Trotz Boykott von Saddams Verteidigern: Zeugen der Anklage im Prozess gehört

Schwere Vorwürfe gegen Ex-Diktator & seine Helfer Verteidigung will Ablösung des Richters erzwingen

Im Prozess gegen Saddam Hussein sind am Mittwoch fünf Zeugen der Anklage gehört worden. Eine Frau sagte vor dem Tribunal in Bagdad aus, sie sei unter dem gestürzten irakischen Regime von Sicherheitskräften verhaftet und gefoltert worden.

Die Zeugin berichtete, sie sei im Gefängnis ausgezogen und an den Füßen aufgehängt worden. Dann habe ihr der Angeklagte Barzan Ibrahim, damals Chef des irakischen Geheimdienstes, wiederholt gegen die Brust getreten. "Welches Verbrechen haben wir alle verübt, um eine solche Qual mitzumachen?" fragte die Zeugin.

Saddam Hussein und vier weitere Angeklagte erschienen am Mittwoch nicht im Gerichtssaal. Die Verteidiger haben einen Boykott des Prozesses erklärt und wollen so die Ablösung des Vorsitzenden Richters erzwingen. "Wir können nicht an einem illegitimen und verfassungswidrigen Tribunal teilnehmen, das von der Besatzungsmacht eingesetzt wurde", sagte Saddam Husseins Hauptverteidiger. Die Sitzung wurde nach viereinhalb Stunden auf den Donnerstag vertagt.

Der Boykott ist das jüngste Problem des schwierigen Prozesses gegen den im April 2003 gestürzten Machthaber. Schon an den ersten acht Verhandlungstagen gab es immer wieder Verzögerungen, verbale Ausbrüche von Angeklagten und eine Neubesetzung des Gerichts. Am vergangenen Sonntag schloss der Vorsitzende Richter Rauf Abdel Rahman einen Angeklagten und einen Verteidiger von der Verhandlung aus. Daraufhin zog die gesamte Verteidigung aus dem Gerichtssaal aus.

Der Staatsanwalt erklärte am Dienstag, dass Saddam Hussein und seine Mitangeklagten notfalls mit Gewalt vor das Gericht gestellt würden. In dem Verfahren geht es zunächst allein um ein Massaker an mehr als 140 Schiiten im Dorf Dujail nördlich von Bagdad, dem 1982 ein Attentatsversuch auf Saddam Hussein vorausging. (apa)