Tempo 160 wird von Verkehrsexperten aufgrund der Verkehrssicherheit abgelehnt

Anstieg von Unfallopfern, Umweltbelastung und Lärm Hauptursache für tödliche Unfälle ist zu hohes Tempo

Tempo 160 wird von Verkehrsexperten aufgrund der Verkehrssicherheit abgelehnt

Die Anhebung des Tempolimits auf den heimischen Autobahnen auf 160 km/h wird von Verkehrsexperten deutlich abgelehnt. Es sei nicht nur das falsche Signal an die Autofahrer, sondern widerspreche auch den Umweltzielsetzungen sowie dem Verkehrssicherheitsprogramm der Bundesregierung. Ein überaus schlechtes Zeugnis wurde der österreichischen Verkehrssicherheit im Vergleich zu anderen EU-Ländern ausgestellt.

Die "Mythen und Fakten" zum Thema Tempo 160 "klar auseinander halten" wollten Verkehrspsychologe Ralf Risser und Verkehrsplaner Gerd Sammer am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Eingeladen hatte die Österreichische Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr (FSV). Kritik übten die Fachleute vor allem an der Verkehrssicherheit in Österreich. So liege etwa die Tötungsrate pro Pkw und Kilometer um 76 Prozent höher als in Finnland, um 51 Prozent höher als in der Schweiz.

Never ending Story
"Österreich steht verkehrsmäßig in Europa schlecht da. Tempolimits auf bestimmten Strecken zu erhöhen signalisiert jedoch, dass ohnehin alles in Ordnung sei", gab FSV-Präsidiumsmitglied Sepp Snizek zu bedenken. Hinzu komme, dass in 16 EU-Ländern das Tempolimit niedriger sei als die 130 km/h in Österreich. Snizek verwies auf das im Jänner 2002 von Verkehrsministerium beschlossene Verkehrssicherheitsprogramm, das eine Halbierung der Verkehrstoten bis 2010 vorgesehen habe. "Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Maßnahmen zu intensivieren und nicht aufzuweichen", forderte der Experte.

Negative Aspekte
Tempo 160 würde nicht nur mehr Gefahr auf den Autobahnen bringen, eine Anhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung führe auch zu mehr Treibstoffverbrauch, mehr Schadstoffausstoß und mehr Verkehrslärm, betonte Snizek. Da bereits die 130 km/h-Marke häufig ignoriert werde, sei die Ausweitung auf 160 km/h als "Eingeständnis des Unvermögens zu werten, für die Einhaltung bestehender Gesetze zu sorgen".

Projekt-Stop
Unterstützung erhielt der FSV vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Dieser appelliert nun an Verkehrsminister Hubert Gorbach (B), die Sicherheitsbedenken der Experten ernst zu nehmen. "Die Hauptursache für tödliche Unfälle ist zu hohes Tempo", erläuterte Wolfgang Rauh vom VCÖ-Forschungsinstitut. Zusätzlich hätten Untersuchungen gezeigt, dass bei Tempo 160 der Feinstaubausstoß um 40 Prozent höher ist als bei Tempo 130. Rauh: "Die extrem hohe Feinstaubbelastung wäre ein guter Anlass, das Tempo 160-Projekt zu stoppen." (apa/red)