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Wer ist Theresa May?

Was man von der künftigen britischen Premierministerin weiß

Theresa May © Bild: REUTERS/Neil Hall

Theresa May stellt sich der Herausforderung: Als Großbritanniens neue Premierministerin übernimmt sie in Zeiten einer nationalen Krise das Ruder. Noch bevor sie ihr Amt angetreten hat, gilt sie bereits als zweite "Eiserne Lady". Den Brexit will die EU-Befürworterin jedenfalls konsequent durchziehen. Was man von der künftigen Premierministerin weiß und welche Ziele sie verfolgt.

THEMEN:

1. "Brexit ist Brexit"

Eines hat Theresa May gleich klargestellt: Ein Rückzieher kommt für die 59-Jährige nicht in Frage. "Brexit ist Brexit", verkündete May am Montagabend. Sie hatte während des Brexit-Wahlkampfes für einen Verbleib in der EU geworben, galt jedoch seit Jahren eher als EU-Skeptikerin. Die Entscheidung des Volkes will sie nun eisern umsetzen. Ein möglicherweise kluger Schachzug, der die tief zerstrittene Tory-Partei wieder vereinen könnte. "Für die Pragmatikerin May wird die Wiederherstellung der Einheit der Tories die eine anspruchsvolle Aufgabe sein", schrieb beispielsweise die "Neue Zürcher Zeitung".

Aus ihrer Position heraus konnte sich May der Tory-Partei als Figur des Ausgleichs empfehlen. Die Partei brauche eine "starke und bewährte Führungskraft, um uns durch diese Periode der wirtschaftlichen und politischen Ungewissheit zu führen", sagte sie. May hat aber auch signalisiert, sich mit offiziellen EU-Austrittsverhandlungen Zeit zu lassen. Sie werde den Antrag auf Austritt aus der Europäischen Union nicht vor Jahresende stellen - zum Ärger der EU-Staaten, die eine schnelle Lösung wollen.

2. Warum sie als zweite "Eiserne Lady" gilt

Bereits jetzt haftet der künftigen Premierministerin ein Spitzname an: die zweite "Eiserne Lady" - in Anspielung auf die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher. Wie kommt das? May übernimmt, ähnlich wie Thatcher damals, die Führung der Konservativen zur Zeit einer Krise. Das Land braucht also Stabilität und klare Handlungsweisen - das alles erhoffen sich die Briten von ihrer neuen Premierministerin. Ihr nüchterner Stil in Politik- wie auch in Kleidungsfragen brachte May schnell Vergleiche mit der Thatcher ein. Außerdem ist May seit Thatchers Rückzug im Jahr 1990 die erste Frau, die an der Spitze der britischen Regierung stehen wird.

3. Modische und sonstige Vorlieben

In einem Punkt unterscheidet sie sich allerdings von ihrer Vorgängerin: Ihr Schuhgeschmack ist eigen. Seitdem sie auf dem Tory-Parteitag 2002 Stöckelschuhe mit Leopardenmuster trug, achten britische Journalisten immer auf ihre Schuhe.

Theresa May
© REUTERS/Andrew Yates Diese Schuhe trug sie am 11. Juli 2016

Neben Schuhen sammelt die Ministerin, die seit 1980 mit dem Banker Philip May verheiratet ist, auch Kochbücher: Mittlerweile besitze sie mehr als hundert davon, verriet May kürzlich in einem Fernsehinterview.

4. Private Einblicke

May wurde als Pfarrerstochter Theresa Mary Brasier in der Stadt Eastbourne geboren. Die Politikerin macht kein Geheimnis daraus, dass sie mit ihrem Mann keine Kinder haben konnte. Das Thema Mutterschaft scheint ihrer Konkurrentin Leadsom zum Verhängnis geworden zu sein: Die Energie-Staatssekretärin fing sich harsche Kritik ein, nachdem die "Times" über deren Andeutungen berichtet hatte, Leadsom halte sich als Mutter geeigneter für die zu vergebenden Spitzenämter als May.

5. Politische Laufbahn

May arbeitete nach einem Geographie-Studium an der Elite-Universität Oxford kurz bei der Bank of England, bevor sie 1986 in den Londoner Stadtrat gewählt wurde. Seit 1997 sitzt sie als Abgeordnete im Unterhaus. 2002 wurde sie die erste Generalsekretärin der Tories und beendete damit eine lange männliche Vorherrschaft auf dem Posten.

Zu Oppositionszeiten saß May bereits in diversen konservativen Schattenkabinetten. Als Cameron 2010 Premierminister wurde, berief er May dann an die Spitze des Innenministeriums. In diesen sechs Jahren profilierte sie sich vor allem in der Einwanderungspolitik als Verfechterin einer harten Linie. Dabei nahm sie auch eine unnachgiebige Haltung gegenüber islamischen Predigern ein.

6. Hardlinerin beim Thema Einwanderung

Die 59-Jährige tritt für Änderungen beim Thema Einwanderung ein - sie gilt in der Frage als Hardlinerin. Im Rahmen eines neuen Handelsabkommens mit Brüssel will May vor allem die Einwanderung von EU-Bürgern begrenzen. Das Votum der Briten sei auch eine deutliche Botschaft gegen die geltende Freizügigkeit gewesen, teilte sie mit.

Als langjährige Innenministerin hat sie wiederholt versucht, die Nettomigration (letzter Stand bei 330.000) zu drücken, wie die Zeitung "The Guardian" berichtet. Eine ihrer umstrittensten politischen Entscheidungen sollte die Zuwanderung von Nicht-EU-Bürgern drastisch senken: Sie führte eine neue gesetzliche Regelung ein, die britischen Bürgern untersagte, ihre nicht-britischen Ehepartner oder Kinder nach Großbritannien zu bringen, außer sie verdienen mehr als 18.600 Pfund (derzeit knapp 22.000 Euro). Mehrere Familien fechten laut "The Guardian" das Gesetz gerade vor dem Höchstgericht an. Interessengruppen hätten angegeben, dass viele Kinder aufgrund der Regelung einer längeren Trennung von ihrer Familie ausgesetzt seien.

» Geht nach Hause «

Eine von Mays größten Peinlichkeiten während ihrer Zeit als Innenministerin waren aber die stark kritisierten "Geht nach Hause Transporter", die landesweit herumfuhren. Über diese Aktion wurde illegalen Migranten Hilfe angeboten, um sie zurück in ihre Heimat zu verfrachten. Die Aktion führte zu Verhöhnungen und zahlreichen Scherzanrufen. Am Ende nahmen nur 11 Menschen das Angebot an, das Land zu verlassen.

Als einen ihrer erfolgreichsten Handlungen als Innenministerin sieht die 59-Jährige die Abschiebung des islamistischen Fundamentalisten Abu Qatada: Er wurde mittels Auslieferungsabkommen nach Jordanien abgeschoben - trotz Bedenken von mehreren Seiten über die Behandlung, die er in Jordanien erfahren wird.

7. Für mehr Gleichberechtigung

Auf der anderen Seite zeigt sich May mittlerweile gar nicht konservativ in Bezug auf sexuelle Gleichberechtigung. Sie stimmte für eine Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Ehen. "Wenn zwei Menschen sich gern haben, wenn sie sich lieben, dann sollten sich auch heiraten dürfen", sagte sie. Außerdem tritt sie für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Sie kritisierte beispielsweise, dass Frauen immer noch weniger verdienen würden als Männer.

Als Innenministerin setzte sie sich zudem für eine bessere Handhabe und Polizeiarbeit bei häuslicher Gewalt ein.

8. Imagewandel im Bereich Arbeiterrechte

Die Rechte von Arbeitern hat sich May nun als zentrales Thema auf die Fahne geschrieben. In ihrer Rede am Montag sagte sie: "Unter meiner Führung werden sich die Konservativen komplett, absolut und unmissverständlich dem Dienst an den arbeitenden Bürgern verschreiben." Sie will den Arbeitern einen Platz in Firmengremien verschaffen und ihnen so mehr Rechte einräumen.

Das war nicht immer so. Die Rechte von Arbeitern lagen May in der Vergangenheit weniger am Herzen: 1997 sprach sie sich unter anderem gegen einen gesetzlichen Mindestverdienst aus. Arbeitgeber sollten die Möglichkeit haben, im Fall von extremen ökonomischen Umständen unter dem Mindestlohn zu bezahlen, sagte sie damals.

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