Tauwetter in den Alpen: Experten
warnen weiter vor extremer Lawinengefahr

Zahlreiche Straßen gesperrt, Warnung vor Skitouren KLICKEN: So wird das Wetter in den nächsten Tagen!

Das Tauwetter in den Alpen sorgt weiter für extreme Lawinengefahr. Nach der Lawinen-Serie am Wochenende sind in Oberösterreich und Niederösterreich wieder Lawinen niedergegangen. Im Salzkammergut sind Hallstatt und Obertraun dadurch derzeit auf dem Straßenweg nicht erreichbar. In Niederösterreich musste die Erlauftal-Bundesstraße bei Lunz in der Früh nach einem Lawinenabgang vorübergehend gesperrt werden.

Auch im Bundesland Salzburg herrschte zum Großteil erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3), die weiter bestehen bleibt, teilte der Lawinenwarndienst mit. Bis zur Waldgrenze können Nassschneelawinen von selbst abgehen, in den Hochlagen besteht eine Gefährdung durch frische Schneebretter. Die Felbertauernstraße ist seit Mitternacht zwischen Mittersill (Schellit-Werk) und dem Tunnel-Südportal in beiden Richtungen wegen Lawinengefahr gesperrt, ebenso nach wie vor die Salzachtal-Bundesstraße (B159).

In Talnähe sind weiter Feuchtschneerutsche oder Grundlawinen zu erwarten. Die ungewöhnlich großen Schneemengen in tiefen Lagen führten zu teils untypischen Abgängen. Für den Wintersportler am kritischsten sind frische, labil gelagerte Einwehungen durch den Föhn in den Hochlagen. Im steilen, hochalpinen Gelände kann bereits ein einzelner Wintersportler ein Schneebrett auslösen.

Ungünstige Bedingungen in Tirols Skitourengebieten
Sehr ungünstige Tourenbedingungen haben in den Skitourengebieten Tirols geherrscht. Die Experten des Lawinenwarndienstes rechneten mit Nassschneelawinen auch in tiefen Lagen. Laut Wetterprognose war mit Regen in tiefen Lagen und Schneefall von bis zu 25 Zentimetern entlang des Alpenhauptkammes - speziell in den südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen - im südlichen Osttirol von bis zu 15 Zentimetern sowie starkem Höhenwind zu rechnen. Durch den Regeneinfluss verliere die Schneedecke bis etwa 1.800 Metern massiv an Festigkeit. Als Gleitfläche für Lawinen kämen dabei primär steile Wiesenflächen, aber auch in die Schneedecke eingelagerte Schwachschichten in Frage. Zu letzteren zählten speziell in Schattenhängen und in höheren Lagen vorzufindende eingeschneite Oberflächenreifschichten, die sich Mitte Jänner gebildet hätten.

Am Montag herrschten ungünstige Bedingungen bei allgemein erheblicher, in den südlichen Stubaier und Ötztaler Alpen oberhalb etwa 2.500 Metern teilweise auch großer Gefahr. Dabei müsse in tiefen Lagen unverändert mit dem Abgang von Nassschneelawinen speziell aus steilen Hängen mit glattem Untergrund gerechnet werden. In der Höhe hätten sich hingegen durch den sehr starken Windeinfluss der vergangenen Tage teilweise sehr umfangreiche Triebschneepakete gebildet. Diese seien derzeit sehr störanfällig, was unter anderem auch einige Lawinenabgänge des vergangenen Wochenendes sowie häufig wahr zu nehmende Setzungsgeräusche beim Betreten der Schneedecke gezeigt hätten.

Wer derzeit im freien Gelände unterwegs sein wolle, sollte deshalb unbedingt über gutes lawinenkundliches Wissen verfügen und frischen Triebschneeansammlungen im Steilgelände konsequent ausweichen. Vereinzelt sei durch neue Verfrachtungen auch noch mit dem spontanen Abgang von Lawinen aus extrem steilen kammnahen Schattenhängen zu rechnen, warnten die Experten.

(apa)