Teure "Adele": Österreichische Galerie müsste für Rückkauf 1100 Jahre sparen!

Ankauf zum geschätzten Marktwert würde mindestens Basisabgeltung aller Bundesmuseen kosten

Der Rückkauf von Klimts Bildnis "Adele Bloch-Bauer I", das laut Bundesministerin Elisabeth Gehrer auf einen Wert zwischen 70 und 120 Mio. Euro geschätzt wird, könnte Österreich mindestens die gesamte vom Bund geleistete Basisabgeltung aller österreichischen Bundesmuseen (ohne Nationalbibliothek) kosten: Diese betragen jährlich rund 69 Mio. Euro.

Die Österreichische Galerie selbst, die voriges Jahr Ankäufe um 61.000 Euro getätigt hat (finanziert zur Hälfte aus Eigenerlösen und Mitteln der Galerienförderung), müsste hochgerechnet also zwischen 1100 und 2000 Jahre sparen, um sich das Bild leisten zu können.

Die Albertina, der 2004 ein Ankaufsbudget von 655.000 Euro zur Verfügung stand, oder das Kunsthistorische Museum (KHM), das seit 1999 jährlich durchschnittlich 600.000 Euro für Ankäufe verwenden kann, hätten die nötige (Mindest-)Summe für die Adele immerhin im Jahr 2107 fast beisammen. Damit könnten sie sich zum 200. Geburtstag des Gemäldes selbst ein teures Geschenk machen.

Mit dem geschätzten Kaufpreis des Gemäldes könnte der Bund 20 bis 30 Jahre die Basisabgeltung der Österreichischen Galerie (2004 rund 4,4 Mio. Euro) bzw. zehn bis 15 Jahre jene des Mumok (2004 rund 7,4 Mio.) finanzieren. Die Größenordnung des Falles macht auch ein Vergleich mit dem Ankauf der gesamten Sammlung Leopold deutlich: 160 Mio. Euro, zu zahlen in 14 Raten bis 2007, waren dafür aufzubringen. Damals sprang die Österreichische Nationalbank als Hälfte-Finanzier ein - und auch heute äußerte Bildungsministerin Gehrer ihre Hoffnung: "Vielleicht gibt es Sponsoren..."

Die gesamten Kulturausgaben des Bundes beliefen sich 2004 laut dem Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (IKM) auf 741,6 Millionen Euro. Wenn also alle Fördernehmer - hypothetischerweise - den Gürtel um zehn Prozent enger schnallen, geht sich der Ankauf des Porträts schon in einem Jahr aus. Billiger kommt ein Ausflug in den Souvenirshop der Österreichischen Galerie: Dort ist das Poster der "Goldenen Adele" schon um 12 Euro zu haben. (apa)