Befristung, Leiharbeit, geringfügige Arbeit - all diese atypischen Beschäftigungsformen nehmen zu. Dennoch sind nicht alle Arbeitnehmer gleichermaßen davon betroffen. Denn nur 14 Prozent aller Männer arbeiten nicht unbefristet und in Vollzeit, hingegen fast jede zweite Frau. Auch wird das Anstellungsverhältnis der Männer immer sicherer, je älter sie werden. Das der Frauen hingegen eher unsicherer.
Am heimischen Arbeitsmarkt herrschen nach wie vor eklatante geschlechtsspezifische Unterschiede. Jede zweite berufstätige Frau ist atypisch beschäftigt, sprich arbeitet Teilzeit, geringfügig, in Leiharbeit oder mit einem freien Dienstvertrag. Bei den Männern hingegen haben nur 14 Prozent der Erwerbstätigen keine unbefristete Vollzeitanstellung, geht aus Zahlen der Statistik Austria hervor.
Fast 45 Prozent aller unselbstständig berufstätigen Frauen arbeiten Teilzeit - Tendenz steigend. Insgesamt gesehen ist etwa ein Drittel der unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich atypisch beschäftigt. Zwischen 2008 und 2011 stieg die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten um 46.000, zugleich sank jene der Normalarbeitsverhältnisse um 51.000. "Im Krisenjahr 2009 betraf der Rückgang bei den Normalarbeitsverhältnissen (unbefristete Vollzeitanstellung, Anm.) in erster Linie Männer, für Frauen setzte diese Entwicklung schwächer und mit einem Jahr Verzögerung ein", kommentiert man bei der Statistik Austria.
Große Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Eine deutliche Reaktion auf die Konjunkturentwicklung könne bei Leiharbeitsverhältnissen beobachtet werden, deren Zahl im Jahr 2009 merkbar abnahm. Während Normalarbeitsverhältnisse in den Jahren 2009/2010 zurückgingen, nahm die Anzahl der Teilzeitarbeitsverhältnisse zu - eine Entwicklung, die überwiegend von Frauen getragen wurde. Für Männer spielt Teilzeit mit einem Anteil von 7,6 Prozent nahezu keine Rolle.
Befristungen, Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung und freie Dienstverträge finden sich in jeder Bildungskategorie. Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es bereits bei 20- bis 24-Jährigen: 69 Prozent der Männer, aber nur 56 Prozent der Frauen in dieser Altersklasse weisen ein Normalarbeitsverhältnis auf. Während bei Männern Normalarbeitsverhältnisse mit dem Alter sukzessive steigen und bei den 40- bis 59-Jährigen einen Anteil von über 90 Prozent erreichen, geht die Entwicklung bei Frauen bis zum Alter von 40 Jahren in die umgekehrte Richtung. Lediglich 40 Prozent der Frauen im Alter zwischen 35 und 39 Jahren sind in einem Normalarbeitsverhältnis. Überwiegendes Motiv für die Teilzeitarbeit von Frauen sind Betreuungsaufgaben. Atypische Beschäftigungsformen treten vermehrt am Beginn und Ende einer Berufslaufbahn auf. Befristungen und Leiharbeitsverhältnisse sind deutlich auf jüngere Altersgruppen konzentriert.