Um einem Schönheitsideal zu entsprechen, legen sich in den USA Millionen Menschen unter's Messer. Der Beauty-Wahn nimmt mittlerweile immer skurrilere Formen an. Nun landen auch die amerikanischen Haustiere unfreiwillig auf dem OP-Tisch der plastischen Chirurgen. Tierschützer und Politiker versuchen den Trend zu stoppen.
Nach Schätzungen des US-Haustierverbandes American Pet Products Association werden die Menschen in den USA in diesem Jahr 4,11 Milliarden Dollar (3,30 Mrd. Euro) für die "Schönheit" ihrer Haustiere ausgeben - Tendenz steigend.
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Besonders beliebt sind Silikon-Hoden für Hunde. Sie sollen kastrierten Rüden den Anschein ihrer Männlichkeit vorgaukeln. "Wenn mir jemand vor 20 Jahren erzählt hätte, ich würde einmal Hunde-Hoden verkaufen, dann hätte ich ihm gesagt, er habe einen an der Waffel", sagt Gregg Miller, Gründer des Unternehmens Neuticles - dem Weltmarktführer für künstliche Hoden - in Kansas City.
Die kleinste Variante der Hodenimplantate aus Silikon verkauft Neuticles bereits für 119 Dollar (95,4 Euro), für XXL-Prachtexemplare mit Nebenhoden müssen Herrchen und Frauchen dagegen 599 Dollar (480 Euro) hinblättern. Insgesamt habe er im vergangenen Jahr mehr als 500.000 Paar verkauft, sagt Miller. Neben Hunden habe sein Unternehmen auch Katern, Wallachen und sogar Wasserbüffeln zu neuer männlicher Strahlkraft verholfen.
Miller kam Anfang der 90er Jahre auf seine Geschäftsidee. Damals habe sein Hund Buck den "Post-Kastrierungs-Blues" gehabt, erzählt er. Die Tiere hätten ein feines Gespür dafür, dass ihnen ein wichtiges Körperteil abhanden gekommen sei. "Mit Neuticles merken sie nicht, dass da was weg ist", sagt Miller.
Die Silikon-Hoden werden in der Regel direkt bei der Kastrierung gegen die echten Weichteile ausgetauscht, wie Tierärztin Flavia DelMastro aus dem Bundesstaat Maryland erklärt. "Ich habe es bei meinen eigenen beiden Hunden gemacht und ich denke, es ist wunderbar." Für die Hunde seien künstliche Hoden angenehm, weil sie das fehlende Gewicht der Originale ersetzen würden. "Vor allem bei großen Hunden ist das wichtig, denn wenn man deren Hoden herausnimmt, bleibt ja ein großer Sack", sagte DelMastro.
Trend ruft Tierschutz und Politik auf den Plan
Kritiker halten die künstliche Verschönerung der Tiere für übertrieben. Der Trend sei "lächerlich", sagt Tazi Phillips von der Tierschutzorganisation GlobalAnimal.org. Sie berichtet von Implantaten, um schlappe Hundeohren steif zu halten, von der Verkürzung von Hundeschwänzen, von Zahn-Operationen bei Haustieren. Ihr seien sogar Fälle bekannt, in denen Herrchen und Frauchen ihren Tieren das Fett absaugen lassen hätten.
Der New Yorker Parlamentarierin Nicole Malliotakis geht das alles zu weit. Sie hat ein Gesetz eingebracht, das in ihrem Bundesstaat Schönheitsoperationen für Tiere einen Riegel vorschieben soll. Die Besitzerin von zwei Chihuahuas sieht darin "eine Form der Tierquälerei".