Überraschende Ankündigung der Hamas: Wahlsieger besteht nicht auf Premiersposten

Finanzminister Fayyad offenbar mit guten Chancen

Die bei den Wahlen in den Palästinensergebieten siegreiche Israel-feindliche Hamas bestehe nicht auf das Amt des neuen Ministerpräsidenten, berichtet der israelische Internetdienst "Ynet" in der Nacht auf Freitag unter Berufung auf palästinensische Quellen. Nach dem Rücktritt des bisherigen Premiers Ahmed Korei (Abu Ala) habe Ex-Finanzminister Salam Fayyad (Fayed/Fayad) gute Chancen, dessen Amt zu übernehmen.

Fayyad wird sowohl von der Hamas als auch der bisherigen Regierungspartei Fatah respektiert und genießt internationales Ansehen. Er ist auch Wunschkandidat der EU und der USA für das Ministerpräsidentenamt. Bei den Wahlen trat er gemeinsam mit Ex-Bildungsministerin Hanan Ashrawi für die Liste "Dritter Weg" an, die zwei Mandat eroberte.

Sollte es zur Bildung einer Einheitsregierung kommen, so "Ynet", würde die Fatah wohl das Innen- und Sicherheits- sowie das Außenministerium erhalten. Hamas und andere Gruppierungen würden den Rest der Ministerposten übernehmen, bis auf jenen des Finanzministers. Dieses Ressort dürfte wieder Fayyad zufallen, der auch mit internationalen Geldgebern verhandeln muss.

Der Hamas-Führer Ismail Haniyeh erklärte unterdessen in einer Pressekonferenz, seine Bewegung werde die "Befreiung anderer Teile Palästinas vervollständigen". Er präzisierte allerdings nicht, welche Gebiete damit gemeint waren und auf welche Weise diese befreit werden sollten.
Haniyeh betonte, er erwarte nicht, dass Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas nach der Wahlniederlage seiner Fatah zurücktrete. Die Beziehungen zwischen der Hamas und Abbas seien auf gegenseitigem Respekt gegründet. Es gebe keinen Kampf und keine Konfrontation, so Haniyeh.

(apa)