The Dark Knight Rises von

"Es ist besser, aufzuhören"

"Batman"-Star Christian Bale im großen NEWS-Interview zum Saga-Finale

The Dark Knight Rises - "Es ist besser, aufzuhören" © Bild: pps.at

Helden und Scheusale werden von derselben Energie getrieben; die Impulse der Rache und des Hasses befeuern fast jeden, nur Selbsterkenntnis kann sie ins Positive transformieren. Sagte der Brite Christian Bale, 38, zu NEWS. Wenige handverlesene Medien waren ins Pariser „Le Bristol“-Hotel geladen worden, um den Hauptdarsteller des dritten und letzten Teils der „Batman“-Trilogie zu treffen.

24 Stunden später waren alle Pressetermine zu „The Dark Knight Rises“ storniert, und Bale ließ eine verzweifelte Presseerklärung verbreiten: „Worte können das Entsetzen, das ich empfinde, nicht beschreiben. Ich kann die Qualen und den Schmerz der Opfer und derer, die sie lieben, nicht einmal annähernd nachvollziehen. Aber mit meinem Herzen bin ich bei ihnen.“ – Soeben hatte der 24-jahrige James Holmes während der „Batman“-Mitternachtspremiere in Aurora, Colorado, zwölf Menschen getötet . Das Interview entstand vor der Tragödie.

NEWS: Was hat Sie an der Ikone Batman fasziniert, als Sie die Rolle übernahmen?
Christian Bale: Wenn Sie seine Geschichte anschauen, wandelt er als Held des Guten auf einem schmalen Grat zum Bösen. Er wurde unter tragischen Umstanden geboren, musste als Kind mitansehen, wie seine Eltern ermordet wurden. Sehr ungesunde Emotionen kamen da hoch. Er durchlebt konstant einen inneren Kampf. Er hat in seinem Inneren auch Hass und Gedanken an Rache, die sehr destruktiv werden konnten. Aber der Punkt ist: Er erkennt das an sich selbst. Und kann diese Gefühle in etwas Positives transformieren. Ich glaube, es wird weltweit wenige Menschen geben, die über sich selbst sagen: Ich bin ein Bösewicht. Extreme Psychopathen vielleicht ausgenommen. Auch sie kämpfen für etwas, von dem sie glauben, es ist richtig. Sie kreieren ihre eigenen Gesetze. Der Held macht dasselbe. Es ist dieselbe Energie, die den Bösewicht wie den Helden treibt. Batman hat auch keine Superkräfte, abgesehen von seinem enormen Reichtum. Deshalb hat er sich so lange gehalten. 1939 im 2. Weltkrieg entstanden, ist er ein Kind seiner Zeit. Chris Nolan, der Regisseur, wollte weniger ein Eskapismusspektakel als eine möglichst realistische, zeitgemäße Variante.

NEWS: Sie interessieren sich stets für obsessive Einzelgänger. Ist das eine Energie, mit der Sie sich identifizieren können?
Bale: Obsession, Leidenschaft ist etwas, an dem man sich grundsätzlich erfreuen sollte. Aber es kann auch ungesund werden. Auch sozial äußerst aktive, gesellige Menschen können tief im Innersten alleine sein. Mit unseren eigenen Gedanken und Entscheidungen sind wir letztlich alleine. Aber es ist nicht so, dass ich das plane oder darauf hinarbeite. Ehrlich gesagt bin ich sehr subjektiv, was die Betrachtungen meiner Figuren betrifft. Ich sehe meine Arbeit auch nicht schematisch. Ich konzentriere mich auf den jeweiligen Charakter im Einzelnen.

NEWS: Wie fühlt sich der Abschied von Batman an? Oder könnten Sie sich gar eine Fortsetzung vorstellen?
Bale: Ich glaube nicht. Wir hatten Glück, die Trilogie machen zu können, und sind zufrieden mit drei gelungenen Filmen. Ich denke, das war’s. Ich verabschiede mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich erinnere mich, als war es gestern gewesen, als ich mit Chris Nolan zusammensaß, um die Figur zu konzipieren. Ich bin stolz, dass ich angefragt wurde, und auf das, was wir geschaffen haben. Aber es ist besser, aufzuhören, bevor man zu weit geht.

Viele dachten, wir würden untergehen.

NEWS: War das Finale von Anfang an so geplant?
Bale: Ganz und gar nicht. Sie müssen bedenken, die Batman-Filme waren ja nicht von Beginn an eine sichere Bank. Es gab viel Skepsis, als wir begannen. Viele dachten, wir würden untergehen. Der Erfolg war nicht vorauszusehen. Chris mag eine Vision gehabt haben. Ich selbst habe immer nur von Film zu Film gedacht.

NEWS: Für Ihre Rolle in „The Fighter“ als Boxer haben Sie den Oscar bekommen. Was bedeutet Ihnen das?
Bale: Sehr viel. Es war eine Rolle, die mir sehr viel bedeutete. Bei diesem Film passierte etwas Seltenes, es kam alles zusammen: die richtigen Personen zur rechten Zeit. Auch porträtierte ich einen Menschen, den ich persönlich intensiv kennenlernen konnte, das war ein besonderes Extra. Vielleicht war es Glück, ich weiß es nicht. Vielleicht ist es eine Illusion, wenn gesagt wird: Das war die beste Leistung dieses Jahres. Es werden ja viele tolle Filme gedreht, die nicht die entsprechende Aufmerksamkeit bekommen, was nicht an der Qualität des Films oder der Schauspieler liegen muss. Aber was soll ich sagen? Ich bin auch nur ein Mensch! Wenn man sagt, ich habe einen guten Job gemacht, freue ich mich natürlich.

NEWS: Zurück zu Batman. Nolans Filme reflektieren den Zeitgeist, hier mit deutlichen Referenzen auf die Finanzkrise oder die Terrorgefahr.
Bale: Sicher will Chris reales Weltgeschehen orchestrieren. Aber es gibt Elemente, die außerhalb seiner Reichweite lagen. Als wir mit dem Film begannen, gab es keine „Occupy“-Bewegung. Als wir am Ende an der Wall Street filmten, war das zwei Blocks von „Occupy Wall Street“ entfernt. Ich fragte Chris: Hast du gewusst, dass das passieren wird? Natürlich wusste er über die globale Wirtschaftskrise und wie jeder auch über die Gefahren des Terrorismus Bescheid, aber nicht über diese detaillierte Entwicklung. Da scheint etwas am Werk zu sein, das größer ist als wir.

NEWS: Machen Sie sich Sorgen mit Blick auf Griechenland, Spanien, vielleicht auch Ihre Heimat Großbritannien?
Bale: Natürlich mache ich mir Sorgen. Auch in Großbritannien gibt es eine Krise. Aber es gibt diese große menschliche Fähigkeit zum Zusammenhalt, und der Überlebenswillen ist nicht zu unterschätzen. Um auf den Film zurückzukommen: Mit Batmans enormem Reichtum können wir uns kaum identifizieren. Aber mit der Tatsache, dass er es geschafft hat, etwas sehr Negatives zu überwinden.

NEWS: Ihr Wohnsitz befindet sich in den USA. Sind Sie dort auch wahlberechtigt? Haben Sie die Staatsbürgerschaft?
Bale: Ja, erst seit kurzem und nach vielen Jahren. Ich bin in einer besonderen Position. Es ist ja meine Wahlheimat, auch die meiner Frau und meiner Tochter. Und da hat man dann die Wahl, wie weit man sich zugehörig fühlen will. Für mich war das ein äußerst bedeutungsvoller Moment, als mir die Staatsbürgerschaft verliehen wurde. Ich erhielt sie gemeinsam mit Militärveteranen, die für die USA kämpften, ohne eigentlich Amerikaner zu sein. Ich sprach mit ihnen, und wir teilten das Erlebnis. Ich sah, wie viel sie für das Land getan haben, so erhielt die Zeremonie eine große Bedeutung.

NEWS: Im Herbst sind US-Wahlen. Werden Sie für Obama stimmen?
Bale: Jedes Individuum, jede Generation schaut auf ihre Zeit, und ich bin nicht anders. In den USA ist gerade eine unglaubliche Umbruchszeit. Sie sehen, ich versuche gerade, Ihnen zu antworten, ohne direkt zu sagen, für wen ich stimmen werde. Ich würde sagen, ich kann mich aus der Situation retten, indem ich Ihnen verrate: Meine Tochter ist ganz begeistert von Obama!