Überwachungskameras im Einsatz: Manch-mal verrät die eigene Familie den Täter

Qualität der Aufzeichnungen deutlich verbessert

Ehemals bannten Kameras die Sequenzen bei Bankrauben etc. noch auf Schmalfilm, was die Qualität der Bilder oft ausgesprochen schlecht machte. Mittlerweile zeichnet die moderne Videotechnik oft glasklare Abbilder der kriminellen Wirklichkeit auf. Sind Täter nicht maskiert, ist es manchmal sogar die eigene Familie, die den Verdächtigen zum Aufgeben bringt.

"Ob Überwachungskameras im 'privaten" (auch geschäftlichen) Bereich oder dienstliche in der Exekutive, sie wirken zunächst einmal auf potenzielle Täter abschreckend. Der Erfolg bei der Fahndung nach Tätern hängt natürlich von der Qualität der Bilder ab. In den vergangenen Jahren hat sie sich stark verbessert", sagte Gerald Hesztera vom Bundeskriminalamt am Sonntag gegenüber der APA. Am häufigsten zum Erfolg führen die Geräte bei Banküberfällen und ähnlichen Delikten. Hier einige Fälle aus der jüngeren Vergangenheit:

- Nach schweren Depressionen berufsunfähig, aber ein Bankräuber: Im November 1988 wurde ein 45-jähriger Wiener in seiner Wohnung in Wien-Hietzing nach einem Bankraub einige Tage zuvor festgenommen. Er hatte vier Tage nach der Tat zwar in der Kirche St. Andreas - einige Meter vom Tatort entfernt - eine Beichte abgelegt, Fahndungsfotos aus der Überwachungskamera hatten jedoch schließlich die Familie des später Verurteilten aktiv werden lassen. "Du warst es", hatte dem Mann ein Halbbruder auf den Kopf zugesagt. Die Mutter des Täters hatte zuvor schon anonym Zeitungsausschnitte mit Berichten über den Überfall zugeschickt bekommen ...

- Im Mai 1996 erbeutete der 28-jährige Kärntner Erich M. bei einem Überfall auf die Raiffeisen-Bezirksbank in der Universitätsstraße in Klagenfurt 380.000 Schilling (27.616 Euro). Die entscheidenden Hinweise waren aus der Bevölkerung gekommen. Gleich mehrere Personen hatten den Mann auf dem Foto aus der Überwachungskamera erkannt.

- "Überfall. Habe Pistole und Handgranate. Kein Alarmpaket. Zwei Minuten warten, sonst zünde ich Handgranate. Danke. Ich kann nichts anderes", stand auf dem Zettel von Wolfgang C., der am 4. Februar 2000 mit einer Spielzeugpistole bewaffnet eine Bank Austria-Filiale in Wien-Meidling ausraubte. Fünf Stunden später klickten die Handschellen: Das Fernsehen hatte Fahndungsbilder ausgestrahlt, die Bekannte des Mannes die Polizei anriefen ließen. Dabei hatte er sich gleich nach der Tat auch noch den Bart abrasiert.

- "Wie haben Sie denn da ausg'schaut! Wie der Räuberhauptmann Grassl!" entfuhr es einem Richter am Wiener Landesgericht, als er im April 2000 bei dem Prozess gegen einen Wiener Bankraubverdächtigen auf die Fotos der Überwachungskamera blickte. Der Mann hatte im vorangegangenen Februar mit 2,9 Promille Blutalkohol in Wien-Brigittenau 12.080 Schilling (878 Euro) "behoben". Wenige Minuten nach der Tat war er festgenommen worden. Die Bilder aus der Überwachungskamera hatten eindeutige Beweise - auch auf die Beeinträchtigung des Täters - geliefert.

- Am 7. Oktober 2003 wurde ein 42-jähriger Salzburger in Frankfurt/Main in Deutschland in einem Hotel festgenommen. Er hatte einige Tage zuvor eine Bank in Salzburg überfallen und sich dann abgesetzt. Die ehemalige Lebensgefährtin des Mannes hatte den Verdächtigen auf den veröffentlichten Fahndungsfotos erkannt und der Polizei einen Hinweis gegeben.

- Über den Notruf der Salzburger Polizei meldete sich im Mai 2004 ein deutscher Staatsbürger, der einige Tage zuvor die Filiale der Salzburger Sparkasse am Südtiroler Platz beim Hauptbahnhof überfallen hatte. Er gestand in dem Telefonat die Tat und wurde festgenommen. Zuvor waren bereits zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, nachdem Fotos aus der Überwachungskamera veröffentlicht worden waren. Der Mann war bei der Tat nicht maskiert gewesen.

- Beim sprichwörtlichen Kragen packte ein Wiener Lokalbesitzer im November 2005 seinen 16-jährigen Sohn, nachdem er diesen in der Zeitung auf einem Fahndungsfoto erkannt hatte und brachte diesen zur Polizei. Mit einem Komplizen hatte dieser vier Tage zuvor in einer BA-CA-Filiale in Wien-Alsergrund 100.000 Euro erbeutet. 10.000 Euro hatten die Burschen in einer Nacht in einem Bordell verprasst.

Auch ein einigermaßen skuriller Fall aus dem Ausland dokumentiert den Erfolg der Überwachungsmethode:

- Oklahoma City, Juni 2003: Noch während eines Bewerbungsgesprächs bei einer Baufirma wurde ein Mann in den USA festgenommen, weil er das Unternehmen am Vortag bestohlen hatte. Der 20-Jährige war bei seinem Diebstahl von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden. Mitarbeiter der Firma in Stillwater im US-Bundesstaat Oklahoma hatten ihn dann bei dem Bewerbungsgespräch wiedererkannt. (apa)