Teheran bleibt im Atomstreit selbstbewusst:
"Bei Sanktionen wird Ölpreis massiv steigen"

Iran verfügt über zweitgrößtes Ölvorkommen weltweit Montag: EU berät Lage mit USA, China und Russland

Teheran bleibt im Atomstreit selbstbewusst:
"Bei Sanktionen wird Ölpreis massiv steigen"

Im Atomstreit mit einem großen Teil internationalen Gemeinschaft zeigt sich der Iran selbstbewusst. Wirtschaftsminister Davoud Danesh-Jafari warnte den Westen, Sanktionen gegen sein Land könnten den Ölpreis steigen lassen. Das Land verfügt über die zweitgrößten Ölvorkommen weltweit und ist viergrößter Erdölexporteur.

"Jegliche Sanktionen können die politische und wirtschaftliche Lage des Iran durcheinander geraten lassen. Das würde den Ölpreis stärker steigen lassen als der Westen erwartet", sagte er.

Teheran weiter unnachgiebig
Teheran zeigt sich weiter unnachgiebig. Sollten die USA und die EU den Weltsicherheitsrat einschalten, werde das Parlament darauf bestehen, die iranischen Atomanlagen nicht mehr von der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO/IAEA) kontrollieren zu lassen. Das sagte Parlamentspräsident Gholam Ali Hadad-Adel in Teheran. In London kommen an diesem Montag hochrangige Vertreter der EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien sowie der USA, Chinas und Russlands zusammen, um die Lage zu erörtern.

Die EU-Staaten wollen die Gespräche auf der Ebene von politischen Direktoren führen. Aus Washington reist Staatssekretär Nicholas Burns an, aus Moskau will Vizeaußenminister Sergej Kisljak teilnehmen. Der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Hamid-Reza Asefi, sagte am Sonntag, der gegenwärtige Konflikt könne nur diplomatisch gelöst werden. Allerdings habe der Iran auch keine Angst vor dem UNO-Sicherheitsrat. Die Gespräche in London bezeichnete Asefi als "nicht nötig". Was immer dabei herauskomme - der Iran werde auch weiterhin sein Recht auf Nukleartechnologie verteidigen. Teheran besteht darauf, Kernenergie für friedliche Zwecke zu nutzen und dafür auch Uran anzureichern. Der Westen befürchtet, Iran wolle eine Atombombe bauen.

Teheran will mit EU-Trio weiter verhandeln
Das Außenministerium in Teheran hatte am Samstag Deutschland, Großbritannien und Frankreich zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. Eine Einigung im Atomstreit müsse die Herstellung von iranischen Brennstäben für seine Kernkraftwerke sichern. Gleichzeitig solle sie den friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms garantieren. Das Ministerium erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass "ein Großteil des iranischen Atomprogramm immer noch auf freiwilliger Basis ausgesetzt" sei. Dies könne sich ändern.

Ahmadinejad warnt vor Gefährdung des Weltfriedens
Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte zuvor vor einer Überweisung des Streits an den Weltsicherheitsrat gewarnt. Dies könne den Weltfrieden gefährden. "Der Sicherheitsrat ist kein Gremium zur Durchsetzung der Forderungen des Westens", sagte er am Samstag vor Journalisten. Der Iran brauche keine Kernwaffen, da das Land über eine lange Geschichte und reiche Kultur verfüge. Nur Länder, die Konflikte durch Gewaltanwendung lösen wollten, bräuchten Atomwaffen.

Solana klar gegen militärische Lösung
Der EU-Chefdiplomat Javier Solana sprach sich klar gegen eine militärische Lösung im Fall Iran aus. "Ein militärisches Vorgehen gegen Iran steht außer Frage", sagte der EU-Koordinator für Außen- und Sicherheitspolitik der "Bild am Sonntag". Die Entscheidung der Europäer, den UNO-Sicherheitsrat anzurufen, bedeute "keineswegs ein Ende der Verhandlungen", sagte Solana dem Blatt. "Im Gegenteil, wir favorisieren weiterhin eine diplomatische Lösung. Doch ist es nun an der Regierung in Teheran, uns ihr Entgegenkommen zu signalisieren."

Der frühere US-Präsident Bill Clinton bezeichnete einen US-Angriff auf den Iran als unwahrscheinlich. "Ich weiß nicht, wo wir im Moment die Soldaten dafür hernehmen sollten", sagte er in einem BBC-Interview.

Iranische Atomanlage wurde ausgebaut
Amerikanische Forscher berichteten unterdessen über einen Ausbau der iranischen Atomanlage Natanz. Das private Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (ISIS) in Washington veröffentlichte ein am 2. Jänner aufgenommenes Luftbild der Anlage. Darauf seien sieben noch unfertige Bauten zu sehen, die vor einem Jahr noch nicht vorhanden gewesen seien, sagte die stellvertretende Institutsleiterin Corey Hinderstein.

In Natanz nahm der Iran am vergangenen Dienstag sein gut zwei Jahre lang ausgesetztes Forschungsprogramm zur Produktion von Kernbrennstoffen wieder auf. Nach IAEO-Angaben soll im Rahmen der Experimente auch die umstrittene Urananreicherung wieder anlaufen, die für Atomwaffen genutzt werden könnte.

Ahmadinejad besucht Syrien
Ahmadinejad wird in der kommenden Woche Syrien, den engsten Verbündeten des Iran, besuchen, meldete die halbamtliche Angentur Fars. Es handelt sich um den ersten bilateralen Auslandsbesuch des iranischen Präsidenten seit dessen Amtseinführung im August. Ahmadinejad folgt einer Einladung seines syrischen Amtskollegen Bashar al-Assad.

Wie der Iran steht auch Syrien unter Druck des Westens, insbesondere der USA. (apa/red)