wahlkampf an.

Das sagte Klitschko am Mittwoch bei dem Parteikongress, der teilweise von einem kleineren TV-Sender der Ex-Sowjetrepublik übertragen wurde. Laut jüngsten Meinungsumfragen kann Udar bei der Wahl mit etwa zehn Prozent der Stimmen rechnen.

Seit einem Jahr in Haft
Unterdessen sitzt die Oppositionsführerin Julia Timoschenko seit mittlerweile einem Jahr in Haft. Während sie sich zu Beginn noch unbeugsam zeigte, sind in den vergangenen Monaten medienwirksame Bilder aufgetaucht, die eine kränkelnde und verletzbare Ex-Regierungschefin zeigen. Deutsche Ärzte bescheinigten Timoschenko einen Bandscheibenvorfall und eine Hauterkrankung und kritisierten ihre Behandlung in der Ukraine. Ihre Tochter Jewgenija kämpft um die Freilassung ihrer Mutter. Ihr Mann Alexander ist nach Prag geflüchtet, weil er politische Verfolgung durch die ukrainische Justiz fürchtet.

Wahlkampf hat begonnen
Die Opposition hält an der Politikerin mit dem ausgeprägten Machtinstinkt fest. Viele sehen sie als die einzige wirkliche Konkurrenz zum Regierungslager an. Vor wenigen Tagen begann in der Ukraine auch der offizielle Wahlkampf. Dabei wurde Timoschenko von der versammelten Opposition demonstrativ als Spitzenkandidatin für die Parlamentswahl am 28. Oktober nominiert. Das dürfte aber eher ein symbolischer Akt gewesen sein. Die Wahlkommission wird dieses Ansinnen ablehnen, weil Inhaftierte nicht kandidieren dürfen. Gemäß dem Gerichtsurteil muss Timoschenko sieben Jahre wegen Amtsmissbrauchs in Haft verbringen. Zum Verhängnis wurde der als pro-westlich geltenden Politikerin ausgerechnet ein Gasabkommen mit Russland, bei dem sie das Budget um 137 Millionen Euro geschädigt haben soll.

Noch längere Haftstrafe droht
Ein zweiter Prozess gegen die in Haft erkrankte Ex-Regierungschefin wurde indes jüngst erneut vertagt, diesmal auf den 14. August. Timoschenko drohen dabei wegen angeblicher Veruntreuung zwölf weitere Jahre Haft. Und noch ein weiterer Fall rund um die "Gasprinzessin" könnte die Gerichte beschäftigen: Eine mögliche Mordverwicklung steht im Raum. Es geht um den Mord an dem Abgeordneten Jewgen Schtscherban im Jahr 1996, den nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Unternehmen der früheren Regierungschefin bezahlt haben könnte.

Timoschenko ist die einstige Verbündete von Ex-Präsident Viktor Juschtschenko bei der Orangen Revolution von Ende 2004, als Wahlfälschungen bei der Präsidenten-Stichwahl die Massen auf die Straße trieben. Die Koalition zwischen den beiden zerbrach im März 2010. Nach einem Misstrauensvotum des Parlaments in Kiew musste sie zurücktreten.

Marionette als Richter
Den Prozess 2010 wegen des Gasgeschäfts mit Russland nannte sie einen "Test" auf dem Weg der Ukraine "zu einem schönen europäischen Land". Der Richter sei eine "Marionette" des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch, kritisierte sie. Timoschenkos Anhänger in der Ukraine heben vor allem ihre Durchsetzungsfähigkeit in der Männerwelt und ihren eisernen Willen hervor. Sie schwärmen von der klugen Frau mit Ingenieursdiplom, die trotz aller Hindernisse ihren Weg gehe. Ihre Kontrahenten kritisierten ihre sprunghaft populistische Politik. Manchen Ukrainern treibt es die Politikerin mit dem folkloristisch geflochtenen Haarkranz zudem mit der Selbstvermarktung als nationale Ikone etwas zu weit: Ukrainisch lernte sie erst im Alter von 36 Jahren. Ihre Muttersprache ist Russisch.

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