Turin 2006: "Olympischer Geist" steht
durch strenge Auflagen im Hintergrund

Gottwald: "Sport ist das Letzte, worum es hier geht" Bizarre Werberichtlinien sorgen u.a. für Aufregung

Langwierige Sicherheitskontrollen, penible Überprüfungen, ob ein Logo nicht zu groß oder zu viel ist, und Klebebänder, mit denen unerwünschte Sponsoren überklebt werden müssen. Gleichzeitig zum Teil dilettantische, freiwillige Helfer, die der englischen Sprache großteils nicht mächtig sind, was freilich wieder zu großen logistischen Verzögerungen führt. Dass hier um Gold, Silber und Bronze gekämpft wird, gerät zumindest in den Tagen vor Beginn der XX. Olympischen Winterspiele in Turin leicht einmal in Vergessenheit.

Auch Felix Gottwald findet das ganze Umfeld und die Voraussetzungen aus organisatorischer Sicht "echt abartig". "Der Sport ist doch absolut das Letzte, worum es hier geht", meint der Salzburger. Und auch sein Cheftrainer Günther Chromecek bezeichnet zum Beispiel die Werbepolitik des IOC als "schizophren".

Mit so genannten "Gaffern" wird auf den Anzügen so mancher Schriftzug überklebt, leicht erkennbar an den grauen Stellen. In einer Mannschaftsführersitzung wurde sogar von IOC-Kontrolloren gefordert, dass die Firmenschriftzüge auf den Sprungskiern kleiner werden müssten.

"Dafür sieht man aber überall die riesengroßen Coca-Cola- und McDonalds-Plakate", zeigte Chromecek diese Problematik auf. Und findet dann aber doch auch wieder seinen Humor: "Wenn man alle Markenzeichen abpicken müsste, dann müsste man auch dem Egger Fritz (ein Servicemann-Anm.) seine Nase abkleben."

Werberegeln auch für Journalisten?
Dennoch darf man bei allem Verständnis für die Unsummen, die das Internationale Olympische Comite aus den Vermarktungsrechten lukriert, schon die Frage stellen, wohin die "Olympische Bewegung" sich tatsächlich hin manövriert. Die Aufsicht über verbotene Werbung geht sogar so weit, dass selbst Medienvertreter freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen werden, sich nicht mit überdimensionalen Werbebotschaften auf ihrer Kleidung im Wettkampfgelände blicken zu lassen.

Wenn dann hinter diesem strengen Regulativ auch noch organisatorisch wenig klappt, ist der Unmut so mancher Beteiligter verständlich. Ein ORF-Mann hat erst das dritte halbwegs annehmbare Quartier akzeptieren können, das erste war völlig unbeheizt und die Wasserleitungen waren eingefroren, das zweite schlichtweg Substandard. Kein Einzelfall in "bella italia". Die Sportler müssen mit diesen Umständen leben. "Wir betrachten das alles mit einem lachenden Auge", meint Günther Chromecek. Zu viel Ärger kostet ja auch nur Energie.

(apa)