Terror-Experte warnt: Lage der deutschen Geiseln im Irak hat sich extrem verschärft

Kidnapper bauten mit Ultimatum enormen Druck auf Befreiungsaktion und Lösgeldzahlung unrealistisch

Terror-Experte warnt: Lage der deutschen Geiseln im Irak hat sich extrem verschärft

Die Lage der beiden deutschen Geiseln im Irak hat sich nach Ansicht des Terror-Experten Rolf Tophoven extrem verschärft. "Mit dem neuen Video ist ein Nervenkrieg zwischen den Entführern und der (deutschen) Bundesregierung entfesselt worden", sagte Tophoven am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP.

Die Kidnapper bauten mit der Stellung eines Ultimatums einen enormen Druck auf und bezögen dafür die Medien mit ein. Der arabische Sender Al Jazeera hatte am Dienstag erneut ein Video mit den Ingenieuren Thomas Nitzschke und Rene Bräunlich gezeigt.

Außerdem drohten die Entführer mit der Ermordung der Geiseln, falls ihre Forderungen nicht innerhalb von drei Tagen erfüllt würden. Die Entführer seien sehr viel aggressiver aufgetreten als im ersten Video, sagte Tophoven. Nach seiner Aussage gab es zwar in der Vergangenheit immer wieder Entführungen, bei denen Fristen verlängert worden seien. "Aber die Lage hat sich deutlich verschlimmert."

Grund zur Sorge sei auch, dass der Name der Gruppe auf eine Nähe zur Umgebung des Terroristenführers Abu Mussab al-Zarqawi hindeute. Die Chancen, Nitzschke und Bräunlich mit Lösegeld freizubekommen, seien deshalb deutlich geringer. Eine Befreiungsaktion sei nach jetzigem Stand unrealistisch. So würden Spezialeinheiten der Bundeswehr sofort als Kämpfer im Irak angesehen. Auch der Einsatz britischer oder amerikanischer Truppen komme derzeit nicht in Frage. "Das geht nicht, so lange es keine klaren Aufklärungsergebnisse über den Ort der Kidnapper und ihren Geiseln gibt", sagte Tophoven.

Neben den Deutschen wurden im Jänner mindestens drei weitere Ausländer im Irak entführt - zwei Kenianer und die US-Journalistin Jill Carroll. Carrolls Entführer fordern die Freilassung aller Frauen aus Gefängnissen im Irak. Andernfalls haben sie mit der Ermordung der Journalistin gedroht.

Als erste Deutsche im Irak war Ende November die Archäologin Susanne Osthoff entführt worden. Sie wurde kurz vor Weihnachten wieder freigelassen. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll ein Lösegeld von fünf Millionen Dollar (4,13 Mio. Euro) bezahlt worden sein. (apa/red)