Toulouse von

Angst vor Serienkiller

Nach der Bluttat fürchtet sich Frankreich vor weiteren Anschlägen - Täter auf der Flucht

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    Frankreichs Präsident Sarkozy am Tatort. Er spricht von einer "nationalen Tragödie".

Nach dem Blutbad in einer Schule in Toulouse geht nun die Angst vor weiteren Anschlägen um. Der Bürgermeister der südfranzösischen Stadt, Pierre Cohen, verwies im französischen TV-Nachrichtensender auf die Kaltblütigkeit des Täters. "Wir sind extrem beunruhigt", sagte er. Es gelte, den Täter schleunigst dingfest zu machen. Derartige Anschläge auf Schulen habe es in Frankreich bisher nicht gegeben. "Das ist der Horror", sagte Cohen, der von einer "großen Traurigkeit" sprach.

Ein Unbekannter hat vor und in der jüdischen Schule Ozar Hatora in der südfranzösischen Stadt Toulouse das Feuer eröffnet. Bei der Schießerei sind vier Menschen getötet worden, drei davon waren Kinder. Laut Staatsanwaltschaft gibt es ernsthafte Hinweise auf eine Verbindung zu zwei früheren Mordangriffen in der Region.

Wenige Stunden nach den tödlichen Schüssen haben Polizei und Staatsanwaltschaft Einzelheiten der Gewalttat bekanntgegeben. Demnach schoss der Täter vor dem Schulgebäude mit einer Neun-Millimeter-Waffe auf einen Mann. Dann stellte der Unbekannte seinen Motorroller ab, ging auf das Schulgelände und feuerte mit einer Waffe des Kalibers 11,43 Millimeter, mit dem in den vergangenen Tagen auch drei Fallschirmjäger in Toulouse und im 50 Kilometer entfernten Montauban getötet worden waren.

Täter verfolgte Kinder in die Schule
Der Mann schoss laut Staatsanwaltschaft wahllos auf Erwachsene und Kinder; Kinder habe er sogar bis ins Schulgebäude verfolgt. Dann ergriff der Täter mit seinem Motorroller die Flucht. Bei den vier Todesopfern handelt es sich um einen 30-jährigen Religionslehrer, seine beiden drei und sechs Jahre alten Kinder sowie ein weiteres Kind im Alter von zehn Jahren. Ein 17-jähriger Jugendlicher wurde schwer verletzt.

Die Tat folgte einem ähnlichen Muster wie bei den tödlichen Schüssen auf französische Soldaten zuvor in Toulouse und im nahe gelegenen Montauban: Der Angreifer fuhr laut Augenzeugen ebenfalls einen Motorroller, schoss am helllichten Tag seine Opfer nieder und benutzte eine Waffe desselben Kalibers. In Toulouse war ein Fallschirmjäger getötet worden, in Montauban starben zwei Fallschirmjäger, und einer wurde lebensgefährlich verletzt.

Ermittlungen wegen Terrorismus
Die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft in Paris nahm nun Ermittlungen in den drei Fällen auf, wie Staatsanwalt François Molins mitteilte. Es gehe um "Mord und versuchten Mord im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung".

Sarkozy: "Nationale Tragödie"
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat wenige Stunden nach dem Blutbad Toulouse besucht. Für Dienstag ordnete Sarkozy eine Schweigeminute in allen Schulen des Landes an. Am Tatort sprach das Staatsoberhaupt von einer "nationalen Tragödie". Auch der sozialistische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande wollte nach Toulouse fahren, wie Parteisprecher Benoit Hamon mitteilte. Die Sozialisten unterbrachen ihren Wahlkampf, "um der Opfer zu gedenken".

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat den Angriff in Toulouse scharf verurteilt. In einer von seiner Sprecherin in Brüssel verlesenen Erklärung betonte Barroso: "Im Namen der Kommission möchte ich dieses abscheuliche Verbrechen scharf verurteilen."

Hier ist die Bluttat passiert:


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Weiterführende Links:
Le Monde
France 24
BBC