Trotz schwacher Leistung bei 4-Schanzen- Tournee: Adler lassen Köpfe nicht hängen

"Wir sind nicht meilenweit von der Weltspitze weg" Kofler als Achter Bester in Tournee-Gesamtwertung

Ein vierter, zwei sechste und ein achter Rang in den Tageswertungen, Platz acht in der Gesamtwertung der Vierschanzen-Tournee durch Andreas Kofler. Die Ausbeute der ÖSV-Equipe beim ersten Saisonhöhepunkt der Skispringer war eine Enttäuschung. Nach 11 Weltcup-Bewerben steht bisher lediglich ein Stockerlplatz von Kofler (3. in Engelberg) zu Buche. Trotz dieser mageren Zwischenbilanz läuten im ÖSV keinesfalls die Alarmglocken.

Auch wenn die Ziele wie ein Top-3-Platz in der Gesamtwertung oder ein Tagessieg klar verfehlt wurden, für den Nordischen Direktor, Toni Innauer, besteht kein Grund zu Sofortmaßnahmen. "Aus meiner Sicht wäre es falsch, zu glauben, wir sind meilenweit von der Weltspitze weg. Aber man muss dazu stehen, wenn es nicht so geht. Man braucht nichts beschönigen, wir haben unsere Ziele definitiv verfehlt", sagte Innauer. Dennoch seien wichtige Entwicklungen passiert, ein Kofler und auch ein Thomas Morgenstern seien "spürbar in die Nähe der guten Leute" gekommen.

"Großartiger Sport" von Ahonen und Janda
Die beiden ex-aequo-Tourneesieger Janne Ahonen und Jakub Janda hätten großartigen Sport geboten. "Man weiß jetzt, wo die Messlatte liegt." Die Tatsache, dass der nächste Höhepunkt, die Heim-Skiflug-Weltmeisterschaften auf dem Kulm, schon unmittelbar auf die Tournee folgt, beunruhigt Innauer nicht. Er und auch Cheftrainer Alex Pointner sind überzeugt, dass nicht viel fehlt.

In vielen Einzelbereichen wie bei der Geschwindigkeit, den körperlichen Sprungkraft-Voraussetzungen oder auch im Anzugsbereich gäbe es sehr gute Werte. "Es geht wirklich nur um das Zusammenwachsen dieser einzelnen Bereiche", ist sich der Olympiasieger von 1980 sicher.

Innauer will Skifliegen und Tournee nivht vergleichen
"Natürlich wären wir gerne mit mehr Selbstvertrauen zur WM gefahren, aber beim Skifliegen herrschen komplett andere Voraussetzungen, mit entsprechend couragiertem Einsatz kann man einiges ausbessern." Der Blick auf die anderen nordischen Sparten wie Kombination oder Langlauf, die sich erfolgreicher schlagen, macht den ÖSV-Funktionär auch nicht bange. "Im Gegenteil. Mich beruhigt es, wenn die Kombinierer gut sind, weil es auch heißt, dass einige Werkzeuge funktionieren." Wenn Dinge wie Anzug, Geschwindigkeit dort passen, könne man bei den Springern auch nicht daneben liegen.

Auch ein gutes Tournee-Ergebnis wäre keine Garantie für ein gutes Abschneiden bei den kommenden Großereignissen gewesen. Innauer ist von der guten Arbeit seiner Trainer überzeugt, daher gibt es auch in dieser Hinsicht keine Diskussion: "Ich kann doch nicht einen Mann, der so eine gute Entwicklung macht, unmittelbar vor seinen großen Erfolgen ablösen", sprach Innauer dem anwesenden Pointner das Vertrauen aus.

"Froh, dass Kapitel abgeschlossen ist"
Auch Pointner sieht keinen Grund für überstürzte Aktionen. "Natürlich wäre ein Erfolgserlebnis zum Abschluss schön gewesen, aber die Tournee ist jetzt vorbei. Ich bin froh, dass das Kapitel jetzt abgeschlossen ist. Das Buch ist aber noch nicht fertig, jetzt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Skiflug-WM steht vor der Tür, jetzt haben wir es in der Hand, es ohne Panik-Reaktionen in eine andere Richtung zu lenken."

Österreichs Tournee-Bester, dem 21-jährigen Kofler, sind die Statistiken (schlechtestes Tournee-Abschneiden des ÖSV seit 22 Jahren) schlichtweg "wurscht". Und auch wenn es derzeit nicht rund läuft, der Atmosphäre im Team tut dies keinen Abbruch, versichert der Tiroler. "Wir haben eine Superstimmung, alle sind motiviert und wir ziehen uns auch nicht gegenseitig runter." Im Großen und Ganzen werde das Team aber immer noch unter seinem Wert geschlagen.

"Wir haben noch nicht so die Sicherheit, weil es noch nicht so gelaufen ist und das macht brutal viel aus. Bei uns ist einfach noch ein bisserl zu viel Anstrengung dahinter, es geht noch nicht so von der Hand", weiß Kofler. Nach zwei Regenerationstagen ist für Dienstag ein Training in Bischofshofen geplant, die Anreise nach Bad Mitterndorf erfolgt am Mittwoch.
(apa/red)