Treichl zu Kapitalerhöhung der Erste Bank: Keine Veränderungen im Aktionärskreis!

Auch kein neuer Kernaktionär beim Bankinstitut Zukäufe bis 1 Mrd. ohne Kapitalerhöhung machbar

Die morgen anlaufende, bis zu 3 Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung der Erste Bank, wird nach Worten ihres Generaldirektors Andreas Treichl keine gravierende Veränderung im Aktionärskreis nach sich ziehen. Es werde dabei auch kein strategischer oder Finanzinvestor einsteigen, der den Status eines neuen Kernaktionärs einnehmen würde. Die bisherigen Aktionäre sollen zumindest zum Großteil mitziehen.

Nach dem Rekordzukauf in Rumänien (BCR) stünden aktuell keine weiteren Großakquisitionen an. Treichl rechnete allerdings vor, dass er sich weitere Zukäufe im Osten leisten könnte, ohne dass nach der jetzigen Kapitalerhöhung wieder neue Aktien begeben werden müssten. "Bis zu einer Mrd. Euro Kaufpreis müssten wir keine Kapitalerhöhung machen", sagte Treichl am Dienstag vor Journalisten. Nicht ausschließen wollte er die "eine oder andere kleinere Transaktion, unter Umständen in der Ukraine oder in Ungarn, sollte sich dort etwas anbieten".

Neuerlich bestätigt hat Treichl seine Absicht, bei der BCR über die bisherigen 62 Prozent hinauszugehen. Eine Totalübernahme ist demnach für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Zudem wird aber auch ein teilweiser Börsengang der rumänischen Großbank geprüft.

Erste denkt sogar an Totalübernahme der BCR
Die am 21. Dezember mit der "teuersten Unterschrift" des Erste-Bank-Chefs besiegelte Übernahme von 62 Prozent der rumänischen Großbank BCR (Banca Comerciala Romana) für 3,75 Mrd. Euro ist die bisher größte Auslandsakquisition durch Österreicher. Für Bank-Generaldirektor Andreas Treichl ist eine Totalübernahme der BCR mit ihren rund 12.000 Beschäftigten nicht ausgeschlossen.

"Mit der BCR haben wir für die nächsten 10 bis 15 Jahre unsere Wachstumsstory abgesichert", erklärte der Erste Bank-Vorstandschef am Dienstag.

Wann er mit einer Aufstockung beginnen will, sagte Treichl nicht. "Jetzt warten wir einmal ein bissl". Mit den übrigen Aktionären wolle er zunächst einige Zeit zusammenarbeiten. Allerdings: "62 Prozent ist ein guter Anfang", hatte Treichl bereits Ende Dezember bei der Vertragsunterzeichnung in Bukarest erklärt. Heute präzisierte er: Üblicherweise habe er, wenn sein Haus Banken kaufe und gut führe, Interesse an mehr. Ob wie bei Ceska und Slovenska Sporitelna die Totalübernahme in Rumänien angepeilt ist? Es sei "wahrscheinlich, dass das passieren wird".

Auf Wunsch der rumänischen Regierung bzw. der verbliebenen Aktionäre (z.B. Fonds) prüft die Erste Bank den Börsegang der BCR in den nächsten drei Jahren. Das sei als möglicher "Exit" für die Fonds so vorgesehen. Bestätigt wurde heute jedenfalls, dass die Erste Bank überlegt, weitere Anteile zuzukaufen, um sie in der Folge in Bukarest an die Börse zu bringen.

Die Börse Bukarest bewertet Bank-Aktien derzeit generell sehr hoch. Die Transsilvania Bank etwa notiere dort mit dem siebenfachen Buchwert und sei damit die teuerste Bank der Welt und die Großbank BRD notiere immerhin zum sechsfachen Buchwert. Bukarest sei also ein "durchaus attraktiver Börseplatz". Zum Vergleich: Die Erste Bank erwirbt die BCR zum Buchwert-Multiple von 5,8.

Neben dem Kaufpreis von 3,75 Mrd. Euro für die BCR-Mehrheit kommen auf die Erste Bank bei der Neuakquisition in Rumänien im kommenden Jahr noch Integrationskosten von geschätzten 90 Mio. Euro zu. Darüber hinaus rechnet man mit Buchwert-Anpassungen im Ausmaß von 100 Mio. Euro für zusätzliche Kredit-Risikovorsorgen und weiteren 100 Mio. Euro aus Steuergründen. Für die nächsten drei Jahre ist ein Investitionsprogramm im Ausmaß von 100 Mio. Euro geplant, vor allem für die IT. Wie viele Jobs in der BCR eingespart werden, will der Vorstand erst nach dem Closing im April oder Mai beziffern. Treichl hielt aber fest, dass die BCR - anders als andere Bankkäufe in Osteuropa in der Vergangenheit - eine gut funktionierende Bank sei, die - obwohl bisher maßgeblich staatlich - an Marktanteilen und Profitabilität zugelegt habe.

Mit dem BCR-Deal habe die Erste Bank ihr Retailgeschäft "vom Bodensee bis zum schwarzen Meer" ausgedehnt. Mit mehr als 15 Millionen Kunden habe man ein Portfolio und einen Kundenstock aufgebaut, "der für die nächsten 10, 15, 20 Jahre Wachstum garantiert und auch die Freude der Aktionäre sicher stellen sollte", versicherte der Erste-Chef.

Nach dem Rekordzukauf in Rumänien stehen aktuell keine weiteren Großakquisitionen an, sagte Treichl. Und auch "das Gerücht, dass wir uns für die Citibank interessieren, ist falsch".

Ein Großteil des jetzigen Börseerlöses fließt in den BCR-Deal. Weitere Zukäufe im Osten werde sich die Erste Bank bis zu einem Kaufpreis von 1 Mrd. Euro leisten können, ohne dass abermals neue Aktien begeben werden müssten. Nicht ausschließen wollte der Bank-Boss die "eine oder andere kleinere Transaktion, unter Umständen in der Ukraine oder in Ungarn, sollte sich dort etwas anbieten". Dass die ukrainische Sparkasse "zu früh" käme, darum sorgt sich der Erste-Chef derzeit nicht. Eine Großakquisition etwa in Polen müsste er aus heutiger Sicht aber wohl ablehnen.

(apa)