Titelverteidiger Strobl im Interview: "Auch einem Olympiasieger wird nichts geschenkt"

33-Jähriger präsentiert sich entspannt & gut in Form Kärntner wäre 1. Abfahrts-Doppel-Olympiasieger

Am 10. Februar 2002 sicherte sich Fritz Strobl in Snowbasin/Utah seinen Fix-Platz in den rot-weiß-roten Sportgeschichtsbüchern, der damals 29-Jährige gewann als sechster Österreicher nach Toni Sailer (1956), Egon Zimmermann (1964), Franz Klammer (1976), Leonhard Stock (1980) und Patrick Ortlieb (1992) Olympia-Gold in der Königsdisziplin Abfahrt. Vier Jahre danach präsentiert sich der Kärntner vor seiner Mission Titelverteidigung entspannt und gut in Form. Strobl wäre übrigens der erste Doppel-Olympiasieger der Abfahrtsgeschichte.

"Natürlich hat der Olympiasieg mein Leben verändert. Aber was das Rennlaufen angeht, spielt er keine Rolle. Denn auch einem Olympiasieger wird nichts geschenkt. Auch ich muss mir alles beinhart erarbeiten", meinte der Kärntner vor seiner Abreise nach Italien im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Strobl weiß genau wovon er spricht. Denn mit seiner Goldfahrt im Rahmen der Spiele von Salt Lake City (0,22 Sekunden vor Lasse Kjus und 0,28 vor Stephan Eberharter) hatte eine lange sieglose Durststrecke begonnen.

Die "Erlösung" gab es erst nach mehr als dreieinhalb Jahren am 26. November 2005 mit Platz eins in der Lake-Louise-Abfahrt. "Ich hatte zwar teilweise gute Ergebnisse, aber keinen Sieg. Es war teilweise schon eine schwierige Zeit. Wir haben vom Material her sehr viel probiert, mittlerweile haben wir einen neuen Ski. Wir haben konsequent gearbeitet und punkto Material einen Riesenfortschritt gemacht. Durch die Testarbeit ist das Leben immer spannend geblieben", berichtete der Salomon-Pilot, der so wie Michael Walchhofer und Hermann Maier einen Fixplatz in der Abfahrt am Sonntag hat. Das erste der insgesamt drei Trainings findet am Donnerstag (12 Uhr) statt.

Im Gegensatz zu einer WM hatte Strobl trotz Gold 2002 keinen Abfahrtsfixplatz. "Gott sei Dank habe ich das aber schon erledigt", so der Familienvater, der im laufenden Winter in sechs der acht Abfahrten unter den Top-5 war und hinter Landsmann Michael Walchhofer Platz zwei im Disziplinen-Weltcup belegt. "Aber die eigentliche Aufgabe habe ich noch vor mir: Obwohl ich schon Olympia-Gold zu Hause hängen hab, bin ich voll motiviert. Ich will noch einmal eine gute Leistung bringen."

Warum es ausgerechnet in der Olympia-Saison wieder wie am Schnürchen läuft, kann Strobl - abgesehen vom Materialfortschritt - nicht wirklich erklären: "Da sind viele Faktoren ausschlaggebend. Das wichtigste ist, dass man locker bleibt. Ohne Krampf ist alles viel, viel leichter."

Das trifft vor allem für ein Großereignis wie Olympia zu - Strobl über die eigenen Gesetze für ein Rennen am "Tag X": "Es ist einfach so, dass an diesem einen Tag alles passen muss. Wenn du der Glückliche bist, kannst du es schaffen. Wenn irgendetwas nicht stimmt, dann eben nicht. So ist das im Leben eines Sportlers, da darf man gar nicht viel drüber nachdenken."

Strobls Erfahrungen mit der Olympia-Strecke in Sestriere: Bei der WM 1997 war der Familienvater aus Steinfeld mit einer Hundertstel Rückstand auf den drittplatzierten Kristian Ghedina Vierter, beim Weltcup-Finale 2004 war Strobl hinter Daron Rahlves Zweiter.

Den akrobatisch verhinderten Sturz in der Kitzbüheler Hochgeschwindigkeitstraverse am 21. Jänner - Strobl zog sich dabei einen Bruch des Mittelhandknochens zu - hat er abgehakt, dennoch wird die Spezialschiene an der linken Hand womöglich auch bei Olympia zum Einsatz kommen. "Vielleicht war's gar nicht so schlecht, dadurch war ich wenigstens abgelenkt", so Strobl.

(apa/red)