Trotz Aufruhr & Rücktritt: Italiens Minister Calderoli sorgt für neuerlichen Ärger

T-Shirts mit Slogan "Ich bin stolz, ein Christ zu sein" Italien befürchtet Racheaktion, Calderoli bereut nichts

Trotz des Aufruhrs, den er mit seiner T-Shirt-Aktion ausgelöst hat, will der zurückgetretene italienische Reformminister Roberto Calderoli auf seine Kampagne nicht verzichten. Der Politiker der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord kündigte an, dass er T-Shirts mit dem Slogan "Ich bin stolz, ein Christ zu sein" drucken lassen werde.

Auch das Parteiblatt der Lega Nord, "La Padania", nimmt sich an Calderolis provokativer Kampagne ein Beispiel. Die Zeitung druckte im Großformat das Bild eines weißen T-Shirts mit der roten Schrift: "Wir müssen unsere Wurzeln verteidigen". "Wir sind Opfer des Islamically Correct", titelte Chefredakteur Gianluigi Paragone seinen Kommentar über Calderolis Rücktritt. Das Parteiblatt veröffentlichte zahlreiche Solidaritätserklärungen mit dem zurückgetretenen Minister.

Die T-Shirts mit dem umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammeds sind inzwischen zu einem Kultobjekt in Italien geworden. Calderoli ließ von einem Freund aus Bergamo zwölf Karikaturen auf weiße T-Shirts drucken. Der Unternehmer will sie nun landesweit verkaufen.

Unterstützung von Kulturminister Buttiglione
Calderolis Kampagne mit den "christlichen" T-Shirts wurde vom katholischen Kulturminister Rocco Buttiglione begrüßt. "Ich finde die Idee gut. Das T-Shirt werde ich auch tragen. Damit beleidigen wir niemanden und heben die Werte unserer Religion, unserer Kultur und Tradition hervor", kommentierte Buttiglione.

Italien befürchtet Racheaktionen
Nach der T-Shirt-Aktion Calderolis und den Unruhen in Libyen befürchtet die Regierung in Rom Racheaktionen gegen Italien. Die Sicherheitsmaßnahmen um italienische Botschaften in arabischen Ländern wurden verschärft. Auch italienische Unternehmen in Moslem-Staaten wurden aufgerufen, ihre Kontrollen zu verschärfen.

Der Sitz der rechtspopulistischen Lega Nord in Rom wurde mit Schimpfwörtern beschmiert. Scharfe Sicherheitsvorkehrungen wurden in ganz Italien bei den Parteisitzen der Lega Nord, der Partei Calderolis, ergriffen. Im Internet wurden Appelle in arabischer Sprache veröffentlicht, die zum Boykott der Gaslieferungen von Algerien nach Italien aufrufen. Auf einer Webseite mit angeblichen Verbindungen zum internationalen Terrornetzwerk Al Kaida wurden Drohungen gegen Calderoli veröffentlicht, der als "Kreuzritter" bezeichnet wurde. "Das Islam-Heer wird Rom erreichen und die Fahne des Islams hissen", hieß es im Schreiben. Dieses wurde vom "Heer der Eroberer" unterzeichnet.

Calderoli bereut Aktion nicht
Nach seinem Rücktritt erklärte Calderoli, er bereue sein Verhalten nicht. "Meine Sünde ist, dass ich kein Heuchler bin. Ich fühle mich nicht schuldig, weil ich ein freier Mensch bin, der in einer freien Welt leben will. Ich kann nicht schweigen, ich lasse mich nicht aus Interesse treten. Auf dem Spiel stehe nicht ich, sondern eine Gesellschaft, die ihren Stolz und ihre Identität, ihre Werte und Ideale zu verloren haben scheint", schrieb Calderoli in einem Kommentar, der am Sonntag vom Parteiblatt der Lega Nord "La Padania" veröffentlicht wurde.

Der italienische Außenminister Gianfranco Fini rief erneut zu Verantwortungsbewusstsein auf. "Man muss ein korrektes und verantwortungsvolles Verhalten bewahren. Wir vertrauen darin, dass die Führung der islamischen Länder und der moslemischen Gemeinschaften in Italien uns respektieren", betonte Fini. Am Samstag hatte er die moslemische Moschee in Rom besucht.
(apa/red)