Den Unternehmen fehlen 30.000 Fachkräfte. Das macht strategische Personalplanung im Lehrlingsbereich zum primären Ziel der Betriebe und die Politik setzt viele Hebel in Bewegung, um die Lehre attraktiver zu machen. Optimale Lehrlingsausbildung wird zum Erfolgsfaktor.
Jugendliche, die heuer mit der Schule aufhören, stehen gleich vor einem guten Anfang. Sofern sie eine Lehre machen. Denn hier sind die Karrierechancen größer denn je. Immer schon bot eine Lehre eine fundierte Ausbildung, die praktische Fertigkeiten und Schlüsselqualifikationen optimal verbindet. Jetzt kommt hinzu, dass die Unternehmen wegen des demografischen Wandels (bis 2015 geht die Zahl der 15-Jährigen laut Prognosen um rund 15.000 zurück) stärker als je zuvor auf qualifizierte Facharbeiter angewiesen sind. Die Lehre steht somit im verschärften Wettbewerb mit den Schulen. Die Politik ist alarmiert und fokussiert ihre Anstrengungen auf den Lehrlingsmarkt. Allen voran will und muss das rot-schwarze Erfolgsduo SPÖ-Sozialminister Rudolf Hundstorfer und ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner die Lehre attraktiver machen. Erste Ergebnisse liegen vor. Helfen sollen modernere Lehrpläne und neue Modul-Lehrberufe wie Elektronik und Metalltechnik, die eine spartenübergreifende Ausbildung mit vielen Spezialisierungen erlauben.
Top-Chance
Jährlich werden in Österreich gut 130.000 Lehrlinge ausgebildet. Das Spektrum reicht von traditionellen Branchen bis zum innovativen Hightech-Bereich. Das Angebot passt, nun müssen neue Zielgruppen für die Lehre erschlossen werden. Die Regierung hat das Ziel gesetzt, die Zahl der Ausbildungsabbrüche langfristig zu halbieren.
Im Rahmen eines Pilotprojekts entsteht heuer ein neues Programm, das Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe gezielt bei Problemen unterstützt. Schwerpunkte sind Rechts- und Förderberatung, aber auch Mediation und Krisenintervention. Zusätzlich werden für zehn Zukunftsberufe (wie zum Beispiel Metalltechnik, Elektrotechnik oder bautechnisches Zeichnen) neue Leitlinien erstellt, die besonders jene Betriebe bei der Ausbildungsplanung unterstützen sollen, die erstmals Lehrlinge ausbilden. Ein Fokus liegt auf der Unterstützung von Lehrlingen mit Migrationshintergrund und deren Ausbildnern sowie auf Betrieben, die von Migranten geführt werden. Möglichkeiten, einen formalen Bildungsabschluss nachzuholen, werden in der Praxis vor allem Fachkräften mit Migrationshintergrund helfen, ihre im In- und Ausland erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten besser zu verwerten, erklärt Mitterlehner. Mehr Unterstützung verspricht die Regierung auch Ausbildungsunternehmen, die Auslandspraktika von Lehrlingen forcieren. Nach neuen Förderrichtlinien werden 2012 weitere 11,5 Millionen Euro zielgerichtet in die Lehrlingsförderung gepumpt. Zusätzliche rund 11,1 Millionen dienen angesichts der prognostizierten Konjunkturentwicklung als Reserve.
Ideen auf Unternehmerseite
Um jungen Jobeinsteigern ein cooles Image als chancenreicher Betrieb zu präsentieren, zeigen auch die Unternehmen Fantasie. Und freilich gab es auch immer schon jene Unternehmer, die aus Überzeugung im Lehrlingsbereich human und vorbildlich gehandelt haben. Dazu zählt sicher bauMax-Chef Martin Essl. Bei bauMax hat es generell große Tradition, auf Mitarbeiterzufriedenheit Wert zu legen. Auch Lehrlingsinitiativen bedeuten für Martin Essl, als Unternehmen nicht nur in ökonomischer Hin sicht, sondern im gesamten gesellschaftlichen Kontext Verantwortung zu übernehmen.
I like it!
Überzeugt von seinem Arbeitsplatz ist auch Roland Svoboda als Lehrling bei McDonalds. Er ist dort sogar zum Medienstar avanciert. Fotoshootings, ein Dreh für eine Reportage für den Channel M
Ich will nach dem Lehrabschluss auf alle Fälle bei McDonalds bleiben. Abwechslung finde ich genug: Mal bin ich in der Küche, dann im schickeren McCafé, in der Lobby oder bei der Kassa. Roland weiß auch schon genau, wohin die nächsten Schritte führen sollen: Zuerst möchte ich Assistent werden, dann Restaurantmanager. Mein Ziel ist es, einmal in der Zentrale zu arbeiten. So engagierte Lehrlinge färben auch die Aussichten der Unternehmen rosig.
Kommentare
Als Handwerker ist man gestraft für sein weiteres Leben! Jeder Abschluß einer 3. klassigen Matura zählt mehr!