Udo Jürgens von

Kein Song Contest mehr

Der Entertainer über den Bewerb, "Woki mit deim Popo" sowie seine aktuelle Tour

Udo Jürgens - Kein Song Contest mehr © Bild: APA/DPA

Am 8. März kommt Udo Jürgens im Rahmen seiner Tour "Der ganz normale Wahnsinn" nach Graz. Nach der Steiermark folgt am 10. März die Salzburgarena, tags darauf die Linzer Tipsarena und am 13. März die Wiener Stadthalle. Im Vorfeld spricht der Entertainer über den hohen Bildungsstand seines Publikums, seine Abneigung gegen das "Zeittotschlagen" und weshalb er mit Bauchwackeln nicht mehr zum Song Contest möchte.

Sie mussten den Start Ihrer Tournee Ende Jänner krankheitsbedingt verschieben . Sind Sie wieder auf dem Damm?

Udo Jürgens: Ich habe eine schwere Erkältung gehabt, die so heftig war, dass ich keinen Ton herausgebracht habe. Da musste eine Pause her, und nun ist wieder alles in Ordnung. Dafür ist der Erfolg der Tournee mit den neuen Liedern bisher überwältigend. Wir haben sehr oft in der Pause schon Standing Ovations - bevor irgendeiner der alten Hits angeklungen ist.

Dabei haben Sie mit Ihrer Aufnahme "Der ganz normale Wahnsinn" ja musikalisch durchaus Neuland betreten...

Jürgens: Natürlich. Wenn man schon älter wird, muss man wenigstens zeigen, dass man lernfähig ist und sich weiterentwickelt. Ich kann diese Kollegen in meinem Beruf nicht besonders gut leiden, die über Jahrzehnte den gleichen Dunst verbreiten und sich überhaupt nicht bemühen, sich irgendwie weiterzuentwickeln. Das ist bei mir anders, und das weiß auch mein Publikum.

Wächst Ihr Publikum mit oder nach?

Jürgens: Es ist vollkommen durchwachsen, und darüber bin ich sehr froh. Wenn überhaupt, gibt es im Bereich Bildung eine gewisse Homogenität. Die Leute, die in meinen Konzerten sind, sind durch die Bank nicht ungebildet. Es sind sehr, sehr viele Maturanten oder Leute, die studiert haben. Das Publikum, das in der Volksmusik sitzt, das kommt zu mir nicht - oder weniger.

Können Sie sich erklären, woran das liegt?

Jürgens: Es gibt eben jene, die nur lachen und unterhalten werden wollen, um die Zeit totzuschlagen - übrigens ein furchtbarer Begriff. Ich hatte nie den Anspruch, dass die Menschen bei mir die Zeit totschlagen können. Sie sollen die Zeit ganz bewusst erleben und aus dem Konzert etwas mitnehmen.

Dabei hat das Politische in der Musik derzeit ansonsten eigentlich ja wenig Konjunktur...

Jürgens: Wenn man ein denkender Mensch ist, ist man automatisch an politischen Entwicklungen im höchsten Maße interessiert. Das gilt für Innen- wie Außenpolitik. Flüsse und Luft kennen keine Grenzen, wir müssen deshalb zusammen versuchen, die Dinge zu bewältigen. Das schlägt sich auch in meiner künstlerischen Arbeit nieder.

Abseits der aktuellen Tournee: Wie beurteilen Sie als Grand-Prix-Veteran den heurigen Österreichvertreter beim Song Contest, die Trackshittaz mit "Woki mit deim Popo"?

Jürgens: Ich bin in der glücklichen Lage, das Lied nicht zu kennen, weshalb ich mir kein Urteil erlauben muss. Aber der Titel erschreckt mich etwas. Die Eurovision hat aber nicht mehr die Bedeutung wie einst. Das war mal eine Schmiede des guten Liedes - mindestens zwei Welterfolge waren in jeder Eurovision drin.

Könnten Sie sich als Österreichs einziger Grand-Prix-Sieger vorstellen, nochmals beim Song Contest für Ihr Land anzutreten?

Jürgens: Nachdem ich das dreimal gemacht habe, mit Sicherheit nicht mehr. Dort mit einem großen Namen zu scheitern, wäre wahrscheinlich der Beginn des Endes. Ich hätte aber auch keine Lust dazu. Das ist zu viel Brimborium mit nackter Haut und hat mit Musik nichts mehr zu tun. Beim Bauchwackeln kann ich wahrscheinlich nicht mehr konkurrieren.